FC Bayern Guardiola und seine Pepvolution

Trainer Pep Guardiola mit seinem Mittelfeldspieler Franck Ribéry. Foto: firo/AK

Training, Taktik, System: Bayerns neuer Trainer stellt viel auf den Kopf – bis hin zur Verpflegung. Was er alles ändert und wieso er das macht.

 

München - Pep Guardiola hat sich sehr gefreut, dass der FC Bayern die Champions League gewonnen hat, das Triple obendrauf. Weil er, Punkt eins, das führte er gegenüber den Bossen gerne aus, keine psychologischen Reparaturen vornehmen, keine Wiederaufbauarbeit leisten musste.

Den wahren Grund, Punkt zwei, verschwieg er. Denn nun, das war ihm klar, konnte er sich austoben, musste keine Rücksicht nehmen bei seinem Unterfangen, das da lautet: sportlicher Umsturz. Wäre die Neuausrichtung mit Henkelpott-Finalverlierern einfacher gewesen? Nein, im Gegenteil, dachte sich der 42-Jährige, als Champions sind sie offener für neue Reize. Und die setzt er. Jetzt. Die Pepvolution!

Seine Taktik- und Spielrevolution bei der besten Mannschaft Europas verpackt der Spanier in harmlose Worte. „Mein System ist sehr, sehr einfach: Rennen, rennen, rennen.” Ein Schelm, der Pep. „Ich will den Ball für uns.” So einfach, so gut. Pep-Regel Nummer zwei: „Mit dem Ball greifen alle elf Spieler an, ohne verteidigen alle.”

Zwei Testspiele, zehn Übungseinheiten und viele, viele Gespräche – das ist die Bilanz des Trainingslagers am Gardasee. Am Freitagmorgen checkte der Bayern-Tross aus, flog von Verona nach Stuttgart zu den Tests des Wochenendes in Großaspach (Samstag, 19 Uhr, fcb.tv live) und Rostock (16.50 Uhr, NDR live). „Ich glaube, wir sind ein bisschen besser als vor einer Woche”, sagte Guardiola, „ich bin zufrieden. Es ist ein Schritt nach vorne.” Ein Pep-Schritt, also ein großer auf dem Weg der Emanzipierung, weg vom Heynckes-Fußball, weg vom Jupp-Triple. Pep ist Pep.

Würde er nur den Spielstil und den Kader verwalten, hieß es selbst beim Triple 2014: Erfolge bestätigt – dank Jupps Erbe. Doch Guardiola will schaffen, verspürt „Drang”. Also: Revolution jetzt. Auch wenn es „am Anfang nicht einfach” wird, das weiß er. Ergebnisse könnten nicht stimmen. Doch sagt er: „Alles wird gut.”

Die AZ erklärt, was Guardiola bereits verändert hat:

DAS TRAINING
Der Spanier lässt fast ausschließlich mit dem Ball trainieren, Ausdauerläufe sind nicht seine Sache. Die Profis sollen sich Kondition und Spritzigkeit in Spielformen (Kreisspiel in vielen Varianten) holen. Vor den Einheiten zeigt er Videos der Übungen.

DIE STANDARDS
Vor allem Eckbälle lässt der neue Coach zentimetergenau einstudieren, was das Stellungsspiel betrifft. Bei einer Ecke gegen Bayern soll die Elf im 1-9-1-System stehen. Vor dem Torwart sichern neun Spieler die Zonen des Strafraums, einzig ein Angreifer (meist Ribéry) lauert kurz vor der Mittellinie auf abgefangene Bälle.

DIE TAKTIK
Pep möchte ähnlich dem Barça-Stil bei Ballbesitz, dass seine Spieler Überzahlsituationen schaffen, Dreiecke zum schnellen Kombinieren (Tiki-Taka) bilden. „Er erwartet ein paar andere Dinge von uns, etwa beim Verschieben oder dem Pass- und Positionsspiel”, sagt Kapitän Lahm.

DAS SYSTEM
Weg vom 4-2-3-1 mit dem Bayern das Triple holte, hin zum 4-1-4-1 mit lediglich einem Sechser (Schweinsteiger? Wunschspieler Thiago Alcántara) und weit aufrückenden Außenverteidigern. Eine Innovation, die Risiken birgt. Der Betroffene Ribéry meint: „Das neue System ist ein wenig komisch.”

DIE VERPFLEGUNG
Mehr Fürsorge als für Bayern-Profis gibt es nicht, dachte man. Nun bekommen sie nach jeder Einheit sofort einen Milch- oder Gemüseshake, mit Mona Nemmer wurde eine Ernährungsberaterin hinzugezogen. Pep sieht sich als einen Teil der Mannschaft, macht im Training selbst mit, will Kumpeltyp und Lehrmeister in einem sein. Und das am liebsten: in Ruhe. Beim nicht-öffentlichen Training. An der Säbener Straße wird der Einser-Trainingsplatz gerade blickdicht gemacht.

 

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