Feuer im Yachtclub-Bootshaus Alles zerstört: "Es wird nie wieder so schön, wie’s war"

Das ist alles, was übrig ist: Die Holzkonstruktion ist komplett verkohlt, das Blechdach komplett zusammengesunken. Foto: Daniel von Loeper

Das denkmalgeschützte Bootshaus des exklusiven Münchner Yacht-Clubs am Starnberger See brennt fast komplett nieder. Viele Boote werden vernichtet, auch das Flaggschiffs des Vereins: die Aphrodite.

 

Starnberg – Es ist ein trauriger Anblick, der sich am sonst so schönen, in der Herbstsonne glitzernden Starnberger See bietet: Das historische Bootshaus des noblen Münchner Yacht-Clubs (MYC), der seinen Sitz in der Possenhofener Straße hat, ist nur noch eine Ruine. Nur ein paar verkohlte Eichenstelen und das eingesunkene Blechdach stehen noch – den Rest hat, wie berichtet, ein Großfeuer, das am Freitagabend ausgebrochen war, vernichtet.

Die Mitglieder des Yachtclubs sind bestürzt über den Verlust ihres 1920 erbauten Bootshauses, das fast komplett aus Holz bestand und deshalb lichterloh brannte: „Es ist ein Jammer. Es war so ein schönes, hölzernes Bootshaus das nach See roch. Früher befanden sich dort die Werkstätten, doch man hat sie komplett herausgenommen, um das Haus in voller Schönheit sehen zu können.“, sagt ein Clubmitglied.

Auch der Schaden an den Booten trifft viele: Die Segelyachten haben fast alle Kunststoff- oder Glasfaserrümpfe, die durch die hohe Hitzeentwicklung aufweichen und brüchig werden. Sie haben jegliche Stabilität verloren – und sind hinüber.

Die Aphrodite war der Star des Clubs

Betroffen ist auch ein ganz besonderes Schiff: Die „Aphrodite“, die der ehemalige Vorsitzende des MYC dem Club geschenkt hat. „Die Aphrodite war das Clubschiff, unser Star. Sie hatte einen wunderschönen Riss, vier Übernachtungsmöglichkeiten und war sehr gutmütig. Ich selbst habe die Einweisungen übernommen, danach durfte jedes Clubmitglied mit diesem Schiff fahren“, erzählt Yachtbesitzer Klaus Wollin. Ihm und seiner Frau Doris tut es weh, das Bootshaus im jetzigen Zustand zu sehen: „Es wird nie wieder so schön werden wie früher.“

Am Samstag fand eine erste Brandortbegehung statt, bei der jedoch keine Hinweise zur Ursache ermittelt werden konnten. Neben Brandstiftung kann auch ein Defekt in der Elektrik in Frage kommen – doch das halten viele Clubmitglieder für unwahrscheinlich, da das Gebäude erst vor zwei Jahren komplett saniert wurde.

Juliane und Jakob Tittel hatten ihren Segelmast im Bootshaus gelagert – von dem Verlust erfuhren sie per E-Mail, die der Club am Samstag an alle Mitglieder geschickt hat: „ Wir sind natürlich heilfroh, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Jetzt geht es darum, das Ganze der Versicherung zu melden. So ein Mast kostet zwischen 5000 und 6000 Euro.“

Zwei Millionen Euro Schaden

Zum Glück war der Club bereits geschlossen, sodass sich keine Personen mehr in dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude befanden. Der Materialschaden ist jedoch enorm: Im Bootshaus befanden sich Hunderte von Spinden, Segel, Beiboote, Masten und weiteres Zubehör. In der Umgebung wurden etwa 15 Boote zerstört oder stark beschädigt. Die Polizei schätzt den Schaden auf ca. zwei Millionen Euro. Wie das Feuer ausbrechen konnte, ist noch nicht geklärt.

Bemerkt hatte den Brand ein Radler, der von der Possenhofener Straße aus eine Rauchsäule aufsteigen sah. Er verständigte die Polizei. Kurz darauf trafen Feuerwehr und Rettungskräfte ein – zwei Jugendliche hatten zuvor mit einem Traktor aus dem Nebengebäude noch Boote retten können, bevor es zu gefährlich wurde. Die Feuerwehren aus Starnberg und sechs weiteren Gemeinden waren bis in die Nacht mit den Löscharbeiten beschäftigt.

Ab Montag sollen die Ermittlungen weitergehen. Das alte Bootshaus will der Club wieder aufbauen.

 

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