Feiertag Fronleichnam? Warum wir frei haben

Vom Drachenstich bis Gotteslästerung: Ein katholischer Theologe erklärt die Hintergründe des unbekannten Festes.

 

München - Hätten Sie gewusst, warum morgen ein Feiertag ist? Nein? Dann sind Sie in bester Gesellschaft. „Fronleichnam, ist das nicht so was wie Totensonntag?“, fragt eine Kollegin. Ein anderer weiß immerhin, dass man in Bayern auch mal „Blutstag“ sagt. Damit geht es ihnen wie vielen Münchnern. Die AZ erklärt das kirchliche Hochfest und sagt Ihnen, warum ihre Wissenslücken von moralischer Gesinnung zeugen könnten.

Wird an Fronleichnam eine Leiche gefeiert? „Fron“ leitet sich vom Mittelhochdeutschen „Herr“ ab und Leichnam von „licham“, was jedoch nicht den toten, sondern den lebendigen Körper beschreibt. Es geht also um den Leib des Herrn, den die Gläubigen bei der Eucharistie mit der Hostie zu sich nehmen. Offiziell heißt das katholische Fest „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“.

Wie ist das Fest entstanden? „Die eucharistische Bewegung im 13. Jahrhundert richtete sich gegen die Aussagen, das Gott nichts mit den Menschen zu tun habe“, erklärt Theologe Manfred Becker-Huberti. „Daher wird Christus in Form der Prozessionen aus der Kirche durch die Straßen geführt, kommt unter die Menschen.“

Wie wurde Fronleichnam früher gefeiert? Schon kurz nach der Entstehung gab es erste Umzüge. Zur Zeit des Barock wurden daraus prächtige Prozessionen: Der Geistliche schreitet mit der Monstranz, in der die Hostie ist, unter einem Baldachin dahin. Begleitet wird er von Würdenträgern. Anderorts wurde zum Fest ein aufwendiges Festspiel aufgeführt – der Drachenstich. „Das ließ sich natürlich bombastisch darstellen, wie der heilige Georg die Königstochter rettet, indem er den Drachen ersticht“, sagt Becker-Huberti. Noch heute gibt es den Drachenstich – etwa ab 5. August in Furth.

Wie wurde in München gefeiert? In München führte die Prozession im 17. und 18. Jahrhundert zu allen vier Stadttoren, zum Schwabinger Tor, zum Isartor, zum Sendlinger und zum Karlstor. Dort wurden die vier Evangelien gelesen.

Warum wurde das Fest unpopulär? 1527 lehnte Eucharistie-Gegner Martin Luther Fronleichnam als „schädlichstes aller Feste“ und „Gotteslästerung“ ab. „Noch heute leidet das Fest unter dem vergangenen Triumphalismus der katholischen Kirche“, erklärt Becker-Huberti. Glanz und Glorie? Das passt nicht zum Glauben, finden auch viele Katholiken. Deshalb verlor das Fest im 20. Jahrhundert an Bedeutung.

Was passiert dieses Jahr in München? Kardinal Reinhard Marx feiert am Donnerstag, um 8 Uhr einen Festgottesdienst auf dem Marienplatz. Im Anschluss zieht die Prozession über die Residenzstraße zum Segensaltar nahe der Ludwigskirche. Über Ludwig- und Theatinerstraße geht es zurück zum Marienplatz – insgesamt werden drei Kilometer zurückgelegt –, wo der eucharistische Segen gespendet wird. Bei schlechter Witterung findet die Messfeier im Dom statt.

 

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