Falle Internet So schnell gibt's beim Surfen im Web Ärger

Cyber-Cop Cem Karakaya über die Gefahren im Internet. Foto: dpa/ho

Internetkriminalität boomt. Unternehmen greifen Daten ab, wo sie nur können. Kurios, was wir im Internet alles preisgeben, ohne es zu wollen. Ein Polizeiexperte erzählt, was er tagtäglich erlebt.

 

München -  Eigentlich sind es nur ein paar Dinge, die man beachten muss, wenn man im Internet nicht über den virtuellen Tisch gezogen werden will.
„Gier frisst Hirn. Deshalb ist der Mensch die größte Schwachstelle “, sagt Cem Karakaya, „manche Schnäppchen im Internet sind so unglaublich günstig, da sollte man sofort misstrauisch werden.“
Der 41-Jährige hat früher bei Interpol in der Türkei gearbeitet. Inzwischen ist er beim Polizeipräsidium München für Prävention zuständig.

Gesundes Misstrauen ist genauso wichtig wie eine moderne technische Ausrüstung. Sie sollte auf dem neuesten Stand sein. Virenschutz und Betriebsprogramme müssen ständig aktualisiert werden. Auch die Hardware, der PC, sollte dem aktuellen Standard entsprechen. Sonst kommen Cyber-Gangster beispielsweise über den Drucker ins System und übernehmen die Kontrolle.
Noch simpler wird es, wenn die PC-Besitzer selbst dabei mithelfen. In München häufen sich in jüngster Zeit Fälle, bei denen sich Anrufer als Mitarbeiter von Microsoft ausgeben. Sie warnen vor Viren oder Trojanern und bieten Hilfe an. Wer die Anweisungen befolgt, ermöglicht dem Anrufer die Kontrolle über den fremden PC. „Geben Sie Passwörter, persönliche Daten, Konto- oder Kreditkartendaten nie am Telefon weiter“, warnt Cem Karakaya.

Andernfalls ergeht es Ihnen vielleicht wie jenem Geschäftsmann, der via Internet die Bekanntschaft mit einer schönen Unbekannten machte. Es begann mit einem harmlosen Gespräch via Skype. Schließlich hatte die Frau den Mann so weit, dass er sich vor laufender Kamera auszog. Am Ende des Sexy-Chats forderte sie 4000 Euro. Andernfalls werde sie das heimlich mitgeschnittene Video vom PC-Strip bei Youtube und Facebook hochladen, sowie an Freunde und Kunden des Mannes verschicken.

Das Opfer dachte an einen Bluff. Doch dann musste er zusehen, wie vor seinen Augen ein Video im Netz hochgeladen wurde. Die Frau war nur ein Ablenkungsmanöver. Komplizen hatten den Chat genützt, den PC übernommen und sämtliche Passwörter abgegriffen. Cem Karakaya hatte später dann das zweifelhafte Vergnügen, der Ehefrau den Fauxpas ihres Gatten zu erklären.
Oft merken die Opfer nicht einmal, dass ihre Computer extern gesteuert werden – wie ein elektronischer Zombie.

Ein Mann beschwerte sich über unerwünschte Werbung. Angepriesen wurden Artikel rund ums Baby. Er habe eine Tochter, sagte der verärgerte Kunde, die sei aber kein Baby sondern bereits 17 Jahre alt.
Über die erfassten Kundendaten war festzustellen, dass sich das Kaufverhalten stark verändert hatte. Die Tochter interessierte sich für Produkte, die Schwangere bestellen. Spezielle Kosmetika, Vitamine und andere Substanzen, die werdende Mütter gerne verwenden, um sich und ihrem Baby etwas Gutes zu tun.

So war es auch bei der 17-Jährigen. Sie war schwanger. Was der werdende Großvater allerdings nicht ahnte. Das Internet wusste dagegen viel früher, dass der Klapper-storch im Anflug war. „So spart man sich wenigstens einen teuren Schwangerschaftstest“, scherzt Cem Karakaya.

Manche Unternehmen haben Einkaufswagen mit Sensoren ausgestattet. Die registrieren, an welchen Regalen der Kunde wie lange stehen bleibt. Wenn man dann über ein Rabattsystem bezahlt, liefert man mit der Zeit ein komplettes Persönlichkeitsprofil. Für Handel und Industrie sind die Infos bares Geld wert. 

 

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