FC Bayern Kraft will kritisiert werden

In Köln musste Thomas Kraft seine erste Niederlage mit dem FC Bayern hinnehmen. Foto: dpa

Thomas Kraft ist übern Berg, hat seinen Platz sicher. Und hofft, dass Coach Louis van Gaal ihn dennoch weiter tadelt.

 

BREMEN Er hat es geschafft. Sollte Louis van Gaal nun, nach drei Siegen und einem Remis (bei 13:3 Toren) Thomas Kraft wieder aus dem Tor nehmen und Jörg Butt seinen bis zum Jahreswechsel gültigen Stammplatz zurückgeben – die Überraschung wäre noch größer.

Man kann davon ausgehen, dass es Kraft geschafft hat. Schließlich durfte der 22-Jährige nur auf Bewährung sein neues Leben als Nummer eins des FC Bayern beginnen. Van Gaal hatte betont: „Ich bin ein Leistungscoach. Es kann passieren, dass Jörg wieder zurückkommt.“ Um an ein schlechtes Beispiel zu erinnern: „Michael Rensing hat auch nur vier Spiele gemacht.“ Zu Beginn der Saison 2009/10 war das, als der Trainer den Kahn-Nachfolger zunächst gegenüber Butt vorzug und die Entscheidung dann rückgängig machte. Nein, diesmal hat es der Junge gepackt. Kraft ist überm Berg.

In den Augen der Fans schon lange. Ihm widmeten sie Extra-Sprechchöre in Bremen, nicht etwa Matchwinner Robben. Kraft war’s beinahe peinlich. „Das freut mich. Und wundert mich. Damit hatte ich nicht gerechnet“, sagte er achselzuckend. Er sollte wissen: Wer sich in Liga drei an der Grünwalder Straße vor dem harten Kern der Südkurve beweist, ist einer der Ihren und wird ins Herz geschlossen – ob er nun ein Ur-Bayer ist oder wie Kraft aus dem Westerwald stammt.

Der „Protz“ wie ihn die Kollegen nennen, lässt seine Muskeln nur auf dem Platz spielen. Sicher und bestimmt, aber recht leise spricht er. Noch leiser, wenn es um ihn geht. „Ich hatte ein paar schlechte Bälle drin, bin nicht ganz zufrieden“, meinte er und dachte an zwei, drei Rückpässe, die er ins Niemandsland feuerte. Ob er befürchtete, dass sein Coach ihn wieder kritisiert? Nach dem 4:0 in Aachen hatte der Holländer ihn öffentlich gerüffelt. „Vielleicht will er mir damit etwas beibringen“, ahnte Kraft, „er hat immer etwas, das ihm nicht passt. Er gibt mir dann Bescheid, aber ich brauche das: mich kitzelt es, motiviert es.“ Er braucht eben manchmal einen Tritt – und weiß: Das ist Teil des Ausbildungsprogramms, Kraft soll lernen, mit Druck umzugehen, in den Schlagzeilen zu stehen.

Als ihn ein Reporter in Bremen drängte, nun mal einen knackigen Spruch in Richtung des Schalkers Manuel Neuer rauszuhauen, blieb er gelassen, sagte nur: „Ich will mich hier empfehlen, vielleicht müssen die Bayern dann im Sommer nichts machen.“

Nächste Woche geht es nach Köln. Im Tor gegenüber steht Michael Rensing, er war mal die Zukunft. Jetzt heißt sie Kraft.

Patrick Strasser

 

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