Falscher Sitzplatz in der BOB Teurer Fehler: Aus Versehen 1. Klasse - 240 Euro!

Savvoula Michailidou kann immer noch nicht verstehen, was ihr in der BOB passiert ist. Foto: Bernd Wackerbauer

In der BOB kann man leicht mal versehentlich falsch sitzen. Doch das wird richtig teuer – wie eine AZ-Leserin erfahren musste.

 

München - Als der Kontrolleur sie bat, ihm ihren Ausweis auszuhändigen, dachte Savvoula Michailidou (52), es gehe um eine neue Maßnahme zur Corona-Prävention. "Warum brauchen Sie den denn?", fragte sie. "Weil Ihr Ticket ungültig ist", kam als Antwort. "Das ist ein Zweite-Klasse-Ticket. Sie sitzen in der ersten."

Savvoula Michailidou sagt, sie sei eigentlich niemand, der sich schnell aufregt, wirklich nicht. Aber dass sie jetzt eine so hohe Strafe zahlen soll, nur, weil sie sich versehentlich in die erste Klasse gesetzt hat, das sieht sie nun wirklich nicht ein.

Keine Möglichkeit, sich umzusetzen

"Ich wusste überhaupt nicht, dass es eine erste Klasse gibt in der Bayerischen Oberlandbahn", sagt sie. Und: "Uns wurde nicht einmal die Möglichkeit gegeben, uns umzusetzen, als der Schaffner uns darauf aufmerksam gemacht hat." 240 Euro soll sie nun zahlen, für sich, ihre Mutter und zwei Freundinnen. Weil sie auf einer Fahrt mit der BOB den Aufkleber übersehen haben, der die erste von der zweiten Klasse trennt.

Es war Mitte Mai, als die Kontrolle passierte, die Ausgangsbeschränkungen waren noch nicht allzu lange aufgehoben. Savvoula Michailidou war auf dem Rückweg vom Tegernsee heim, zusammen mit ihrer Mutter und zwei Freundinnen. Es war einer ihrer ersten Ausflüge nach dem Ende der Ausgangssperre, sie waren um den See gewandert, hatten ein Eis gegessen, die Sonne schien, bestes Seewetter. Als sie sich auf den Rückweg machten, war die BOB voll.

Suche nach einem Platz mit Abstand

"Meine Mutter hat Krebs und ist 76 Jahre alt, sie ist Risikopatientin", sagt Michailidou. "Also habe ich nach Plätzen gesucht, auf denen sie nicht neben einer fremden Person sitzen muss. Wegen der Ansteckungsgefahr." Ihre Mutter kommt aus Griechenland. Wegen ihrer Krebserkrankung ist sie vor anderthalb Jahren zu ihrer Tochter gezogen, sie spricht nur wenig Deutsch. Ebenso die Freundinnen. "Ich war die Einzige, die den Aufkleber hätte lesen können, auf dem steht, dass diese vier Plätze am Ende der Bahn die erste Klasse sein sollen", sagt Michailidou.

"Aber ich war zu beschäftigt damit, einen Platz mit wenig Ansteckungsgefahr zu suchen." Sie findet: Wenn die BOB schon mitten in der Corona-Krise die erste Klasse leer stehen lässt, dann hätte sie zumindest die Kulanz besitzen müssen, Leuten, die sich versehentlich dorthin gesetzt haben, die Möglichkeit zum Umsetzen zu geben. "Ich bin nicht böse auf den Schaffner, weil er uns sofort aufgeschrieben hat", sagt sie. "Das ist sein Job. Aber dass er überhaupt die Anordnung hat, Leute in solchen Fällen direkt als Schwarzfahrer aufzuschreiben, das finde ich problematisch."

Keine Antwort wegen Corona

Die BOB, die seit 1. Juli offiziell als "Bayerische Regiobahn" verkehrt, hat auf AZ-Anfrage keine Stellungnahme abgegeben. Michailidou sagt: "Ich habe dem Konzern gleich danach eine Mail geschrieben, in der ich die Situation erklärt habe." Sie kramt in ihrer Tasche und zieht ein Blatt hervor. "Das hier war die Antwort."

In der Mail steht: "Aktuell sind wir von den Einschränkungen aufgrund der im Zusammenhang mit dem Corona-Virus umzusetzenden Maßnahmen betroffen. Es ist uns deswegen leider nicht möglich, zeitnah auf ihre Mail zu antworten." Savvoula Michailidou lacht. "Kulanz aufgrund der Corona-Maßnahmen", sagt sie. "Finde ich absolut angebracht."

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