FC Bayern Bastian Schweinsteiger: Der Chef ist zurück

Rechtzeitig zum Saisonendspurt ist bei Bayern München der Chef zurück auf dem Platz: Dass der Rekordmeister wieder von der Meisterschaft spricht, liegt auch an Bastian Schweinsteiger.

 

München - Noch, sagt Bastian Schweinsteiger, sei er ja Profi - und nicht Trainer. Darüber dürfe die Tatsache, dass er in den vergangenen Wochen häufiger Beobachter als Mitwirkenden war, nicht hinwegtäuschen. „Ich trage Schwarz, und nicht Weiß“, meint er, und greift sich an das Shirt mit dem Emblem von Bayern München, während er dem neben ihm sitzenden, in Weiß gewandeten Jupp Heynckes zunickt. Der Coach hat immer wieder betont, dass Schweinsteiger denke „wie ein Trainer“. Auch deshalb sei er sein verlängerter Arm auf dem Platz.

Und auch deshalb sind sie beim FC Bayern so froh, dass Schweinsteiger jetzt wieder dabei ist. Mit der Rückkehr des Vize-Kapitäns rechtzeitig zum Endspurt der Saison verbinden sie große Hoffnungen beim Rekordmeister. Dass das Wort „Meisterschaft“ trotz immer noch respektablen Rückstands auf Titelverteidiger Borussia Dortmund von fünf Punkten kein Tabu mehr ist an der Säbener Straße, hat auch und vor allem mit ihm zu tun. „Ich bin ganz ehrlich gestanden sehr froh, dass Basti so weit genesen ist“, sagte Heynckes am Montag.

Wie wichtig Schweinsteiger als Chef im Mittelfeld für Heynckes ist, das wurde bereits vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Basel überdeutlich. Damals wollte ein Reporter vom Trainer wissen, worin dieser die Ursachen für das stetige Auf und Ab in den Leistungen seiner Mannschaft sehe. Der Name des damals verletzten Schweinsteiger fiel in der Frage nicht, der FC Bayern hatte ja im Vorfeld immer wieder beschwichtigt. Ja, Schweinsteiger sei wichtig, aber eine Mannschaft wie der FC Bayern müsse das kompensieren können.

Und dann das: Heynckes hob plötzlich zu einer Eloge auf den absenten Star an. „Das macht sich auch bei Bayern München bemerkbar, wenn der Stratege, der Kopf der Mannschaft fehlt“, sagte er. Das beeinflusse „unser Spiel nach vorne und defensiv“. Hoppla! Heynckes, das betonte er auch dieser Tage wieder, sieht Schweinsteiger auf einer Stufe mit den Welt- und Europameistern Xavi und Andres Iniesta sowie deren Klubkollege Sergio Busquets vom FC Barcelona, der bei der WM 2010 ebenfalls zu Spaniens Siegerelf gehörte. Schweinsteiger können auf und außerhalb des Spielfeldes „Impulse geben“, sagte er.

In dieser Saison war Schweinsteiger öfter auf die Rolle als Ratgeber von außen beschränkt als ihm lieb war. 13 Spiele in Bundesliga und Königsklasse verpasste er wegen seiner Schulter-OP und der Knöchelverletzung, fünf davon verloren die Bayern (sieben Siege). Von den 21 Spielen in diesen Wettbewerben mit ihm gingen lediglich drei verloren (15 Siege). „Basti ist ein Spieler, der ganz wichtig ist für unsere Mannschaft.

Man hat ja in den letzten Wochen und Monaten gesehen, wie wichtig“, sagt Torhüter Manuel Neuer dazu. Schweinsteiger litt auf der Tribüne. „Wenn wir verlieren, tut es mir sehr weh, weil mir der Verein sehr am Herzen liegt“, sagt der gebürtige Bayer. Es gab immer wieder Spiele, bei denen er es auf den Rängen nicht mehr aushielt und in die Kabine eilte. Dass er auch dort in eine Art Trainerrolle schlüpfte, dementierte er jetzt. „Ich bin nur runtergekommen, um bei der Mannschaft zu sein, das war mir wichtig. Aber der Trainer sagt alles zur Mannschaft.“ Nicht mehr nur bei der Mannschaft, sondern endlich wieder im Team – dieses Gefühl schenkte Heynckes dem Schlüsselspieler erstmals wieder am vergangenen Samstag gegen 1899 Hoffenheim (7:1), als er ihn für 30 Minuten brachte. Nach fünf Wochen Wettkampfpause dürfe man aber nicht zu viel erwarten von ihm, sagte Schweinsteiger danach. Dennoch: „Ich erwarte von mir sehr viel, genauso wie ich vom Verein und von der Mannschaft sehr viel verlange.“ Da klang Schweinsteiger fast wieder wie ein Trainer.

 

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