FC Bayerns Marketing-Chef Andreas Jung: "Wir betreten absolutes Neuland"

Im AZ-Interview: Andreas Jung, Bayerns Marketingchef, erklärt hier die weltweiten Expansionspläne des Rekordmeisters.

 

AZ: Herr Jung, für 32 Stunden waren die Bayern in Delhi. Hat sich der Ausflug auf den Subkontinent gelohnt?

ANDREAS JUNG: Definitiv! Das wichtigste war, dass wir uns in einem Land, in dem der Fußball derzeit noch keine so große Rolle spielt, das aber in Zukunft durchaus tun kann, wieder zeigen und positionieren konnten. Normalerweise wird in Delhi vor maximal 1000 Zuschauern Fußball gespielt. Das war das größte Fußball-Spiel, das hier jemals stattgefunden hat. Mich persönlich hat begeistert, wie unsere Spieler empfangen worden sind.

Speziell Bastian Schweinsteiger scheinen die Inder in ihr Herz geschlossen zu haben. Sein Tor wurde frenetisch bejubelt.

Das war fantastisch, ja. Dass man Robben und Ribéry hier kennen würde, haben wir uns gedacht. Aber dass auch unsere deutschen Nationalspieler hier so bekannt sind, war doch etwas überraschend - bestätigt uns aber nur in unserer Einschätzung, dass solche Reisen wichtig sind für den FC Bayern.

Bayern war auf Einladung von Audi in Delhi...

Nur so kann das gehen. Unser Vorteil ist ja, dass wir internationale Weltmarken als Partner haben. Wir können uns gegenseitig helfen.

Wie wichtig ist der asiatische Markt für den FC Bayern?

Es gibt eine Prognose der Deutschen Bank, dass Indien 2020 die größte Volkswirtschaft der Welt sein wird. Natürlich sind die Unterschiede zwischen Arm und Reich in Indien immer noch sehr groß, aber gerade in Delhi finden große Messen statt. Hier muss man sich positionieren. Wir hatten in den Zeitungen eine weit größere Präsenz als sie englische Mannschaften sonst haben.

Aber obwohl der FC Bayern nun schon zum fünften Mal in Indien war, ist Manchester United weiterhin der populärste Klub. Ist es Ihr Ziel, United zu überholen?

Wir wollen uns auf dem Markt positionieren. Die Bundesliga hat da international gesehen generell Nachholbedarf, aber wir müssen selbst aktiv werden auf den wichtigsten Märkten.

Was sind denn für Bayern die wichtigsten Märkte?

In Asien noch China, Japan und auch Indien, dann die gesamte Middle-East-Region. Auch in den USA wollen wir wieder mehr Präsenz zeigen. In Europa ist Russland sehr interessant. Das ist ein Markt mit einem sehr starken Wachstum.

Aber Fußballspiele alleine werden wohl nicht genügen, um die Märkte zu erobern?

Natürlich nicht. Auch dieses Spiel in Indien war ja eingebettet in eine Vielzahl von Aktionen. Wir waren letztes Jahr schon mit den Allstars hier, haben im Vorfeld der Auto-Expo in Delhi schon Werbung gemacht. Es muss eine Nachhaltigkeit geschaffen werden, der FC Bayern soll in die Köpfe der Menschen.

Hier in Delhi haben vor dem Spiel der Profis gegen die indische Nationalmannschaft 30 Kinder gegeneinander gespielt.

Genau. Diese Youthcamps veranstalten wir an vielen Orten der Welt. Es gibt Youthcamps in China, in Italien oder auch in Österreich.Dabei geht es nicht in erster Linie darum, neue Talente für den FC Bayern zu entdecken, sondern die Marke in der Breite populär zu machen. In jedem Land wird aus den Teilnehmern der Youthcamps eine Mannschaft zusammengestellt, die dann nach München eingeladen wird.

Manchester United, Red Bull oder auch Barcelona haben in vielen Ländern Fußballschulen eröffnet. Ist das auch für Bayern interessant?

Darüber denken wir auch nach. Allerdings darf es nicht so sein, dass wir eine Fußballschule einfach nur mit dem Label FC Bayern ausstatten und die Schulen dann ihrem Schicksal überlassen. Wo FC Bayern drauf steht, muss der FC Bayern drin sein. Auch das muss nachhaltig geplant werden, damit wir langfristig Erfolg haben können mit den Fußballschulen und irgendwann vielleicht einen indischen oder chinesischen Jugendlichen zum FC Bayern holen können.

Aber verdient Bayern wirklich schon Geld mit diesen Aktionen?

Im ersten Schritt geht es vor allem darum, die Marke bekannter zu machen. Geld verdienen ist zunächst nicht der Hauptgrund für unsere Aktivitäten. Wenn man sieht, dass unser FCB.tv bereits in 85 Ländern angeboten wird, sind wir auf einem guten Weg.

Aber irgendwann wollen Sie doch sicher auch Geld verdienen mit dieser Internationalisierung. Sonst würde man es doch nicht machen!

Natürlich wollen wir im zweiten Schritt auch unsere Schals, Trikots und anderen Fan-Produkte verkaufen. Wir wollen jetzt damit anfangen, Produkte anzubieten, die speziell für die jeweiligen Märkte entwickelt werden. In China kannst du nicht die gleichen Kappen verkaufen wie bei uns. Geschmäcker und Kulturen sind verschieden. Damit betreten wir aber absolutes Neuland, das hat bisher noch kein Klub versucht.

 

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