Fieberthermometer im Test "Das möchte man seinem Kind nicht in den Mund stecken"

Heiße Stirn, Unwohlsein: Bei einem Buben wird mit einem Kontaktthermometer die Temperatur bestimmt. Foto: dpa

Auf die meisten der Fieber-Messgeräte ist Verlass. Welche ungenau sind und welches sogar „stinkt“ – die Resultate.

München - Wenn das Kind kränkelt und die Stirn heiß ist, holen viele Eltern erst einmal das Thermometer hervor. Fieber ist eines der wichtigsten Symptome bei Bakterien und Viren im Körper. Doch messen die Geräte auch richtig? Von welchen sollte man besser die Finger lassen? Das Magazin „Öko Test“ hat in der Januar-Ausgabe 16 Kontakt- und Infrarotthermometer geprüft. Die Ergebnisse:

Zehn Thermometer schneiden mit „sehr gut“ ab: Eltern können aufatmen: Zehn von 16 getesteten Artikeln sind „sehr gut“. Dazu gehören zum Beispiel das AEG Ohrthermometer FT 4919 oder auch das Babydream Express Fieber-Thermometer. Beim Modell von AEG muss man beispielsweise nur eine Sekunde warten, schon ist das Ergebnis da. Ab 37,5 Grad Celsius gibt es ein akustisches Warnsignal von sich, also immer dann, wenn die normale Körpertemperatur von 37 Grad auch nur leicht überstiegen wird.

Von richtigem Fieber spricht die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin ab 38,5 Grad. Bei anderen sehr guten Thermometern gibt es teils zusätzlich noch eine optische Warnanzeige.

Weitere zwei Produkte haben ein „gut“ bekommen. Bei allen diesen Geräten ist die Messgenauigkeit in Ordnung.

Zwei Produkte fallen durch: Die restlichen vier schneiden nicht so gut ab, zwei fallen durch: Ein „ungenügend“ gibt es für das Scala Baby-Schnullerthermometer SC 33 TM. Der gravierendste Mangel: Es misst nicht genau. Bei über 43,9 Grad kommt die Warn-Anzeige „H“. Ein bisserl sehr spät. Die zu empfehlenden Modelle schlagen alle deutlich früher Alarm. Zudem ist das Scala-Thermometer auffallend klein, hat keine Displaybeleuchtung und die Batterie kann man nicht austauschen. Das bedeutet: „Es landet zwangsläufig im Müll.“ Nicht sehr umweltfreundlich.

Mit „mangelhaft“ wird das Nuk Baby Thermometer 2 in 1 bewertet. Mit diesem Gerät ist es im Test nicht gelungen, mehrmals hintereinander den gleichen Temperatur-Wert zu erhalten.

„Das möchte man seinem Kind nicht in den Mund stecken“

Auch folgende Bewertung der Experten dürfte Eltern aufhorchen lassen: Das Produkt von Domotherm Junior Digitales Fieberthermometer „möchte man seinem Kind nicht in den Mund stecken, es stinkt und schmeckt auffallend streng“, so das Gesamturteil.

Keine gefährlichen Schadstoffe: Auch wenn die Experten so manches zu bemängeln hatten, eins ist nicht darunter – und zwar bei keinem Produkt: gefährliche oder umstrittene Schadstoffe. Gefunden wurde zwar Brom auf allen untersuchten Platinen. Es wird auf elektronischen Geräten als Flammschutzmittel angewendet. Die Experten werten Brom aber nur als „weiteren Mangel“.

Wenn’s mal wieder länger dauert: Vor allem Kinder sind oft ungeduldig, da geht es am besten schnell mit dem Messen. Mehrere Geräte wie von AEG, Reer und H+H von Olympia brauchen nur eine Sekunde für die richtige Temperatur. Bei anderen geht es nicht ganz so flott: Das Produkt von Beurer braucht 110 Sekunden, das Chicco-Gerät 18 Sekunden. Die Überraschung – vermutlich sogar für den Hersteller: Bei Geratherm Classic heißt es eigentlich in der Anleitung, es dauert etwa vier Minuten. Im Test gab’s die Temperatur aber schon nach 30 Sekunden.

Der Kostenfaktor: Kontaktthermometer kosten zwischen 3,50 und sechs Euro. Bei Infrarotthermometern dagegen muss man schon einiges mehr auf den Tisch legen: Das teuerste Modell ist von Braun für 47,98 Euro. Die anderen Modelle kosten zwischen 20 und 40 Euro.

Kontakt- und Infraofrotthermometer:

Mit welchem Thermometer wo gemessen werden kann und für welches Alter es geeignet ist:

Kontaktthermometer:

Im Po: Diese rektale Messung ist laut Experten für Säuglinge und kleine Kinder die beste Methode. Ärzte raten, das Kind in Rückenlage zu bringen, die Beine nach oben heben. Etwas Creme kann das Einführen erleichtern.

Im Mund: Das Thermometer muss lange genug im Mund unter der Zunge gelassen werden. Bei Säuglingen und kleinen Kindern ist das zu gefährlich, so der Expertenrat von „Öko Test“. Das Problem bei speziellen Schnullerthermometern: Ist der Mund nicht fest genug geschlossen, ist die Messung ungenau.

Unter der Achsel: Experten empfehlen diese Methode nicht. Denn der Wert kann deutlich unter der tatsächlichen Körpertemperatur liegen.

Infrarotthermometer:

Im Ohr: Diese Messung wurde erst kritisch beäugt, hat sich allerdings bewährt. Der Patient muss dabei stillhalten. Die Messung ist präzise und schnell, so „Öko Test“. Der Tipp: Das Ohr nach hinten oben ziehen, dadurch wird der Gehörgang gerader. Denn kann der Sensor das Trommelfell nicht richtig anpeilen, gibt es falsche Werte. Übrigens wird’s auch bei Ohrenschmalz schwierig.

Auf der Stirn: Diese Messung ist wenig gängig. Die anderen Methoden werden von Ärzten bevorzugt.

 

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