FC Schalke 04 Nach Kung-Fu-Foul: Kritik und Spott für Nübel

Schalkes Torwart Alexander Nübel (r) foult Mijat Gacinovic (M) von Eintracht Frankfurt. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/dpa

Wie lange Alexander Nübel gesperrt wird, ist noch offen. Doch nach dem Kung-Fu-Foul gegen Mijat Gacinovic sieht sich der Schalker Kritik ausgesetzt. Dem übel an der Brust getroffenen Frankfurter geht es aber gut. Er macht Nübel keine Vorwürfe.

 

Gelsenkirchen - Die einen fühlten sich an Toni Schumachers Rambo-Attacke gegen Patrick Battiston bei der Fußball-WM 1982 erinnert, die anderen dachten an Tim Wieses Kung-Fu-Tritt gegen Ivica Olic.

Zum Spott in den sozialen Medien gesellte sich nach dem üblen Tritt gegen Frankfurts Mijat Gacinovic aber auch deutliche Kritik von Medien und Experten an Schalke-Torhüter Alexander Nübel.

"Für so ein Foul sollte es Minimum sechs Wochen Sperre geben", forderte Ex-Trainer Felix Magath nach Schalkes 1:0 (0:0) gegen die Eintracht bei Sky. Die "Bild" schrieb vom "brutalsten Foul des Jahres". Für die "Funke Mediengruppe" zeugte es von "Übermotivation und fehlender Reife". Es gebe für das Foul "keine Entschuldigung". Nübel, seit Monaten als Kronprinz von Manuel Neuer beim FC Bayern gehandelt, wird zwischen den Jahren viel Zeit haben, die Szene zu reflektieren. Sollte er tatsächlich für sechs Spiele gesperrt werden, dürfte er erst Mitte Februar wieder spielen.

Gacinovic zeigte sich indes versöhnlich. "Leider passieren solche Zusammenstöße manchmal im Kampf um den Ball", schrieb der 24-Jährige, den Nübel mit dem Fuß an der Brust getroffen hatte, bei Instagram: "Danke, dass du dich sofort entschuldigt hast." Nübel sagte der "Funke Mediengruppe", er habe Gacinovic noch am Sonntag angerufen: "Er hat mir gesagt, die Rippen seien stark geprellt, es würde sehr, sehr weh tun. Er hat die Entschuldigung angenommen. Das fand ich sehr, sehr stark." Es tue ihm "sehr, sehr leid für den Spieler", beteuerte Nübel: "Ich will ihn nicht treffen, ich will zum Ball gehen."

Gacinovics Bruder Marko postete derweil ein Foto, das zahlreiche Stollen-Abdrücke auf der Brust des Profis zeigte. Dabei lächelte der Bosnier aber schon wieder ein wenig. "Ich kann euch mitteilen, dass es mir trotz schwerer Rippenprellung gut geht", schrieb er. Nübels Beraterteam "Siebert und Backs" twitterte zum Foto: "Gottseidank - alles Gute, Herr Gacinovic." Die Schalker änderten im Spielbericht auf ihrer Homepage nach Protesten in den sozialen Medien derweil ihre Beschreibung der Aktion: Von einer "Rettungsaktion außerhalb des Strafraums" in "verunglückten Aktion außerhalb des Strafraums".

Viele Umstehende waren von der Szene in der 66. Minute aber erst einmal geschockt. "Ich war erleichtert, als ich gesehen habe, dass er bei Bewusstsein ist", sagte Gacinovics Mitspieler Djibril Sow. "Das war ein fürchterliches Foul", sagte Hütter: "Aber ich mache ihm keinen Vorwurf, weil er den Ball im Auge hat und im Bewegungsablauf ist." Nübels Trainer David Wagner erklärte: "Das war sicher unabsichtlich, aber es sieht schwerwiegend aus."

Brisant ist die wohl lange Zwangspause Nübels auch wegen der besonderen Torhüter-Konstellation auf Schalke. Ersetzt werden wird er wie am Sonntag von Markus Schubert, seinen Nachfolger als Stammtorhüter der deutschen U21. Der wechselte im Sommer wohl auch mit der Perspektive zu den Königsblauen, dass Nübel möglicherweise nach München geht, und kann sich nun beweisen.

Sein erster Gedanke bei der Szene sei aber gewesen: "Hoffentlich ist Alex nix passiert", berichtete Schubert später. "Zum Nervöswerden hatte ich dann keine Zeit. Ich habe nur gedacht: Jetzt geht es los. Dann stand ich im Tor, und wir haben zu Null gespielt."

Das Trikot vom ersten Bundesliga-Spiel werde er wohl seinen Eltern schenken, die nicht im Stadion waren, weil sie nicht mit einem Einsatz des Sohnes rechneten. Die Zuschauer bejubelten ihn bei jedem Abstoß. "Das habe ich natürlich mitbekommen", sagte der 21-Jährige: "Das hat mir auf jeden Fall viel Kraft gegeben. Und es hat Riesenspaß gemacht." Trainer David Wagner sprang Schubert nach dem Schlusspfiff direkt in die Arme. "Ich wusste gar nicht, wie ich reagieren sollte", sagte dieser lachend: "Aber ich war oft im Kraftraum, das ging schon. Und ich glaube, er hat gesagt, dass ich es ganz gut gemacht habe."

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