Expertin über DSV-Ausfälle Ertl-Renz: "Das ist einfach nur bitter und tragisch"

Die Zwei vom Krankenbett: Felix Neureuther (l.) und Stefan Luitz. Foto: facebook.com/FelixNeureutherFansite

Felix Neureuther und Stefan Luitz fallen beide verletzt für Olympia aus. Die AZ sprach mit Expertin Ertl-Renz über diesen deutschen Ski-Schock.

 

Martina Ertl-Renz (44) war Weltmeisterin 2001 in der Kombination und 2005 in der Mannschaft, bei Olympischen Spielen holte sie zwei Mal Silber (1994, Riesenslalom/1998, Kombination) und einmal Bronze (2002, Kombination). Bei az-muenchen.de ist sie seit dieser Saison als Kolumnistin tätig.

AZ: Frau Ertl-Renz, die deutschen Ski-Männer hat ja gleich die nächste Hiobsbotschaft ereilt, nach dem Olympia-Aus für Felix Neureuther hat es jetzt auch Stefan Luitz erwischt, beide fallen mit Kreuzbandrissen monatelang aus.
MARTINA ERTL-RENZ: Das ist einfach nur bitter und tragisch. Für die beiden. Für die Trainer. Für den Verband. Die deutschen Männer waren noch nie so gut wie jetzt und hätten nun endlich mal die Erfolge für all die harte Arbeit einstreichen können. Es ist ja schon tragisch, dass es den einen Star erwischt, dass es dann aber gleich den auch noch erwischt, der so bravourös für den Felix in die Bresche gesprungen ist, das ist kaum in Worte zu fassen.

Wie geht man als Sportler damit um? Gerade Neureuther scheint ja einen Olympiafluch zu haben. Bei den letzten Spielen in Sotschi hatte er auf dem Weg zu Flughafen einen Autounfall, nun der Kreuzbandriss.
Im ersten Moment tut das ganz extrem in der Seele weh. Ich habe auch mal im Gesamtweltcup geführt und mir dann das Innenband gerissen. Da war klar, dass ich sechs Woche weg bin, dass ich den Gesamtweltcup nicht mehr holen kann. Das ist für einen selber an Anfang sehr niederschmetternd. Bei mir ist dann immer das ganze Programm abgelaufen mit Tränen und allem. Aber als Sportler setzt man sich dann sehr bald neue Ziele. Jeder weiß, dass Verletzungen einfach passieren kann. Es kann jeden erwischen. Und die beiden sind so positive Kerle, die werden schon sehr bald den Blick nach vorn richten und sich mit vollem Elan in die Reha stürzen. Die Burschen machen das schon. Der Stefan kennt das leider schon, er hatte ja schon einmal einen Kreuzbandriss.

Trotzdem Felix hat das Olympia-Pech gepachtet.
Ein bisschen wirkt es so. Aber manchmal muss man einfach akzeptieren, dass es nicht ein soll. Ich bin mir sicher, dass ihm seine kleine Tochter und seiner Freundin...

Die Ex-Biathletin Miriam Gössner.
Genau. Die werden ihm über den Schmerz helfen. Wenn man das Wunder eines Kindes erlebt, sieht man schnell, dass andere Dinge im Leben auch wichtig sind. Ich habe nie Gold bei Olympia geholt, aber ich kann ihm versichern, damit lebt es sich nicht schlechter. Aber am Anfang tut das alles nur weh, das verstehe ich sehr, sehr gut.

"Die Viktoria packt das"

Fast hätte es ja auch noch Viktoria Rebensburg erwischt, Ihr Sturz sah fürchterlich aus.
Das sah wirklich bös aus. Und ich bin vor allem glücklich, dass ihr nichts passiert ist. Da wird sie auch selber froh sein.

Kann man so einen schweren Sturz – gerade auch angesichts der zwei Todesfälle in den letzten Wochen auf den Speedstrecken – so einfach wegstecken?
Pauschal kann man das nicht sagen. Aber für Olympia mache ich mir keine Sorgen bei ihr, das ist noch lange hin. Bis dahin wird sie viele Pistenkilometer zurücklegen und ihre Sicherheit wiederfinden. Das wäre was anderes, wenn Olympia morgen wäre und sie Schmerzen hat oder es noch im Kopf drin ist. Die Viktoria packt das.

Die Deutschen sind so stark, dass im Moment sogar die Österreicher neidisch herüberschauen dürften.
(lacht) Ich kann mir gut vorstellen, das es sie schon ein wenig schmerzt, dass die Deutschen jetzt auch in der Abfahrt die Nase vorne haben. Und man sieht auch, dass die Ergebnisse von Josef Ferstl und Thomas Dreßen kein Zufall sind, sondern die fahren technisch einfach ausgezeichnet. Das macht richtig Spaß, denen zuzuschauen.

Sie fiebern anscheinend noch immer so richtig mit!
Stimmt. Wir haben es uns auch als Familie vor dem Fernseher gemütlich gemacht, als der Stefan Luitz gefahren ist. Als er nach vier Toren abgeschwungen ist, haben wir das Schlimmste befürchtet. Die Kinder haben mitgelitten, sie haben ihn und den Felix schon mal kennengelernt, standen damals mit großen Augen vor ihnen. Wir haben ihnen am Abend gesagt, dass wirklich das Kreuzband gerissen ist, da waren sie sehr traurig. Da ein Neffe, der erst 14 ist, jetzt seinen zweiten Kreuzbandriss durchleidet, wissen sie sehr genau, was das bedeutet. Dass die beiden jetzt auf Krücken laufen müssen, dass sie vieles nicht machen können. Ja, wir leiden alle mit.

Lesen Sie hier: Martina Ertl-Renz analysiert für die AZ den alpinen Skisport

 

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