Fahrerbewertung, Wegeheld, Spickmich und Co. Warum sind Petz-Seiten im Internet so beliebt?

Mit der "Wegeheld"-App können Sie Falschparker direkt dem Ordnungsamt melden Foto: imago stock&people

Ein Falschparker versperrt den Weg und ein anderer belegt gleich drei Parkplätze? Keine Frage, das dürfte so manchem Verkehrsteilnehmer mächtig auf die Nerven gehen. Im Internet werden darum Seiten immer beliebter, auf denen man öffentlich seinem Ärger Luft machen kann - auch wenn es um Lehrer oder Ex-Partner geht.

 

Berlin – Im Mittelalter wurden Menschen an den Pranger gestellt, um sie in aller Öffentlichkeit für ihre Missetaten büßen zu lassen. Heute gibt es dafür das Internet. Ohne Rücksicht auf Verluste oder etwaige Bedenken werden Verkehrsrowdys denunziert, Lehrer von ihren Schülern bewertet und untreue Partner bloßgestellt. Doch woran liegt es, dass immer mehr entsprechende Webseiten online gehen?

Bei "Wegeheld.org" fängt die Sache auf den ersten Blick noch relativ harmlos an. Über die entsprechende Android-App lassen sich Falschparker auf der Webseite melden, auch mit Foto des Fahrzeugs - aber mit ausgegrautem Kennzeichen. Die Allgemeinheit wird hier also nur über den Vorfall informiert, aber nicht über den Halter des Fahrzeugs. Dafür lassen sich die entsprechenden Fälle direkt dem Ordnungsamt melden.

Hilfssheriffs mit ausgeprägtem Sinn für Gerechtigkeit im Straßenverkehr können aber auch auf "Fahrerbewertung.de" aktiv werden. Hier werden Verkehrsteilnehmer direkt per Nummernschild in den Kategorien "negativ", "neutral" und "positiv" bewertet. Doch da hört das an den Pranger stellen, neudeutsch auch "Public Shaming", noch lange nicht auf.

Auf Plattformen wie "Spickmich" können Schüler anonym ihre eigenen Lehrer bewerten. Dass dabei nicht immer unbedingt faire Ergebnisse zustande kommen, das mag so mancher als Kollateralschaden oder gar als Nebensache abtun, auch wenn wir uns schon längst im Zeitalter des alltäglichen Cyber-Mobbings befinden.

Noch schlimmer ist die Lage hingegen auf Webseiten, auf denen zum Beispiel hintergangene Frauen und Männer ihre ehemals besseren Hälften, oder deren neue Liebschaften, vor aller Welt mit vollem Namen und aktuellen Fotos bloßstellen - selbst mit Nacktbildern. Dafür gibt es im englischsprachigen Raum sogar bereits einen feststehenden Ausdruck: "Revenge Porn" - "Rache-Porno".

Warum gibt es also immer mehr solcher Webseiten? Das Phänomen geht wohl auf das menschliche Bedürfnis zur Befriedigung von Rachegelüsten zurück - auch wenn die Betreiber der Sites das in dieser Form wohl niemals zugeben würden. Es ist nun mal sehr viel leichter, das Wut-Ablassventil zu öffnen, wenn es anonym geschieht und man sich nicht mit direkten Konsequenzen beschäftigen muss. Ob das auch moralisch ist, das ist unterdessen natürlich eine komplett andere Frage.

Weniger bedenklich, aber dafür umso witziger ist der neue Trend "Dogshaming". Hunde posieren hier für Bilder, auf denen ihre Halter die Vierbeiner mit beschriebenen Kärtchen eines bestimmten Vorfalls bezichtigen. Hundedame Cassie schaffte es zum Beispiel ihr beiden Besitzer um drei Uhr morgens aufzuwecken, indem sie sich auf das Fußende deren Bettes übergab. Schnauzer Greta biss unterdessen einer "Superman"-Figur den Plastikkopf ab - und das weiß nun auch das Internet.

 

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