Ferrari in der Formel-1 Vettel und seine Eva: Hoffnung eines Mythos

Vettel und seine Eva: Sind sie das neue Traumpaar der Formel 1? Gemeinsam machen sie sich auf die Jagd nach Titelverteidiger Lewis Hamilton und seinen Mercedes. Foto: dpa

Der viermalige Weltmeister soll – nein, muss – Ferrari aus der Krise führen. Wie einst sein Vorbild Michael Schumacher. Seine Chefs loben ihn schon jetzt: „Er verbindet Ruhe mit Weisheit“.

 

MelbourneSebastian Vettel spürt die Magie, er saugt sie auf. Er will den Mythos leben. Den Mythos Ferrari, jener ruhmreichste aller Formel-1-Rennställe, der so tief in der Krise steckt – und der nun alle Hoffnungen auf Vettel setzt, die frühere Größe wieder aufleben zu lassen. Vettel, der Hoffnungsträger der Roten, sagt: „Es steckt sehr viel Geschichte in dem Team, es ist eine große Ehre und etwas ganz Besonderes, für Ferrari zu fahren.“

Es ist sein erster großer Auftritt als neuer Pilot der Scuderia im Vorfeld des Saisoneröffnungs-Grand-Prix in Australien (Sonntag, 6.00 Uhr/RTL und Sky). Den roten Pulli, die rote Kappe trägt Vettel bereits mit Stolz. Seine Augen leuchten: „Ich kann es kaum abwarten, ins Auto zu steigen.“

Mit Adam(i) und Eva auf dem Weg zurück ins Paradies?

Seinen ersten Ferrari-Boliden hat Vettel auf den Namen „Eva“ getauft. Schlicht – aber lustig. „Mein Ingenieur heißt mit Nachnamen Adami, bei der Namensfindung wurde viel gelacht“, sagte Vettel vor seinem mit Spannung erwarteten Debüt. Adam(i) und Eva – ein bisserl biblischer Beistand kann auf dem Weg zurück auf den Formel-1-Thron ja nicht schaden.

Und gute Stimmung sowieso nicht. „Wir sind ein Team, wir müssen alle an einem Strang ziehen. Dieses Hin- und Herschieben von Verantwortung darf es nicht mehr geben“, hatte Maurizio Arrivabene, Ferraris neuer Teamchef, verfügt. Und festgestellt: „Die Leute wirken wie befreit, seit wir ihnen eine neue Verantwortung gegeben haben.“

Auch Vettel selbst wirkt vor seinem Ferrari-Debüt wie verwandelt. In seinen letzten Monaten bei Red Bull war er meist lustlos, oft genervt. Bei der offiziellen Pressekonferenz am Donnerstag hatte der Hesse wieder den Schalk im Nacken, neckte sich mit Weltmeister Lewis Hamilton. Der Mann, den Vettel schlagen will. „Wenn die Möglichkeit kommt, müssen wir da sein“, sagt er.

Auf den Hoffnungsträger wartet eine gewaltige Aufgabe. Der entthronte Champion soll, nein, er muss Ferrari zurück an die Spitze führen. Seit 2007 warten die Italiener auf einen Fahrer-Titel, 2014 konnte Ferrari nicht einen einzigen Grand Prix gewinnen – erstmals seit 21 Jahren. Kurz: Ferrari liegt am Boden. Vettel, der Retter, wurde geholt, das schleunigst zu ändern – wie damals sein Idol Michael Schumacher. „Es wartet viel Arbeit auf uns. Schließlich wollen wir Ferrari zurück an die Spitze führen“, sagt er. Und wie Schumacher soll er die neue Identifikationsfigur bei Ferrari werden. Den Mythos leben. Vettel weiß um die Erwartungen. Er lernt seit Wochen italienisch. Besuchte die Ferrari-Fabrik, so oft es ging.

Schaute in jeder Abteilung vorbei, schüttelte allen Mitarbeitern die Hand. Saß stundenlang im Simulator. Aß im legendären Ristorante Montana in Maranello zu Abend. Stand andächtig im alten Büro von Enzo Ferrari.

Doch jetzt wird es ernst. Bei aller Begeisterung muss Vettel ab sofort liefern. Der Druck steigt. Angst zu versagen? „Nein“, sagt Vettel. Und für einen kurzen Moment verschwindet das Grinsen aus seinem Gesicht und weicht einem entschlossenen Blick.

„Er erinnert mich an einen anderen Deutschen“

Seine Vorgesetzten scheinen an seiner Mission sowieso nicht zu zweifeln. „Er verbindet Ruhe mit Weisheit. Das sind seltene Qualitäten für einen jungen Menschen“, lobt Ferrari-Boss Sergio Marchionne. Und Teamchef Arrivabene fügt an: „Wenn ich sehe, wie Sebastian arbeitet, dann wundert es mich nicht, dass er viermal Weltmeister geworden ist. Sebastian macht sich über jedes Detail akribisch Notizen, arbeitet sehr analytisch. In dieser Art erinnert er mich an einen anderen Deutschen.“

An Michael Schumacher, der den Mythos Ferrari in sich aufgesaugt hatte wie kein anderer.

 

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