Fast vier Wochen Ausstand Post-Streik: Einigung her, bitte!

Auch eine Möglichkeit zu demonstrieren: Dieser Münchner Radl-Postler streikt auf seine eigene Art und Weise. Foto: Sven Hoppe/dpa

Im Post-Streik scheinen die Positionen kaum zu überbrücken. Doch der Druck, eine Lösung zu finden, steigt – auch wenn die Deutschen zum größten Teil sogar Verständnis für den langen Ausstand haben.

 

München/Bad Neuenahr - Nach fast vier Wochen bundesweitem Streik ringen die Tarifparteien bei der Post wieder um eine Einigung. Die siebte Verhandlungsrunde begann am Freitag in Bad Neuenahr.

In welchen Punkten streiten Post und Verdi? Vor allem im Zoff um die von der Post aus gegründeten Paketgesellschaften mit schlechterer Bezahlung stehen sich die Positionen des Unternehmens und der Gewerkschaft Verdi kontrovers gegenüber. Trotzdem zeigten Sprecher beider Seiten zum Beginn der zunächst für zwei Tage angesetzten Gespräche vorsichtigen Optimismus, zu einer Einigung für die 140 000 Beschäftigten zu kommen.

Was sagt der Post-Chef, was die Gewerkschaft? Post-Chef Frank Appel hatte die Paket-Gesellschaften allerdings öffentlich als „nicht verhandelbar“ bezeichnet. Verdi sieht in den Gesellschaften einen „einseitigen Vertragsbruch“ der Post und fordert kaum weniger vehement die Eingliederung in den Post-Haustarifvertrag.

Der Unterschied für die Mitarbeiter ist erheblich: Die Post-Mutter zahlt gut 17 Euro, in den Paket-Gesellschaften gibt’s nur durchschnittlich 13 Euro. Auch diese 13 Euro basierten auf einem mit Verdi verhandelten Tarif, dem Logistik-Tarif, betont die Post. Außerdem würden die Post-Angestellten nicht schlechter gestellt.

Ist ein Streik-Ende absehbar? Verdi lässt die bundesweiten Streiks auch während der Verhandlungen weiterlaufen, um den Druck auf die Arbeitgeber aufrecht zu erhalten.

Was kosten die Ausstände die Post? Der genau Wert kann nicht beziffert werden. Auf jeden Fall sind’s mehrere Millionen Euro und der Streik drückt auch auf das Image.

Wie reagieren die Kunden und Verbraucher? Nach anfänglicher Gelassenheit dringen mit der langen Dauer des Streiks zunehmend auch Beschwerden von Kunden nach draußen.

Lesen Sie hier: Firmenausgliederungen laut Post-Chef "nicht verhandelbar"

In manchen Städten bleiben Briefe nach Schilderungen von Betroffenen wochenlang liegen. Kunden haben allerdings keine Handhabe gegen die Post, da das Unternehmen beim gewöhnlichen Brief keine Laufzeitgarantie übernimmt.

Haben die Verbraucher Verständnis für den Streik? Ja. Wie das Meinungsforschungsinstitut YouGov in einer am Freitag veröffentlichten Befragung ermittelte, haben 63 Prozent der Bürger Verständnis für den Arbeitskampf. Nur 29 Prozent lehnen ihn kategorisch ab.

Worum geht es eigentlich im Post-Streik?

Im Mittelpunkt steht ein Grundsatzstreit: Die Post hat zu Jahresbeginn 49 neue Regionalgesellschaften im Paketgeschäft gegründet, deren heute rund 6500 Mitarbeiter schlechter bezahlt werden als die Kollegen im Post-Haustarif. Das lehnt Verdi ab. Die neuen Gesellschaften verstoßen aus Sicht von Verdi gegen einen Vertrag, in dem sich die Post verpflichtet hatte, Fremdvergaben streng zu beschränken.

Die Post sagt, in den Gesellschaften entstünden neue Arbeitsplätze. Verdi hat als Reaktion die bisherige Arbeitszeitregelung (38,5 Stunden) und die Entgelt-Vereinbarungen mit der Post gekündigt. Zum Ausgleich für die Ausgliederung fordert sie für die Post-Beschäftigten 5,5 Prozent mehr Geld und eine Arbeitszeitverkürzung auf 36 Stunden mit Lohnausgleich. Die Post hat bisher keinen konkreten Entgeltvorschlag vorgelegt.

 

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