Film Unser friedfertiger Kämpfer

 Foto: Robert Braunmüller / TV/Medien

Am heutigen Samstag feiert der Regisseur und Produzent Michael Verhoeven seinen 75. Geburtstag, am kommenden Montag erhält er den Filmpreis der Stadt München

 

Michael Verhoeven einen freundlichen Menschen zu nennen, wäre pure Untertreibung. Der Regisseur strahlt auch im Giesinger Büro seiner Sentana-Filmproduktion jene seltene Warmherzigkeit aus, für die er in der Branche berühmt ist. Aber der Mann, der am heutigen Samstag 75 Jahre alt wird, ist ebenso ein beinharter Kämpfer für seine Themen, in seinen Filmen konfrontiert er die Menschen immer wieder mit den dunklen Seiten der deutschen Geschichte. Am Montag erhält er den Filmpreis der Stadt München. Michael Verhoeven ist seit 1966 mit Senta Berger verheiratet, ihre beiden Söhne Simon und Luca arbeiten ebenfalls erfolgreich im Filmgeschäft.

AZ: Herr Verhoeven, was war eigentlich Ihr erster Kinofilm, den Sie gesehen haben?

MICHAEL VERHOEVEN: Das darf ich gar nicht sagen, es ist so trivial. Es war „Tischlein, deck dich“ in einem Gasthaus in Laim 1946, wo der Projektor lauter surrte als die Tonspur. Fasziniert hat mich als Achtjähriger der „Knüppel aus dem Sack“, den hätte ich auch gern gehabt.

Verfolgen Sie noch intensiv, was an neuen Filmen ins Kino kommt?

Bedingt, ich schaue auch gerne alte Filme. Und ständig lerne ich etwas. Manchmal sind es auch bestimmte Einstellungen, die ich großartig finde. „Molière“ von Ariane Mnouchkine zum Beispiel, die Sterbeszene. Das „Gehen“ der Trauernden auf der Treppe! Unglaublich. Und ich darf es ja kaum sagen, ich habe jetzt erst „Das Boot“ von Wolfgang Petersen gesehen.

Wie konnten Sie dem so lange entgehen?

Ach, wenn es so viel Rummel um einen Film gibt, dann habe ich meist keine Lust, ihn zu sehen. Aber „Das Boot" fand ich jetzt richtig gut. Wahnsinnig schwer zu drehen.

Wie soll man sich die Familie Verhoeven beim gemeinsamen Fernsehen vorstellen – können sie zusammen einen Film still genießen?

Leider nein. Bei uns wird dann nur gefachsimpelt. Es ist wirklich furchtbar.

Sie kennen das Filmgewerbe als Schauspieler, Produzent, Regisseur und Betreiber von Berliner Kinos. Was ist Ihre liebste Position?

Regisseur - das Drehen selbst macht am meisten Spaß.

Sie wirken nicht wie ein Diktator im Regiestuhl.

Bin ich auch nicht. Ich möchte wissen, was die Schauspieler an einer Szene oder Figur interessiert. Aber keine Sorge, ich habe wie jeder Dompteur Techniken, dass die anderen schon machen, was ich will. Vielleicht merken sie es nicht immer. Aber ich brauche schon aus Egoismus gute Stimmung am Set, sonst kann ich nicht kreativ arbeiten.

Und welches Projekt fesselt Sie zur Zeit?

Ich arbeite gerade an dem Film über die Münchner Kindheit von Laura Waco. Sie hatte mich 1991 in Los Angeles angesprochen, als ich dort war. Ich war für „Das schreckliche Mädchen“ Oscar-nominiert. Ich habe ihr Script angelesen und ihr auch einen Verlag empfohlen. Gut zehn Jahre später las ich in der Zeitung eine Leseankündigung von ihrem Buch „Von Zuhause wird nichts erzählt“ in der Buchhandlung Kirchheim in Gauting. Ich bin hin gefahren und habe schnell die Rechte erworben.

Es geht wieder um die Aufarbeitung...

Nein, Aufarbeitung ist das falsche Wort, weil Laura Waco so federleicht schreibt, als wären es nur schöne Erinnerungen. Sie hatte eine besondere Nachkriegskindheit: Sie sollte nicht erfahren, dass sie Jüdin ist, damit sie keine Angst hat und vollkommen frei Kind sein könnte. Aber ihre Eltern haben viele Traumen aus ihrer Zeit im Konzentrationslager auf die Kinder übertragen, auch wenn sie das Gegenteil wollten. Laura Waco schafft es, das nicht ganz einfache Leben dennoch sehr lustig aufzuschreiben - als menschliche Komödie.

Warum machen Sie den Film erst jetzt?

Ich habe lange gebraucht, Verbündete zu finden. Der Film spielt zwischen 1947 bis 1968 und das ist auch wegen der Ausstattung teuer. Der BR hat sich das allein nicht zugetraut, aber dann ist der WDR eingestiegen und die Degeto durch die angenehme Zufälligkeit, dass die heutige BR-Fernsehdirektorin, Bettina Reitz, dort ein kurzes Gastspiel als Geschäftsführerin gegeben hat. Natürlich frage ich mich auch, warum kann ein Sender nicht mehr allein ein großes Projekt stemmen?

Aus Mutlosigkeit?

In den 70er und 80er Jahren, als ich viel fürs Fernsehen gemacht habe, war das jedenfalls anders. Da hat ein Redakteur das einfach durchgesetzt.

Und wenn es ein Flop war?

Es gab das Quotendiktat noch nicht. Mitte der 70er Jahre war Dieter Stolte Fernsehdirektor beim SWR. Er erzählte mir damals, er wolle etwas einführen, was er „Programmnutzen“ nannte. Ich habe das gar nicht ernst genommen, aber das war der Auftakt zum heutigen Quoten-System. Ich kann mich damit nicht anfreunden: Ein Film hat es auch gar nicht verdient, allein nach seiner Quote beurteilt zu werden. Die Zeitung mit der höchsten Auflage in Deutschland ist ja auch nicht die beste Zeitung im Land.

Das ganze Interview lesen Sie in der Samstagsausgabe der Abendzeitung.
 

 

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