Fernsehen In eisigen Abgründen

Stefan Kurt als dubioser Firmenchef Sand (l.) und Heino Ferch als Polizeipsychologe Brock in dem ZDF-Film „Spuren des Bösen“ . Foto: Bodenstein/ZDF

Ein Fernsehkrimi, wie man ihn sich wünscht: „Spuren des Bösen” mit Heino Ferch als Polizeipsychologe ist atemberaubend spannend und mit viel Sorgfalt inszeniert

 

Er ist ein Verhörspezialist, ein Seelenforscher, ein schroffer Kollege und gleichzeitig einfühlsamer Zuhörer, wenn es um seine eigenen Interessen geht: Richard Brock (Heino Ferch) wird von der Wiener Polizei immer dann hinzugezogen, wenn die Kriminalisten vom Dienst nicht mehr weiter wissen. So auch bei einem höchst rätselhaften Mordfall: Im Krimi „Spuren des Bösen” tötet ein Unbekannter eine Buchhalterin aus einem multinationalen Riesenkonzern in ihrer Wohnung – und lässt mit eiskalter Seelenruhe seine Spuren am Tatort verschwinden, während die Schwester der Ermordeten auf dem Balkon panisch um ihr Leben schreit. Die Spur des Bösen führt direkt in die Konzernzentrale.

AZ: Glückwunsch Herr Ferch, „Spuren des Bösen” ist ein Meisterwerk geworden. War Ihnen das schon bewusst, als Sie das Drehbuch gelesen haben?

HEINO FERCH: In diesem Falle schon, das war ein Genuss zu lesen. Der leise Zynismus der Hauptfigur, die Kargheit der Rolle und diese gewisse Ruppigkeit, mit der Richard Brock in dieser Geschichte zu Werke geht, das war alles schon drin. Und es ist eine Lust zu sehen, wie präzise Regisseur Andreas Prochaska und Autor Martin Ambrosch die Personen gezeichnet und die Dialoge entwickelt haben.

Sie spielen einen Polizeipsychologen, haben Sie sich vor Drehbeginn Rat eingeholt?

Ich habe eine Psychoanalytikerin und Professorin in Wien, die auf Hypnose spezialisiert ist, kontaktiert. Und daraufhin haben wir gemeinsam eine Szene überarbeitet, in der ich eine schwer traumatisierte Frau im Film in Hypnose versetzte. Wir wollten dies unbedingt so glaubhaft wie möglich machen.

Es gibt eine derartige „Tatort”-Sonderstellung unter den Krimis, dass es Projekte wie „Spuren des Bösen” manchmal schwer haben. Aber ein „Tatort” hat Sie bislang nie gereizt.

Ich hatte schon mal die konkrete Anfrage, ob ich mir vorstellen könnte „Tatort”-Kommissar zu werden, aber ich wollte mich da bislang nie so festlegen.

Was befürchten Sie?

Ich befürchte eine gewisse Festlegung, die auch dazu führen könnte, dass man andere interessante Rollen gar nicht mehr angeboten bekommt. Viel spannender finde ich momentan Richard Brock. Wir haben schon mit demselben Team einen zweiten Film abgedreht und vielleicht – wenn die Zuschauer an dem ungewohnten Krmisendeplatz am Dienstag mitmachen – könnten ja noch weitere Fälle folgen.

Wenn man Ihr Arbeitspensum der letzten Jahre anschaut, fragt man sich, ob Sie ein Workaholic sind.

Nein, im vergangenen Jahr habe ich das ganze Frühjahr nur mit der Familie verbracht

und nicht gearbeitet – auch, weil kein Angebot da war, was mich fasziniert hätte. Und bei „Hanni und Nanni” oder auch bei „München 72” spiele ich ja keine absoluten Hauptrollen, da gibt es schon noch große private Freiräume, vor allem, wenn man in München dreht und abends wieder nach Hause kann.

Sie haben als Theaterschauspieler begonnen. Hätten Sie nicht mal wieder Lust, auf die Bühne zurückzukehren?

Es gibt immer wieder Anfragen, aber die sind dann zu kurzfristig, da habe ich Film- und Fernsehprojekte schon längst unterschrieben. Was allerdings Kušej in München am Residenztheater aufbaut, finde ich sehr interessant. Das wäre auch das einzige Theater, wo es mich derzeit hinziehen würde, es ist ja auch nur eine halbe Stunde von meiner Haustür entfernt. Dort spielen tolle Kollegen, die ich teilweise schon lange kenne. Ich habe mir schon ein paar Stücke angeschaut. Vielleicht ergibt sich auch mal eine Zusammenarbeit.

ZDF, Dienstag, 20.15 Uhr

 

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