Fahrrad-Trend E-Bike-Boom in Landshut: Strampeln voll unter Strom

Werner Braun von Zweirad Pritscher glaubt, dass der Ansturm auf Pedelecs noch die nächste drei Jahre anhalten wird. Foto: is (2), kp (2)

Treten, bis sich die Zunge in den Speichen verfängt, war gestern. Pedelecs und E-Bikes liegen voll im Trend - auch in Landshut.

Landshut - Wer jetzt noch keins hat, der muss sich mit dem vergnügen, was noch da ist. Oder einfach bis nächstes Jahr warten: Der E-Bike- und Pedelec-Boom hat dieses Jahr auch vor Landshut nicht halt gemacht. "Wir sind völlig überrannt worden", sagt Werner Braun von Zweirad Pritscher. Geholfen habe da auch keine großzügige Kalkulation am Anfang des Jahres. Aus dem Vollen schöpfen könne sein Fachhandel Mitte des Jahres bereits nicht mehr.

Viel mehr sei das Radlgeschäft an der Alten Bergstraße vom Ansturm der Kunden auf die Pedelecs überrascht worden - auch wenn Braun mit einem stetigen Wachstum des Marktes gerechnet hatte. "Man kann mit Sicherheit sagen, dass kein Händler tatsächlich abschätzen konnte, welchen Stellenwert das Pedelec beziehungsweise E-Bike beim Kunden bekommt", sagt Braun.

Die Verkaufszahlen bei Zweirad Pritscher sprechen Bände: Der Zweiradhändler hat dieses Jahr im Verhältnis 50 zu 50 Fahrräder beziehungsweise E-Bikes und Pedelecs verkauft. Im vergangenen Jahr lag die Verkaufsquote noch bei 30 Prozent E-Bikes und Pedelecs gegenüber 70 Prozent Fahrrädern. Ein enormer Sprung.

Im Radl-Stadel an der Altdorfer Straße sieht es nicht anders aus: "Die Leute wollen nur noch Elektrofahrräder, wir verkaufen fast keine normalen Fahrräder mehr", sagt Radl-Stadl-Chef Wolfgang Lechner.

An Elektrorädern gebe es mittlerweile alles, was es an normalen Fahrrädern auch gibt: Vom Rentnerradl bis zum Profi-Mountainbike ist alles dabei. "Somit müssen wir auch eine große Auswahl anbieten", sagt Lechner.

Zwar überwiegen noch die Senioren, die sich ein Pedelec kaufen würden, aber schon Kunden ab 15 Jahren sind scharf auf Radl mit Elektroantrieb. Stark sei auch die Gruppe zwischen 30 und 40 Jahren. "Es gibt sogar schon Pedelecs für Kinder ab acht Jahren, aber die Nachfrage ist noch eher gering", sagt Lechner.

Wie erklärt sich Lechner den Boom der E-Bikes? "Einer fängt damit an und dann steigen auch alle anderen auf einen Elektromotor um, weil sie sonst nicht hinterherkommen." Es herrsche also ein gewisser Gruppendruck.

Bei vielen Modellen gebe es mittlerweile Lieferengpässe. Dem könne er als Händler nur entgegenwirken, indem er bei verschiedenen Lieferanten vorbestelle. Die Lieferzeit auf ein neues E-Bike ist unterschiedlich. Lechner. "Im Extremfall kann die Wartezeit ein Jahr betragen."

Der Radl-Stadl-Chef geht davon aus, dass E-Bikes nicht mehr wegzudenken sind und in Zukunft nur noch damit gefahren wird. "Es ist wie mit dem Telefon. Früher gab es Schnurtelefone, heute hat jeder ein Smartphone. Das ist einfach der Stand der Technik."

In eine ähnliche Kerbe schlägt Jürgen Faßler von der Radlstation am Hauptbahnhof. Die Nachfrage sei enorm gestiegen. Der Pedelec-Boom habe sogar den Mountainbike-Boom vor ein paar Jahren übertroffen. "Das ist mit nichts zu vergleichen", sagt Faßler.

Im Verkaufsraum stehen die Fahrräder mit Elektromotor jetzt ganz vorne. Vor drei Jahren hat Faßler mit 20 verkauften Pedelecs angefangen, mittlerweile sei jedes Dritte ein Radl mit Elektromotor.

Die Kunden sind vom Komfort, den Pedelecs und E-Bikes bieten, magisch angezogen. "Fahren Sie heute mal ein Auto ohne Servolenkung und ohne elektrische Fensterheber. Das will auch keiner mehr", sagt Radlfachmann Faßler. Schade sei es nur um die tollen Fahrräder ohne Elektroantrieb, die jetzt ein wenig in den Hintergrund rücken.

Dass das Pedelec dieses Jahr so boomt, sei mit neuen Zielgruppen (unter anderem Käufer von Trekkingrädern) zu erklären, die erschlossen wurden. Die Scheu, nicht mehr selbst richtig in die Pedale treten zu müssen, ist abgelegt worden.

Den E-Bike-Boom erlebt Willi Baier von Bike-World Baier in Grammelkam schon seit Jahren, "und es geht stetig bergauf", sagt er. Die Vorteile liegen für ihn klar auf der Hand: "Spaß und Motivation stehen für den Fahrer im Vordergrund. Aber auch der Umweltgedanke und die eigene Gesundheit spielen eine Rolle, man schafft eine größere Reichweite, entgeht dem Verkehrschaos und hat keine Parkplatzprobleme", sagt Baier.

Anfangs kam die Nachfrage hauptsächlich von älteren Personen, aber mittlerweile kommt die Nachfrage quer durch alle Altersgruppen. "Wir haben auch Kinder ab zehn Jahren und Jugendliche, die Pedelecs fahren."

Momentan hätte jeder Händler mit Lieferproblemen zu kämpfen. Bei bestimmten Modellen gebe es Engpässe, da dauere es schon mal drei, vier Monate, bis sie lieferbar sind.

Da auch Autohersteller Akkus kaufen, müsse man teilweise mit einer Vorlaufzeit von einem Jahr rechnen. Baier empfiehlt: "Rechtzeitig informieren und beraten lassen. Am besten schon im Herbst anfangen, wenn man im nächsten Frühjahr E-Bike fahren will."

Der Boom wird nach Ansicht der Landshuter Händler auch die nächsten Jahre weitergehen. "Wir rechnen 2020 mit einem Marktanteil von 35 Prozent", sagt Baier. Vielleicht werden die teuren Pedelecs in den kommenden Jahren sogar etwas günstiger, da Continental und Panasonic mittlerweile ebenfalls Motoren und Akkus produzieren und dem Marktführer Bosch Konkurrenz machen.

Trotzdem werde es immer Menschen geben, die ein "normales" Fahrrad fahren. Willi Baier meint: "Seien es die Sport-orientierten, die mit eigener Muskelkraft etwas schaffen wollen, oder Kinder und Jugendliche, für die ein Pedelec schlicht zu teuer ist."

 

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