FC Bayern: Trainer und Sportvorstand Sammer schwärmt vom "25-Stunden-Tag" mit Pep

Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer hat im Training einen besonderen Blick auf Pep Guardiola. "Ein Erlebnis" sei es, ihm zuzusehen. So nutzen die beiden Alphatiere die Zeit am Gardasee, sich aneinander zu gewöhnen.

 

Riva del Garda - Hinter jedem Spaß steckt Ernst. Und so verriet eine spontane Reaktion von Sportvorstand Matthias Sammer nach dem 3:0 im Testspiel gegen Brescia vieles.

Die Frage lautete, ob er denn hier während des Trainingslagers am Gardasee überhaupt schlafe, weil er mit Pep Guardiola 24 Stunden am Tag über Fußball spreche. Sammer antwortete lachend: "Es sind 25!"

Doch gewährt ihm der neue Coach so viel Zeit? Wie funktioniert die Annäherung zwischen Bayerns Sportvorstand (45) und dem neuen Coach (42), die altersmäßig - im Gegensatz zum Rest des Vorstands - aus einer Generation stammen und früher bei Länderspielen gegeneinander gekickt haben?

Es heißt, dass bei den Vertragsgesprächen mit Guardiola die Vereinsgranden wie Hoeneß und Rummenigge mit ihrer eigenen Historie als Profis und der Klubgeschichte punkten konnten. Und dass Sammer mit dem Spanier dann ins Detail ging, wenn es um die Kaderplanung sowie Transfers (etwa den Kauf von Mario Götze und den Verzicht auf Mario Gomez) ging.

Am Gardasee konnten Guardiola und Sammer, auf dem Platz in ähnlichen, weil organisatorischen und antreibenden Positionen als Sechser und damit Spielmacher, seit letztem Donnerstag noch enger zusammenfinden.

Sammer bemühte sich nach außen, dem prominentesten Trainereinkauf der Bayern-Geschichte Freiraum für die Entwicklung einer Strategie und Philosophie zu schaffen, er bat um "Geduld". Was Guardiola lässig konterkarierte, als er sagte: "Ich schätze die Worte von Matthias, aber ich bin in einem großen Verein. Und bei einem großen Verein hast du keine Zeit."

Der Coach bezog das auf erste mögliche Fettnäpfchen-Spiele wie den Supercup in Dortmund (27. Juli). Nach dem Brescia-Test jedoch erklärte Guardiola: "Wir brauchen noch Zeit." Für das System (4-1-4-1), nicht für die einkalkulierten Erfolge.

So sind sie, die beiden. Einerseits, anderseits. Ihre Gedanken sind oft schneller als jeder Doppelpass, mal hier, mal ab - immer unter Strom, extrovertiert im Ausleben dessen, was sie vermitteln wollen. Und so ist es nur logisch, dass Sammer Peps Auftreten auf dem Trainingsplatz und außerhalb gefällt.

Lehrend, die Spieler mit Know-How (Videos! Ernährung!) und Emotionalität packen wollend. "Wir gewöhnen uns aneinander", sagte Sammer am Donnerstag, "der Umgang ist sensibel und von sehr viel Respekt geprägt. Ich stehe ihm als Ratgeber mit Rat und Tat zur Seite."

Doch braucht ihn Guardiola? Sammer wird viele PR- und Pressetermine wahrnehmen, um den Coach zu entlasten, dabei ist Manel Estiarte (51) dessen eigentlicher Vertrauter und Sprecher. Um als "Firewall" für Pep zu arbeiten, büffelt der ehemalige Wasserballer fleißig Deutsch.

Was bleibt Sammer? Er beobachtet, analysiert. "Es ist ein Erlebnis, Pep im Training zu sehen", schwärmte er. Mit Vorsicht, denn: "Wir sollten nicht zu sentimental werden, müssen aufpassen, dass wir den Blick für Gefahren nicht mehr erkennen. Aber: Hat was!"

Momentan wirken die beiden wie: frisch verliebt. Ein Pärchen, das sich kennengelernt hat und noch nicht genau weiß, was der andere denkt, wie er reagiert. Eben eine erste, vorsichtige Annäherung der beiden Workaholics.

Kann das funktionieren? Sammer beurteilt lediglich Guardiolas Schaffen auf und außerhalb des Platzes: "Es hat seine Identität und seine Idee vom Fußball – und das müssen wir annehmen. Er erklärt das sehr akribisch und klar. Ich sehe das sehr wohlwollend und sehr positiv."

Spannend wird es erst, wenn erste Rückschläge kommen.

 

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