Fakenews und Desinformation Türkischer TV-Sender macht Youtuber zum Utrecht-Attentäter

Die Polizei am Tatort in Utrecht. Das kleine Bild zeigt den "Drachenlord" im Ausschnitt des türkischen TV-Senders. Foto: Peter Dejong/AP/dpa

Wie schnell im Internet falsche Informationen verbreitet werden, zeigt auch der Anschlag in Utrecht. Ein türkischer TV-Sender präsentierte als Täter den deutschen Youtuber "Drachenlord". Ein exemplarischer Fall von Fakenews.

 

Fakenews und Desinformationskampagnen sind nicht nur für Behörden und Politiker eine wachsende Herausforderung. Wie schnell auch Privatmenschen Opfer durch falsche Informationen werden können, zeigt auch der aktuelle Anschlag aus Utrecht.

Wie berichtet, hatte in der niederländischen Stadt ein Mann in einer Tram drei Menschen getötet. Weltweit berichteten Medien, schnell machten auch Bilder des mutmaßlichen Täters die Runde. In diesem Fall allerdings muss es heißen: des vermeintlichen Täters.

"Drachenlord": Deutscher Youtuber als Utrecht-Täter

Denn der türkische Fernsehsender "24TV" zeigte in seinem Liveprogramm in einer Reihe von echten Tatort-Aufnahmen auch Bilder, die den "Drachenlord" mit einer Faustfeuerwaffe zeigen: Er sei der Täter, so der zwingend falsch zu ziehende Schluss des Berichts. Und nicht nur der türkische Sender zeigte diese Bilder, auch andere Accounts verbreiteten auf Twitter die Falschmeldung - teils mit Bezug auf den TV-Sender. Besonders markant: Sogar, als die niederländische Polizei ein Fahndungsfoto des Schützen veröffentlichte, war der Beitrag noch auf der Youtube-Seite des Senders zu sehen. Erst später wurde er gelöscht.

"Drachenlord" wird Opfer von Fakenews

Der Politikwissenschaftler Ismail Küpeli griff die Fakenews auf, wenig später auch der Journalist Karsten Schmehl von "Buzzfeed".

Die Bilder zeigten nämlich nicht den wirklichen Täter, sondern eben Rainer Winkler, besser bekannt unter dem Pseudonym "Drachenlord". Winkler ist ein aktiver Youtuber, der eine durchaus kontroverse "Fan"-Gemeinde hat. Seine Vlogs und Streams riefen regelmäßig wahre Hasstiraden hervor, auf einschlägigen Plattformen wurde Winkler verbal hingerichtet. Das (durchaus gewollte) Mobbing ging soweit, dass sich 2018 rund 200 Menschen vor dem Privathaus Winklers trafen. Damals musste die Polizei anrücken.

Auch russischer Sender mit Fakenews

Die aktuelle Geschichte ist nun doppelt kurios: Denn zum einen wurde Winkler nicht zum ersten Mal Opfer solcher Fakenews-Kampagnen. Schon 2016 wurde der "Drachenlord" als vermeintlicher Attentäter präsentiert - mit dem selben Bild, das auch der türkische Sender in seinen Bericht montierte. Im russischen Fall hatte Winkler angeblich bei einem Anschlag neun Menschen getötet. Auch das waren Fakenews.

Und zum anderen hat der aktuelle Fall offensichtlich auch Konsequenzen für Politikwissenschaflter Küpeli. Sein Twitterprofil war, wenige Stunden nachdem er den Fake aufgedeckt hatte, nicht mehr zu erreichen. Unwahrscheinlich, dass er es selber deaktiviert hat...

Lesen Sie hier: Umstrittene Upload-Filter sollen doch noch verhindert werden

 

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