FC Bayern Basketball Marko Pesic im AZ-Interview: "Der Hunger ist zurück"

Marko Pesic (38, links) ist Sportdirektor und Geschäftsführer der Bayern-Basketballer - und der Sohn von Trainer Svetislav (rechts). Foto: dpa

München Die Bayern-Basketballer starten am Freitag gegen Oldenburg in die neue Saison. Hier spricht Sportdirektor Pesic über den Kader, die neue Motivation, die Konkurrenz in der Liga und Ärger nach der Europameisterschaft

 

AZ: Herr Pesic, endlich geht die neue Saison los. Der FC Bayern scheint gut gerüstet – oder täuscht das?

MARKO PESIC: Was ich – Stand jetzt – dazu sagen kann: Charakterlich haben wir eine sehr gute Mannschaft, die sich gegenseitig unterstützt. Und sie hat Hunger. Ich hatte das Gefühl, dass das in der vergangenen Saison nicht immer der Fall war. Die Mannschaft dieses Jahr ist sehr motiviert.

Letztes Jahr war der Hunger nicht wirklich vorhanden?

Wenn man Meister geworden ist, ist es im Jahr danach sehr schwierig, sich zu motivieren, das Gleiche wieder zu erreichen. Das ist meine Erfahrung. Dieses Jahr hat man nichts zu verteidigen, sondern nur zu gewinnen. Dieser Hunger, den wir vor zwei Jahren auf den Titel hatten, den sehe ich jetzt wieder.

Ihr Geschäftsführer-Kollege Volker Stix hat gesagt, dass der Spieleretat im einstelligen Prozentbereich gestiegen ist. Haben Sie dieses Jahr aus dem Geld mehr rausgeholt?

Das kann man erst am Ende der Saison sagen, je nachdem, wie erfolgreich wir waren.

Trotzdem: Wenn man Ab- und Zugänge gegenüberstellt, wirkt die Mannschaft, zumindest was die Namen angeht, stark verbessert.

Es spricht sich auch ein bisschen rum, dass wir ein ziemlich gutes Umfeld bieten können. Wir haben dieses Jahr nicht so lange auf die Spieler gewartet wie in der Vergangenheit. Diesmal gab es mit keinem lange Verhandlungen – vom Angebot bis zur Unterschrift hat es eine Woche gedauert. Wir haben keine Gefangenen gemacht. Wir haben gesagt: Das ist es, nimm es oder lass es. Das war ein guter Sommer.

Vor kurzer Zeit geisterte eine Liste durchs Internet mit den 50 Topverdienern in Europa. Einer Ihrer Spieler war auch dabei: John Bryant mit 1,3 Millionen netto ...

Rufen Sie doch die Liste noch einmal auf und schauen Sie, ob er immer noch dort steht. (Am. d. Red.: John Bryant wurde inzwischen aus der Liste entfernt.) Das ist nicht annähernd an der Realität. Nicht mal zu zwei Dritteln, ich glaube, dass 70 Prozent der Zahlen nicht stimmen.

Zurück zum Sportlichen. Wen sehen Sie in der Bundesliga als größten Konkurrenten?

Der größte Konkurrent sind wir selber. Wir müssen auf uns schauen, hart arbeiten, von Verletzungen verschont bleiben, dann können wir sehr gut sein. Mich interessiert alles andere nicht – sondern nur das, was ich selbst unter Kontrolle habe.

Im ersten Spiel geht es für die Bayern gleich gegen Pokalsieger Oldenburg. Ohnehin schon kein ganz einfacher Start – zudem muss Trainer Svetislav Pesic wegen einer Strafe aus der letzten Saison aussetzen.

Das wird ein ganz schwieriges Spiel. Oldenburg hat das letzte Spiel gegen Bamberg im Champions Cup hoch verloren. Das führt dazu, dass das Umfeld denkt, dass es ganz leicht werden könnte und man den Gegner vielleicht unterschätzt. Das erste Spiel der Saison, besonders wenn es ein Heimspiel ist, muss man gewinnen.

Ist es ein Faktor, dass der Trainer nicht an der Seitenlinie steht?

Klar, das ist zunächst mal eine Strafe. Aber ich bin mir sicher, dass Muki und Philipp (die Co-Trainer Mutapcic und Köchling, d. Red.) das gut machen werden.

Anton Gavel wurde für seine Leistung im Nationaltrikot kritisiert, unter anderem von Bundestrainer Chris Fleming, was Ihnen sauer aufgestoßen ist. Haben Sie in der Zwischenzeit wie angekündigt mit Fleming telefoniert?

Nein, ich habe dazu alles gesagt. Anton Gavel hätte nicht für Deutschland spielen müssen, außerdem war er verletzt. Vor zwei Jahren haben wir Robin Benzing abgestellt, obwohl er Patellasehnenprobleme hatte. Das hat er dann die komplette Saison mitgeschleppt. Wahrscheinlich ist das, was Bamberg getan hat, das Klügste. Denn ich bezahle die Spieler, nicht der DBB. Man muss in Zukunft genau drüber nachdenken, ob man angeschlagene Spieler abstellt.

Zum Positiven: Was können die Nationalspieler von der Europameisterschaft mitnehmen?

Der Einzige, der etwas mitnehmen kann, ist Paul Zipser. Die anderen beiden (Anm. d. Red.: Anton Gavel und Alex Renfroe) sind erfahren genug. Für Paul war es gut, erstmals so einen Wettbewerb zu spielen. Du lernst, deine Kräfte einzuteilen und spielst gegen Spanien, Serbien und andere Top-Mannschaften Europas. Nach zwei Sommern, in denen er verletzt war, wird ihm diese Erfahrung gut tun.

 

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