Fall in München vor Gericht Im Internet an die Falsche geraten: Drei Millionen weg

Walter L. (55, Name geändert) und seine Stieftochter Christina L. (33) vor Gericht. Hinter ihnen die Anwälte von Christina L., Berna Behmoaram und Maximilian Pauls. Foto: th

Eine 33-Jährige und ihr Adoptiv-Vater stehen vor Gericht: Sie sollen einen Partner für die junge Frau gesucht und ihn dann nach der Hochzeit mit üblen Methoden furchtbar ausgenommen haben

 

München - Die Vorwürfe klingen ungeheuerlich: Über Jahre sollen der Jurist Walter L. (55, Name geändert) und seine Adoptivtochter Christina L. (33) deren Ex-Ehemann Oliver S. um drei Millionen betrogen haben. Jetzt steht das mutmaßliche Gangster-Duo wegen Betruges vor dem Münchner Landgericht.

Christina L. schweigt auf Anraten ihrer Anwälte Berna Behmoaram und Maximilian Pauls. Dafür plaudert ihr Stiefvater, ein ehemaliger Mitarbeiter der Bayerischen Staatskanzlei, umso mehr. Dabei gestikuliert er wild mit Armen: „Ich will reinen Tisch machen und mich nicht schonen.“

Zuvor verliest der Staatsanwalt die Anklage. Demnach sollen Adoptiv-Vater und -Tochter im Oktober 2007 beschlossen haben, einen wohlhabenden Partner für Christina L. zu suchen. Über ein renommiertes Partner-Portal im Internet wird sie auf den Münchner Rechtsanwalt Oliver S. aufmerksam.

Bereits bei den ersten Treffen mit der neuen Bekanntschaft fangen die Lügen an. Mütterlicherseits, erzählt die junge Frau, stamme sie aus einem italienischen Adelsgeschlecht und sei eine Prinzessin. Die Familie sei wohlhabend – und ihr Großonkel ein mächtiger Mann.

Der Advokat tappt tatsächlich in die Liebesfalle. Im Juli 2008 ist Hochzeit in Las Vegas. Für 2,1 Millionen Euro kauft er in Schwabing eine Altbauwohnung. Oliver S. kann es sich bei 23<TH>000 Euro brutto im Monat ja leisten.

Danach soll der Stiefvater den vermögenden jungen Ehemann unter Druck gesetzt haben: Angeblich wünsche der Großonkel, dass Christina mit im Grundbuch stehe – sonst könne es passiere, dass dieser Großonkel ihn, den Bräutigam, nach einer bewährten Mafia-Methode im See versenke.

Diese Einschüchterungen wirken. Aus Angst überschreibt Oliver S. die Wohnung der Angeklagten. Mit weiteren Morddrohungen soll das Duo auch die Konten in vier Jahren leergeräumt haben – über 770.000 Euro. Oliver S. muss so verliebt gewesen sein, dass er laut Anklage „auf Drängen der Angeklagten“ seinen Job im Juni 2010 kündigt. Er bezieht kurzfristig Sozialhilfe.

Die Anwälte Michael Pösl und Wolfgang Kreuzer von Walter L. sagen: „Das Geld wurde für Kunstgegenstände ausgegeben. Darunter sollen sich auch zwei wertvolle Bilder von Alexej von Jawlensky sein. Alles wurde nach Ungarn verschafft.“ Pösl spricht sogar von einer Dreiecksbeziehung: „Die Angeklagte hat auch unseren Mandanten ruiniert.“

Dennoch beteuert Walter L. vor Gericht: „Ich liebe meine Tochter Christina über alles.“ 2000 habe er sie kennen gelernt: „Ich war damals nicht auf der Suche. Meine Verlobte ist bei einem Autounfall verbrannt. Bei Christina hatte ich das Gefühl, sie ist in einer ähnlichen psychischen Verfassung wie ich.“ Es folgen gemeinsame Abendessen. Sie erzählt von einer schrecklichen Jugend. Der Vater habe sie fast verhungern lassen.

Clemens L. ist gerührt, nimmt sie auf. Auch er verliert seinen Job, als er Christina L. näher kennt: „Ich war so krank, habe 25 Kilo verloren. Der Amtsarzt schickte mich in Frühpension.“ 2005 adoptiert er Christina, obwohl ihm sein Freund, CSU-Größe Peter Gauweiler, abgeraten habe: „Der sagte nur, du spinnst doch.“

Die Vorwürfe gegen ihn und seine Adoptivtochter seien aber nicht richtig: „Herr S. gab ihr das Geld und die Wohnung als Befriedungsgeschenke, weil er sie betrogen hat.“
Morgen sagt Oliver S., das Opfer, aus.

 

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