FCK-Boss über TSV 1860 gegen Lautern Stefan Kuntz: „1860 ist der Favorit“

Der Europameister von 1996 spielte 170 Mal für den 1. FC Kaiserslautern. Seit 2008 ist er Vorstandschef der Roten Teufel. Foto: Kunz/Augenklick

Kaiserslautern ist am Montag Auftaktgegner der Löwen. FCK-Boss Kuntz spricht in der AZ über Finanzprobleme, Tradition und Dialekte.

 

AZ: Herr Kuntz, die 2. Liga geht wieder los, Ihre Lauterer empfangen gleich den TSV 1860. Was überwiegt bei Ihnen Vorfreude oder Anspannung?

STEFAN KUNTZ: Ganz klar die Vorfreude. Die Wochen vor dem Saisonstart sind immer die arbeitsreichsten. Wir sind alle froh, dass es jetzt wieder im Wochenrhythmus losgeht und wir mitfiebern können.

Hätten Sie sich einen leichteren Auftaktgegner als die Löwen gewünscht?

Nein. Es gibt für mich keine leichten oder schweren Spiele. Wir sehen es als Chance, uns gleich in einem Abendspiel gegen einen der Titelfavoriten präsentieren zu können.

Löwen-Coach Ricardo Moniz hat kürzlich sogar gleich den Meistertitel versprochen.

(lacht) Dann haben wir am Montag das Ziel, den kommenden Meister zu schlagen. Ernsthaft: Ich zähle die Löwen absolut zum Favoritenkreis – viel mehr als in den Jahren davor.

Und Lautern?

Der Aufstieg ist für uns nicht primär das Thema. Bei uns hat es vor der Saison einen Philosophiewechsel gegeben. Wir haben vor allem junge, deutsche Spieler geholt und prominente Namen abgegeben. Wir wollen uns Stück für Stück weiterentwickeln und müssen die Erwartung auf ein realistisches Maß herunterbrechen. Aber: Natürlich wollen wir im oberen Tabellendrittel mitspielen.

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Dieser Philosophiewechsel ist auch wirtschaftlich bedingt.

Der finanzielle Druck in der 2. Liga ist schon immens. Sicher muss man Jahr für Jahr die Möglichkeiten herunter streichen. Aber: Es ist unsere Aufgabe, mit solchen Herausforderungen umzugehen und trotzdem eine gute Mannschaft auf den Platz zu stellen. Wir können uns momentan, trotz hoher Ausgaben, selber finanzieren. Aber: Wie lange das zu halten ist, kann ich nicht sagen.

Ihr Sturm-Duo Mohamadou Idrissou und Simon Zoller hat 26 Tore geschossen. Jetzt sind beide weg. Wie kompensieren Sie die Abgänge?

Da müssen jetzt andere einspringen. Lautern hat immer gute Stürmer hervor gebracht. Da mache ich mir keine Sorgen.

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Lautern und seine Stürmer. Einer von ihnen – Miro Klose – ist jetzt Weltmeister und WM-Rekord-Torschützenkönig.

Während der WM war die ganze Stadt total euphorisch. Miro Klose hat hier in Kaiserslautern unwahrscheinliche Sympathien. Ich bewundere seine bodenständige Art. Diese Demut ist Spielern heute schwer zu vermitteln – er lebt sie. Miro ist nicht nur für den FC Kaiserslautern ein Aushängeschild, sondern für ganz Deutschland.

Beim FCK ist nicht viel übrig vom alten Glanz.

Traditionsverein hin oder her: Die 2. Liga ist unsere Realität. Es bringt uns als Verein nicht weiter, ständig den alten Zeiten hinterher zu hängen. So schön diese Fußball-Romantik ist, heute muss man in erster Linie anständig wirtschaften. Wenn das nicht passiert, muss ich ganz nüchtern sagen, dann werden diese Traditionsvereine künftig nicht mehr in der Bundesliga spielen.

Andere Vereine werfen mit Geld um sich. Wie schätzen Sie das Modell RB Leipzig ein?

Es ist legitim für die heutige Zeit. Das muss man akzeptieren. Ich versuche nicht zu lamentieren, muss aber auch sagen, dass Leipzig anderer Voraussetzungen hat, als die meisten Vereine. Sie haben einfach mehr Geld und können sich andere Investitionen erlauben. Ich gehe nicht davon aus, dass wir in den Spielen gegen Leipzig Favorit sind.

Zumindest Sechzig war zuletzt ein gutes Pflaster für Sie. Der letzte Löwensieg liegt sechs Jahre zurück. Ihr Tipp jetzt?

Ich wurde in meiner aktiven Karriere davon belehrt, dass die Statistik nur bedingt zuverlässig ist. Ich hoffe natürlich auf einen Auftaktsieg, weiß aber auch, dass Sechzig ein schwerer Gegner ist.

Was verbinden Sie persönlich mit den Löwen?

(lacht) Es ist zwar leider ein Hinweis an mein eigenes Alter, aber ich denke bei Sechzig sofort an tolle Spiele im alten Grünwalder Stadion und ans Duo Karl-Heinz Wildmoser und Werner Lorant. Die beiden waren ein Highlight in klarer, deutlicher Kommunikation.

Haben Sie Wildmosers Bairisch überhaupt verstanden?

(lacht) Ja klar, wir Saarländer sind multi-lingual was Dialekte angeht.

 

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