Fall in Augsburg Kinder mussten Mama nackt fotografieren

Eine zweifache Mutter (40) und ihr Freund (49) sitzen derzeit vor Gericht. Die Töchter (14 und 17) wurden nackt fotografiert – und mussten Mama nackt ablichten. Foto: AZ

Eine zweifache Mutter (40) und ihr Freund (49) sitzen derzeit vor Gericht. Die Töchter (14 und 17) wurden nackt fotografiert – und mussten Mama nackt ablichten.

 

AUGSBURG - Eine schrecklich nette Familie. Sie: Kinderpflegerin mit zwei minderjährigen Töchtern. Ihr neuer Freund: Fahrkartenprüfer in Augsburg. Nach zwei gescheiterten Beziehungen wähnte sich Petra F. (40, alle Namen geändert) im siebten Himmel. „Ich habe ihm blind vertraut”, lässt sie ihren Verteidiger vor Gericht erklären. Endlich ein Mann, der sich wirklich für sie interessierte, der sich kümmerte. Doch hinter seinem Interesse, seiner Fürsorge verbarg sich eine böse Absicht.

Jetzt sitzen beide auf der Anklagebank. Wegen schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern, Verbreitung kinderpornografischer Schriften und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht. Sie, weil sie Ende 2010 ihre minderjährigen Töchter Christine (heute 14) und Susanne (heute 17) dazu angehalten hatte, für einen Fotokalender erotische Fotos von ihrer nackten Mutter in Reizwäsche zu schießen. Damit wollte die Frau ihren Lebensgefährten beglücken. Hans G. (49), weil er 2011 das Vertrauen der Frau und ihrer Töchter ausnutzte, um Nacktaufnahmen der Geschlechtsteile der Mädchen zu machen.

Dass die drei sich normalerweise geweigert hätten, war dem Kontrolleur klar. Seiner Lebensgefährtin erzählte er deshalb, er mache die Fotos für eine Modeagentur. Aus den Nacktaufnahmen würde er unverfängliche Konturfotos machen. Die Mädchen könnten sich dafür Kleider aussuchen und bekämen ein kleines Honorar.

Alles gelogen. Aber mit System: Da eines der Mädchen noch keine 14 war, sollte Petra F. als Mutter eine Einwilligungserklärung unterschreiben. Was sie auch tat, ohne den Text wirklich genau zu prüfen. Was mit den Fotos weiter geschah, darum kümmerte sie sich ebenso wenig.

Die Bilder hatte Hans G. laut Anklage gemacht, um sich selbst zu erregen und anderen zu zeigen. Der ansonsten geständige Mann stritt dies aber ab. Die Fotos seien „totaler Irrsinn” gewesen, es tue ihm leid und er wisse selber nicht mehr, was ihn damals geritten habe. Aber rumgezeigt habe er die Bilder nicht.

Seine Kollegen, die als Zeugen vor Gericht auftraten, konnten denn auch tatsächlich nur bestätigen, dass Hans G. gerne einmal mit pornografischen Fotos auf seinem Handy und angeblichen Eroberungen protzte. Die Frauen darauf seien aber nicht zu erkennen und wohl nicht minderjährig gewesen.

Christine und Susanne sind inzwischen ihrer Mutter entzogen worden und leben bei einer Pflegefamilie. Nicht einmal ihr Nachname erinnert an die schreckliche Zeit. Die seelischen Wunden sind aber noch nicht verheilt. Die jüngere will mit Petra F. nichts mehr zu tun haben, beide Mädchen sind in psychologischer Behandlung.

Im Prozess machten sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Das Gericht sah sich daraufhin die Videoaufzeichnung der Vernehmungen an. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Doch auch an Mutter Petra F. ist das alles nicht spurlos vorüber gegangen. Ein halbes Jahr verbrachte sie genau wie ihr Ex-Lebensgefährte in U-Haft. Die vergangenen zwei Wochen hat sie stationär im Bezirkskrankenhaus verbracht, weil sie ihrerseits psychologisch behandelt werden muss.

Und während er bei der Verlesung der Anklage vor lauter Scham mit starrem Blick ein Loch in den Tisch vor sich zu bohren scheint, weint sie leise und schüttelt den Kopf. Als könne sie nicht fassen, was sie und er den Mädchen angetan haben.

 

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