FC Bayern Louis in Love

So sieht ein zufriedener Trainer aus: Louis van Gall vor de r Partie am Samstag in Mönchengladbach. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

MÜNCHEN - Trainer van Gaal schwärmt von seinen Bayern. Er habe noch nie mit so einem Team gearbeitet, glaubt ans Triple und will auf jeden Fall bleiben. Denn: „Wir können noch viel besser spielen.“

 

Auf dem Silbertablett stand alles parat für Louis van Gaal im Presseraum des FC Bayern an der Säbener Straße. Der Cappuccino samt Löffel zum Umrühren hatte genau die richtige Temperatur. Denn wenn van Gaal um 11 Uhr einen Termin hat mit den Reportern, dann geht es um 11:00:00 Uhr los.

Van Gaal wirkte sehr aufgeräumt, entspannt. Ihm konnte keiner was am Freitag. Denn der Holländer ist verliebt – in seine Mannschaft. Nach beinahe zehn Monaten der Beziehung zwischen dem Kader und dem Coach kann man jetzt definitiv sagen: Ja, es ist Liebe. Denn derartig wie diesmal hat van Gaal noch nie von seinen Spielern geschwärmt.

„Was wir leisten, ist unglaublich. Ich habe noch nie mit so einer Mannschaft gearbeitet, was die Mentalität betrifft“, sagte van Gaal, „da sind wir an allen anderen Mannschaften vorbei.“ Nur nochmal zur Erinnerung van Gaals Job-Steckbrief: Ajax Amsterdam, FC Barcelona, AZ Alkmaar. „Mit diesem Gemeinschaftsgefühl können wir alles schaffen.“ Alles? Alle drei Titel?

Den ersten wollen die Bayern schon am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker bei abendzeitung.de) in Gladbach mit einem Sieg klarmachen. Kapitän Mark van Bommel, erneut gelb-gesperrt, ist sich sicher: „Jeder muss wissen: Wenn wir in Gladbach gewinnen, sind wir zu 99 Prozent an der Schale.“ Ein Drittel vom Triple. Das Vorbild ist und bleibt der FC Barcelona, dem der Coup 2009 gelang. „Das ist unser Maßstab“, sagte van Gaal. „Ich denke, wir können alles gewinnen. Man muss immer ein Ziel umschreiben und nicht das tiefste, sondern das höchste. Am Anfang haben es viele nicht geglaubt, aber jetzt glauben es alle.“

Und die Spieler glauben an ihn. Als es im Herbst kriselte und das Team nach den beiden Niederlagen gegen Bordeaux vor dem Aus in der Champions League stand, gewann der Trainer sein Team durch Überzeugungskraft. Solche Partien wie beim 4:1 in Turin kann keine Elf abliefern, die nicht an Coach und Philosophie, an seinen Weg glaubt.

Probleme sind Herausforderungen und werden schlichtweg gelöst. Als wäre es ein Klacks. Ob die Unterzahlsituationen nach Roten Karten wie auf Schalke (2:1) oder gegen Lyon, ob wichtige Spieler wie Schweinsteiger (van Gaal: „Phantastisch wie er gegen Lyon gespielt hat“) oder van Bommel gesperrt fehlen. Es sei „ein Phänomen“, dass man dies nicht gemerkt habe, sagte van Gaal.

Halt, stopp. Zu viel des Lobs. Der Taktierer van Gaal schreitet ein: „Wir haben noch nichts gewonnen.“ Im Moment der höchsten Euphorie des Umfelds sucht er Kritikpunkte: „Wir können noch viel besser spielen.“ Noch habe Barca, ein möglicher Finalgegner am 22. Mai in Madrid, den Bayern etwas voraus: „Ballbesitz und Positionsspiel auf hohem Tempo!“, ruft van Gaal und rührt immer schneller in seiner Cappuccino-Tasse.

Kürzlich kokettierte er damit, im Falle des Triples sich zu verabschieden. Besser geht’s nicht – was solle er dann in der kommenden Saison noch erreichen? Eins bleibt: Die Vollendung des Spiels, der FC Barcelona II. Aber Herr van Gaal, als Triple-Triumphator könne man doch nicht gehen. „Das ist so“, antwortete er, „ja, ich will diese Mannschaft weiterentwickeln.“ Die Worte eines Liebenden.

Patrick Strasser

 

0 Kommentare