FC Bayern Basketball Barcelona-Pleite: Eine Lehrstunde in Sachen Europa

Auch Bayern-Neuzugang Bo McCalebb war gegen Barcelona chancenlos. Foto: sampics/Augenklick

Der FC Bayern Basketball geht in der Euroleague gegen den FC Barcelona unter. „Wir konnten ihnen einfach nicht Paroli bieten – definitiv nicht!“

München - Vom Angriff in der Euroleague hatte Bayern-Trainer Svetislav Pesic vor dem Highlight gegen den FC Barcelona gesprochen. Dass dieser folgen würde, war in seiner Ansicht klar. Nur das Wann, da stand noch ein Fragezeichen dahinter. Bis zum Barca-Spiel!
Nach der mehr als deutlichen 77:99-Demontage durch den spanischen Meister in eigener Halle ist klar, dass die Gedankenspiele von Pesic wohl eher langfristig angelegt sein müssen. Bis der FC Bayern konstant mit den allerbesten in Europa mithalten kann, das wird wohl noch Zeit – viel Zeit – in Anspruch nehmen.
Okay, der FC Barcelona gehört seit Jahren zu den absoluten europäischen Topadressen. Der Verein ist Dauergast in der zweiten Runde der Euroleague – der FC Bayern dagegen spielt ja erst seine vierte Bundesligasaison seit dem Wiederaufstieg und tritt überhaupt erst zum zweiten Mal in der Euroleague an. Alles richtig, alles Fakt.

Trotzdem war die heimliche Hoffnung auf den Überraschungssieg vor dem Spiel groß. Kaum einer hätte erwartet, dass der große FC Bayern, der amtierende Meister, bereits in der ersten Halbzeit von den Katalanen regelrecht pulverisiert würde. Im Audi Dome hatte man dieses Jahr immerhin schon Real Madrid und Panathinaikos Athen geschlagen, zwei der Teams, die sich regelmäßig mit Barcelona um die europäische Krone streiten. Mit Bo McCalebb verpflichtete Bayern zudem einen der besten Spieler Europas. Nach dem Spiel war alle Euphorie wie weggeblasen. „Wir konnten ihnen einfach nicht Paroli bieten – definitiv nicht.“

Die Partie war eine Lehrstunde in Sachen Europa für die Bayern. Ein klarer Klassenunterschied wurde in der ersten Halbzeit – nach der Barcelona bereits mit 21 Punkten in Führung lag– deutlich, den auch Stareinkauf McCalebb nicht mindern konnte. Der 29-jährige Amerikaner war erst am Tag vor dem Spiel verpflichtet worden und zur Mannschaft gestoßen. „Das ist keine Entschuldigung. Ich habe nicht gut gespielt und bin genauso schuld wie der Rest des Teams.“ Ein Star mit höchsten Ansprüchen, vor allem an sich selbst. Trotz der Niederlage war McCalebb froh, endlich wieder auf dem Feld zu stehen: „Ich hab zu lange zuhause gewartet, ich war einfach bereit zu spielen. Das hier ist die beste Möglichkeit für mich.“
Dass er in München spielt, zeigt, wie schnell der FC Bayern auf die europäische Spitze aufgeholt hat. Topklubs wie der FC Barcelona verpflichten aber reihenweise solche Spieler.

„Er braucht ein paar Tage, dann wird er guten Basketball spielen“, blickte Svetislav Pesic optimistisch in die Zukunft. Jan Jagla nahm den selbstkritischen McCalebb in Schutz: „Gerade als Aufbauspieler ist es schwierig, in eine neue Mannschaft zu kommen. Er muss in zwei Tagen 25 Spielzüge lernen, er muss sich da reinfuchsen. Am Sonntag wird es hoffentlich schon besser.“ Dann ist der FC Bayern zu Gast bei Tabellenschlusslicht Crailsheim (15 Uhr, telekombasketball.de). Das Kräfteverhältnis dürfte ebenso deutlich sein wie beim Spiel gegen Barcelona, diesmal freilich zugunsten des deutschen Meisters. „Für Crailsheim als Aufsteiger ist das erste Spiel gegen den FC Bayern sicher etwas ganz besonderes“, meint Jagla. „Gerade auch mit dem neuen Trainer werden sie sehr intensiv spielen. Das wird kein Selbstläufer, aber ein Spiel, das wir gewinnen müssen.“

Nach nur einem Sieg aus den ersten neun Spielen hatten sich die Schwaben zu Wochenbeginn von Trainer Willie Young getrennt. Beim Spiel am Sonntag wird erstmals Ingo Enskat, der bisherige Sportliche Leiter, sein als Trainer auf der Bank sitzen. „Ich habe schon ein paar Spiele im Livestream verfolgt, es herrscht eine tolle Atmosphäre in dieser Halle“, lobte Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic.

Die „Arena Hohenlohe“ ist in jedem Fall die außergewöhnlichste Halle der Liga: Neben Basketballspielen finden hier regelmäßig Rinderauktionen statt. Vielleicht genau das richtige Pflaster, um sich von der deutlichen Niederlage auf der europäischen Bühne zu erholen.    F. Schmidt-Sommerfeld

 

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