Fehler bei Auswärtsniederlage TSV 1860: Leon Klassen - Vom Klassen-Primus zum Sündenbock

Unglücksrabe: Leon Klassen. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Leon Klassen überzeugte zuletzt mit einer guten Leistung als Linksverteidiger des TSV 1860. Jetzt läutete sein Patzer die Auswärtsniederlage in Würzburg ein.

 

München - Leon Klassen wird nach einem vielversprechenden Start bei der Niederlage in Würzburg zu Sechzigs tragischer Figur. "Er ist ein junger Kerl und wird daraus lernen", sagt Coach Daniel Bierofka.

Es war die eine, die folgenschwere Szene, die Sechzig um den Lohn aller herausgespielter Chancen, den Ausgleich, eventuell sogar einen Dreier brachte: Es lief die 62. Minute am Würzburger Dallenberg, als Leon Klassen einen hohen Ball zu Schlussmann Hendrik Bonmann köpfen wollte. Gegenspieler Fabio Kaufmann spritzte dazwischen und besiegelte die Auswärtspleite.

Das 1:2 des TSV 1860 bei den Würzburger Kickers am Montagabend ging selbstredend keinesfalls allein auf die Kappe von Youngster Klassen (19). Der Patzer des Linksverteidigers war es aber, der die nächste Auswärts-Niederlage einläutete: saisonübergreifend schon die neunte im zehnten Spiel in der Fremde.

Trainer Bierofka: "Damit muss Leon leben"

Ein Fauxpas, der Trainer Daniel Bierofka auf die Palme brachte. "Damit muss Leon leben", sagte Bierofka nach dem bayerischen Derby und ärgerte sich über die Tatsache, dass der Aktion "normalerweise keine Torchance" entsprungen wäre. Erst der viel zu kurz geratene Kopfball brachte Schlussmann Bonmann in Bedrängnis und Würzburg den Sieg. Dabei habe Sechzig dominiert: "Zu diesem Zeitpunkt waren wir ganz klar die spielbestimmende Mannschaft." Bierofka relativierte aber auch über den Pechvogel, den er trotz aller Frustration in Schutz nahm: "Er ist ein junger Kerl und wird daraus lernen."

Dabei hatte der russische U19-Nationalspieler, der einen Wechsel zum DFB erwägt, zuletzt bärenstarke Leistungen gezeigt: Nachdem der Youngster von Bierofka ins kalte Wasser geworfen worden war, überzeugte er direkt und sah gegen Chemnitz, Jena und Kaiserslautern gut aus. Damit ist nicht sein optisches Erscheinungsbild gemeint, sondern Abgezocktheit, Schnelligkeit, Technik – Klassen zeigte sich quasi ohne lange Eingewöhnungsphase auf dem Feld erstaunlich reif. In Chemnitz gelang dem 1,74 Meter kleinen Mann sogar der goldene Siegtreffer.

Klassen hatte die linke Abwehrseite nicht im Griff

Dort war Klassen wie gegen Jena im linken Mittelfeld eingesetzt worden. Gegen Lautern ersetzte er den etatmäßigen Linksverteidiger Phillipp Steinhart und lieferte anstelle des gesperrten Stammspielers auch eine Position weiter hinten eine gute Leistung ab – inklusive Monster-Rettungstat auf der Linie.

Jetzt kam es, wie es kommen musste – und bei Jungprofis früher oder später eben so gut wie immer kommt: Klassen machte ein schlechtes Spiel, hatte die linke Abwehrseite gegen die schnellen Würzburger Vorstöße, vor allem über Kaufmann, schon vor der kopflosen Kopfball-Rückgabe nicht im Griff.

Sein Malheur vor dem 1:2 hatte dabei Déjà-vu-Charakter: Schon vor der Pause kam Würzburg nach einem verunglückten Klassen-Kopfball zu einer Torchance. Der 19-Jährige wurde so vom Klassen-Primus zum Sündenbock.

Am Freitag geht's gegen Haching

Sprechen wollte der Junglöwe nach der nächsten erfolglosen Auswärtsfahrt, die den Sprung auf Rang acht verhinderte, aber nicht. Er dürfte von seinem Coach voraussichtlich aber schon bald die Gelegenheit bekommen, den Sündenbock-Stempel wieder loszuwerden – und den Bock umzustoßen?

Am Freitag müssen die Sechzger im Viertelfinale des Toto-Pokals zuhause ran, empfangen die SpVgg Unterhaching (19 Uhr). Beim noch ungeschlagenen Drittliga-Spitzenreiter werden die Sechzger eigene Fehler abstellen müssen, um ins Halbfinale zu gelangen und dem ersehnten Einzug in den lukrativen DFB-Pokal einen Schritt näher zu kommen.

Bierofka wird eine funktionierende Truppe mit Routiniers und Junglöwen finden müssen, die es im Derby in Pokalkracher mit den Hachingern aufnehmen kann. Was die linke Verteidiger-Position betrifft, hat der Coach die Wahl: Steinhart zurück in die Startelf beordern oder Klassen die Chance auf Wiedergutmachung gewähren. Der Junglöwe könnte auch im Mittelfeld auflaufen – hätte den Vorteil, dass er dort für Furore sorgen könnte, wo er in die Mannschaft gefunden hat.

Lesen Sie hier: Noten zum TSV 1860 - Sechs Vierer und die Fünf für Unglücksrabe Klassen

 

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