FC Bayern München Bayern-Star Badstuber: Mein verlorenes Jahr

Im Abseits: Während des Trainingslagers des FC Bayern im Juli im Trentino verfolgt Holger Badstuber die Einheiten der Kollegen. Foto: firo/Augenklick

Krücken statt Pokale, Krankenbett statt Titelfeiern: Während die Profis des FC Bayern ihre Traum-Saison erleben, kann der verletzte Holger Badstuber nur zusehen. „Ich bin vom Kopf her jetzt stärker“.

 

München - Die Fußballwelt liegt Franck Ribéry zu Füßen: Fünf Pokale mit dem FC Bayern 2013 abgeräumt, Frankreich zur WM 2014 nach Brasilien geführt, die Zuschauer mit seinem Zauber verzückt. Mehr Glanz und Gloria geht nicht. Alle neun Musen müssen den Filou geküsst haben.

Doch auch das ist der Jahresrückblick 2013 eines Fußball-Stars aus München: Kein Spiel, zwei Kreuzbandrisse, vier Operationen, zwölf Monate Reha-Quälerei: die Rede ist von Holger Badstuber (24).

Zum „Einjährigen“ seines Unglücks durfte der Bayern-Profi wenigstens auf die Krücken verzichten. Badstubers Leidenszeit begann 2012, am 1. Dezember beim Bundesliga-Gipfel Bayern gegen Dortmund (1:1), hatte sich Badstuber im Zweikampf mit Mario Götze derart unglücklich das rechte Knie verdreht, dass das vordere Kreuzband riss. „Kreuzbandriss gleich Operation gleich sechs Monate Pause gleich: danach ist alles wieder gut.“ Badstuber kann über eine solch optimistische Formel nur den Kopf schütteln. Diese weit verbreitete Meinung nannte der Augsburger Facharzt für Orthopädie, Dr. Ulrich Boenisch (52), in einem „Zeit“-Gespräch „irrig“. Der Operateur deutscher Nationalspieler hatte gerade einem prominenten Patienten, Sami Khedira, ein gerissenes Kreuzband ersetzt. Nur eine Frage bewegte nach dem Drama von Mailand die Republik: Wird der Real-Star bis zur WM im Juni wieder fit?

Langzeit-Rekonvaleszent Badstuber, der nun schon seit über einem Jahr an seinem kaputten Knie laboriert, setzt sich nicht unter WM-Druck. „Brasilien ist für mich in weiter Ferne“, sagte er dem „Focus“, „ich freue mich über jeden Tag, an dem es ein wenig aufwärts geht, und glaube daran, dass ich wieder auf mein altes Niveau kommen kann.“ Unbeirrt von Boenischs Erfahrung, dass „nur 60 bis 70 Prozent“ das schaffen. Wann er wieder hundertprozentig fit sein werde, könne er, Badstuber, allerdings nicht sagen. Die Fortschritte aber machen ihn „glücklich“, bei Bayern heißt es, womöglich könne der Innenverteidiger Ende April wieder mit der Mannschaft trainieren. Eine Hoffnung, mehr nicht, kein echter Plan. Badstuber: „Entscheidend ist, dass das Knie wieder tipptopp wird, seine alte Stärke erlangt. Ich habe seit einem Jahr genug Geduld bewiesen und werde diese auch weiter aufbringen.“

Bis zum Mai lag er im Reha-Plan. Badstuber hatte bereits eine zweite Operation im März hinter sich, bei der Narbengewebe hatten entfernt werden müssen. Dann der Schock: Eine Untersuchung bei Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Mannschaftsarzt des FC Bayern und der Nationalelf, ergab eine so genannte Reruptur: Das neue Kreuzband war abermals gerissen. Schon am nächsten Tag flog der Lazarus nach Denver, um sich in Vail, Colorado, vom renommierten Spezialisten Richard Steadman operieren zu lassen. Am 18. Mai wurde zunächst das wieder gerissene Band entfernt.

Als der FC Bayern am 25. Mai in London gegen Borussia Dortmund das Champions-League-Finale gewann, sah Badstuber vom Krankenbett in Vail aus zu. „Komisch, aber durch die räumliche Entfernung war für mich auch das Endspiel weit weg. Das amerikanische TV schaltete mit dem Schlusspfiff ab. Vom Jubel und Trubel danach habe ich nichts mitbekommen.“ Die nächste OP folgte, wieder in den USA: Als zweites neues Kreuzband implantierte Steadman im September ein Drittel der Patellasehne aus dem linken Knie.

Badstuber sagt, das Jahr 2013 habe aus ihm einen anderen Menschen gemacht, er stand es durch – mit moralischer Unterstützung des FC Bayern, der im Februar seinen Vertrag bis 2017 verlängerte. „Die Zeit war bitter, aber auch sehr lehrreich.“ Den Gedanken an ein drohendes Karriere-Ende ließ er nicht an sich heran. „Ich habe jetzt ein anderes Denken. Ich sehe das Leben und den Hype im Fußball mit anderen Augen.“ Der Kampf ums Knie hat einen positiven Nebeneffekt: „Ich bin vom Kopf her jetzt stärker als vor der Verletzung.

 

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