FC Bayern Lothar Matthäus im Interview: „51:49 – für Manchester“

Lothar Matthäus, hier mit seiner Frau Liliana, traut dem FC Bayern eine Überraschung zu gegen ManU. Foto: dpa

Lothar Matthäus, selbst Teil des 99er-Dramas, als ManU in der Nachspielzeit aus einem 0:1 ein 2:1 machte, über den Klassiker und den Provokateur Franck Ribéry.

 

AZ: Herr Matthäus, am Dienstag steigt in der Champions League das Duell FC Bayern gegen Manchester United, das ja spätestens seit dem Drama im Finale 1999, als ManU in der Nachspielzeit aus einem 0:1 ein 2:1 machte, eine besondere Brisanz hat. Wer ist für Sie der Favorit?

LOTHAR MATTHÄUS: ManU hat gerade in der Rückrunde viele Erfolge gefeiert. Von der Papierform her würde ich sie leicht in der Favoritenrolle sehen, die Bayern in der Rolle des Außenseiters. Aber es ist ganz eng, prozentual würde ich sagen, dass die Chancen für ManU bei 51:49 stehen.

Dabei hat Bayern zuletzt in der Liga geschwächelt...

Ja, aber diese beiden Niederlagen zählen jetzt nichts. Das sind ganz andere Spiele, ich bin sicher, dass wir einen ganz anderen FC Bayern sehen werden. Bayern hat auch in der Champions League bisher überzeugt und man hat ja das Ziel, in der Champions League ganz weit zu kommen.

Verraten Sie uns doch mal: Wie kann man einen Wayne Rooney, der sich bei Manchester zur absoluten Torfabrik gemausert hat, stoppen?

Es gibt immer Möglichkeiten. Man kann einen Robben stoppen, auch einen Ribéry, aber eben auch einen Rooney. Wobei man zugeben muss: Er hat einen Lauf. Er ist ein Stürmer, der sich seine Chancen erarbeitet, deswegen muss man ihn ganz früh attackieren, bei der Ballannahme stören. Aber man darf sich auch nichts vormachen: Manchester besteht nicht nur aus Rooney.

Gerade in der Verteidigung hapert es bei den Bayern...

Man muss schauen, ob Demichelis nach seinem Kurzeinsatz gegen Stuttgart soweit ist. Er war zwar vor seiner Verletzung nicht überragend, aber er ist ein erfahrener Spieler. Gerade in internationalen Spielen ist es nicht von Vorteil, wenn zwei junge Spieler (Badstuber und Contente oder Alaba, d. Red.) , die vor einem Jahr bei den Amateuren gespielt haben, in der Viererkette dann auch noch nebeneinander verteidigen müssen. Für die Stabilität der Abwehr wäre es wichtig, dass Demichelis zurückkommt.

Der FC Bayern lebt zur Zeit fast ausschließlich von Robben. Ribéry geht fast unter.

Der Auftritt von Ribéry in der zweiten Hälfte gegen Stuttgart hat mir nicht gefallen. Da war ein bisschen Lustlosigkeit dabei, das ist auch provokant gegenüber den Zuschauern, was er da macht. Ich hoffe, dass er sich bald wieder auf seine Qualitäten besinnt. Wenn er das tut, ist er ein Mann, der den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage machen kann.

Sollte Bayern Ribéry verkaufen? Ist ein Weltklassespieler wie er zu ersetzen?

Wenn man das viele Geld, das man vor der Saison für Ribéry erhalten hätte, in andere Spieler investiert hätte, hätte man das auffangen können. Van der Vaart, Sneijder, Robben – sie alle waren frei bei Real Madrid. Jetzt war Franck viel verletzt. Er hat nicht die Saison gespielt wie im Jahr davor. Aber Interessenten wird es geben. Was man so hört, ist auch ManU-Coach Ferguson ein Fan von Ribéry. Trotz der verkorksten Saison und der Verletzungen kann er sich, wenn er sich gegen Bayern entscheiden sollte, sicher einen Topverein in Europa aussuchen.

Interview: Matthias Kerber

 

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