Fachkräftemangel Fehlende Erzieherinnen: Viele Kitas stehen halb leer

So voll wie in der Privat-Kita "Hänsel und Gretel" ist es in München bei Weitem nicht in jeder Kindertagesstätte. In vielen Einrichtungen fehlt es an Fachkräften, so manche Kita steht deshalb halb leer. Foto: Petra Schramek

Die Stadt hat ein riesiges Bauprogramm aufgelegt. Doch weil es an Personal mangelt, sind viele Kindertagesstätten mit Kindern nur halb voll.

Zwei große Sonnenschirme, ein riesiger Sandkasten, der Garten ist hügelig modelliert, das fördert die Koordinationsfähigkeiten – nur an Kindern, die auf den Hügeln herumspringen könnten, fehlt es in der Kinderkrippe an der Kasperlmühlstraße in Perlach derzeit noch. Und das liegt nicht etwa daran, dass es in der Umgebung keine Kinder gäbe.

 
Im April ist die Kinderkrippe fertig geworden. Theoretisch hätten dort jetzt 48 Kinder Platz. Doch nur zwei der potenziell vier Gruppen ist Personal vorhanden. Aktuell fehlen noch drei Erzieherinnen und zwei Pflegekräfte. „Die Stadt hat uns hier ein superschönes Haus hingestellt“, sagt Thomas Filser von der Glockenbachwerkstatt, die die Kinderkrippe betreibt, „aber wir finden einfach keine Leute“.
 
So wie der Kinderkrippe an der Kasperlmühlstraße geht es vielen anderen Einrichtungen auch. Bereits 2011 hat die Stadt ein umfangreiches Bauprogramm aufgelegt, um den seit August vergangenen Jahres geltenden Rechtsanspruch auf frühkindliche Betreuung erfüllen zu können. 57 Kita-Bauprojekte sind seitdem auf den Weg gebracht worden. 28 davon sind bereits fertig, die anderen sollen bis 2016 folgen. Umfang des Bauprogramms: rund 200 Millionen Euro.
 
Etwa 4000 Kinder könnten in den neuen Einrichtungen betreut werden – wenn denn genügend Erzieherinnen vorhanden wären. An denen mangelt es aber in München. OB Dieter Reiter hat die städtischen Erzieherinnen Anfang Juni deshalb zwei Gehaltsstufen höher eingruppieren lassen. Nach der Sommerpause will der Stadtrat auch für die bei freien Trägern angestellten Erzieherinnen eine Arbeitsmarktzulage von etwa 200 Euro monatlich beschließen.
 
Ob das den Beruf dann wieder attraktiver macht? „Zumindest ist das Ansehen eines Berufs oft mit der Entlohnung verbunden“, sagt Thomas Filser. Er hofft deshalb, dass es bald die dringend benötigten Fachkräfte nach München zieht. Für die dritte Gruppe in der Kinderkrippe an der Kasperlmühlstraße hat er inzwischen auch jemanden gefunden, die startet im September. Wann die Vierte folgt? Das weiß momentan noch niemand.
 
 

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