Experten-Tipps zum Online-Shopping Wirre Preisschwankungen: So sparen Sie bares Geld

Der Zeitpunkt des Einkaufs ist entscheidend. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Kirsti Dautzenberg (r) ist Teamleiterin der Marktwächter Digitale Welt bei der Verbraucherzentrale Brandenburg und gibt in der AZ hilfreiche Tipps. Foto: Bodo Marks/dpa, Karla Fritze

Laut einer Studie der Verbraucherzentrale schwanken Preise im Online-Handel teils sehr stark. Wie Kunden den Überblick behalten.

München - Wer schon einmal etwas im Internet bestellt hat, weiß: Preis ist nicht gleich Preis. Und ärgerlich ist es auch, wenn man drei Tage später das gleiche Produkt um einige Euro günstiger findet. Doch das ist keine Seltenheit, wie das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Brandenburg in einer Studie herausgefunden hat. Über einen längeren Zeitraum haben die Verbraucherschützer die Preisentwicklung von Produkten bei verschiedenen Online-Händlern untersucht (siehe Kasten). Teamleiterin Kirsti Dautzenberg spricht im AZ-Interview über die Ergebnisse. Die Wirtschaftswissenschaftlerin ist Teamleiterin der Marktwächter Digitale Welt bei der Verbraucherzentrale Brandenburg.

AZ: Frau Dautzenberg, Ihr Team hat die Preise bei 16 Online-Händlern beobachtet. Wie groß waren die Unterschiede?
KIRSTI DAUTZENBERG: Wir haben bei etwa einem Drittel der Artikel Preisschwankungen festgestellt. Bei einem Großteil davon änderten sich die Preise ein- bis dreimal, bei 167 Artikeln mehr als viermal und bei sechzehn mehr als 15 Mal. Wir haben aber auch die Höhe der Schwankungen ausgewertet.

Haben Sie ein Extrembeispiel?
Das Samsung-Handy S8: Das schwankte zwischen 580 Euro und 800 Euro. Das bedeutet 220 mehr oder weniger, die der Kunde bezahlt. Wir hatten auch ein USB-Kabel, das im günstigsten Fall für 1,50 Euro zu erhalten war und im ungünstigsten Fall für 6,79 Euro. Bei welchen Produkten waren die Unterschiede am größten? Bei Elektronik haben wir relativ hohe und viele Preisschwankungen gefunden, aber auch bei Apotheken, Autoteilen, bei Baumärkten und Mode.

Welche Faktoren spielen dabei eine Rolle?
Ein Muster für alle Shops ist überhaupt nicht zu erkennen. Unser Eindruck ist eher, dass da viel experimentiert wird. Wir haben aber bei Apotheken "Angebotstage" erkannt. An denen wird ein Teil der Artikelpreise heruntergesetzt, aber ein anderer Teil – meistens der größere Anteil – wird teurer. Bei Autoteilen etwa gab es eher "Angebotswochen". Da waren dann zum Beispiel am Nachmittag die Preise günstiger als am Vormittag.

Wie begründen die Online-Händler die teils extremen Schwankungen?
Ein Handelsverband hat zwei Hauptgründe benannt: Zum einen, dass der Einzelhandel aufgrund der sich schnell ändernden Einkaufspreise im Großhandel auch mit angepassten Preisen reagieren muss. Zum anderen, dass sie A- und B-Ware auf den Markt bringen und deshalb die Preise schwanken.

Wie plausibel ist das?
Ich glaube eher, dass Angebot und Nachfrage dahinter stecken und letztendlich natürlich Umsatzmaximierung.

Zalando, Preisschwankungen, Grafik
Ein Beispiel aus der Studie vom Online-Händler Zalando: Für ein Outfit zahlt man hier unterschiedliche Preise. Die Summe aller Produkte variiert von 274,70 Euro bis 312, 20 Euro. (Auf das Bild klicken für größere Darstellung)

Online-Shopping: Am besten ist es, Preisschwankungen abzuwarten

Wie habe ich als Kunde die Chance auf einen guten Preis?
Das Beste ist natürlich, über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Gerade bei teuren Anschaffungen würde ich empfehlen, einen Preisvergleich zu machen – und zwar nicht nur in einem Moment, sondern über ein oder zwei Wochen.

Also einfach abwarten.
Oder eben bei Spontankäufen – manchmal sieht man ja das eine Kleid und will es sofort – in Kauf nehmen, dass es nicht der günstigste Preis ist. Händler arbeiten auch mit Sätzen wie: "Ist nur noch drei Stunden verfügbar", und "Jetzt ist der Preis besonders günstig". Das sind Psycho-Tricks, die suggerieren, dass man schnell zuschlagen muss.

Und auf diese Psycho-Tricks sollte man nicht hereinfallen?
Genau.

Sie sprachen bereits von Online-Apotheken, die einige Artikel günstiger, andere teurer machen. Sollte man dann nur das günstige kaufen?
Das ist eine gute Strategie. Ich vermute auch Zusammenhänge bei sogenannten Koppelprodukten. Die Händler wissen etwa: Wenn jemand Kopfschmerztabletten kauft, kauft er gerne noch Magnesium-Brausetabletten. Also machen sie die Kopfschmerztabletten günstiger, die Brausetabletten teurer. Da sollte man lieber beim günstigen Produkt bleiben und beim anderen warten.

Wenn ich ein Produkt online kaufe und es später günstiger sehe – kann ich reklamieren?
Grundsätzlich gilt für den Online-Handel eine 14-tägige Widerrufsfrist. Ich möchte aber ungern dazu aufrufen, das zu missbrauchen und andauernd Dinge hin- und herzuschicken. Der elegantere Weg ist, den Händler innerhalb der Widerrufsfrist anzuschreiben und freundlich zu fragen, ob er die Differenz erstattet. Ich denke, dass er einem entgegenkommt – und wenn nicht, meidet man ihn beim nächsten Mal.

Nicht Teil der Studie waren Preisschwankungen, die auf Kundendaten basieren, die der Händler hat. Kann es sein, dass ich zum Beispiel mehr zahle, weil ich eine Frau bin?
Das haben wir nicht getestet, wollen aber in Zukunft untersuchen, ob solche individuellen Preisschwankungen auffindbar sind. Ich persönlich denke, wir werden sie finden, aber nicht flächendeckend. Wir sind dran und versuchen, da Licht ins Dunkel zu bringen.

 

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