Experten schlagen Alarm Akute Tollwut-Gefahr durch Schmuggel-Welpen!

Cocker Spaniel Chappi sitzt seit Mitte Juni allein in einer der Quarantäne-Boxen des Tierheims. Der Rüde stammt aus Georgien – und war nicht geimpft. Foto: Tierschutzverein, nk

Münchner Experten schlagen Alarm: „Wer einen solchen Hund kauft, bringt sich und seine Kinder in Lebensgefahr!“

München - Sie werden zum „Supertiefpreis“ im Internet angeboten, von Bettlern in der Innenstadt an Passanten verhökert, im Kofferraum Hunderte Kilometer weit gefahren und dann auf abgelegenen Parkplätzen verramscht: Schmuggel-Welpen aus Süd- und Osteuropa.

„Wer einen solchen Welpen kauft, nimmt nicht nur das größtmögliche Tierleid in Kauf“, warnt nun Tierheim-Leiterin Sandra Giltner, „er bringt außerdem sich und seine Kinder in Lebensgefahr.“ Denn in den meisten Herkunftsländern der Hündchen grassiert die Tollwut – und die illegal eingeführten Hunde-Babys sind in der Regel nicht geimpft.

Eine  zu annähernd 100 Prozent tödliche Krankheit

„Tollwut ist eine für Mensch und Tier zu annähernd 100 Prozent tödliche Krankheit, die ein langwieriges, schmerzhaftes Sterben mit sich bringt“, sagt Giltner. Eine Krankheit, der nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO rund um den Erdball jedes Jahr 55.000 Menschen erliegen.

Die Bundesrepublik gilt seit 2008 als Tollwut-frei. Doch in Griechenland, der Türkei, in Serbien, Rumänien, Bosnien, der Ukraine, Russland oder Tschechien – also in den Ländern, aus denen die meisten Billig-Tiere stammen – wütet die Seuche noch.

Händler entreißen Welpen der Mutter

Die meisten Ramsch-Welpen, die hierzulande zum Kauf angeboten werden, sind nicht immunisiert. Einerseits, weil es in den Herkunftsstaaten oft nicht üblich ist, Hunde gegen Tollwut zu impfen.

Andererseits, weil die Händler die Welpen schon mit wenigen Wochen von ihren Müttern trennen – besonders junge Hunde-Babys sind eben besonders niedlich. In Deutschland schreibt die Tierschutz-Hundeverordnung vor, dass Welpen der Mutter frühestens mit acht Wochen weggenommen werden dürfen: Weil die Muttermilch ihr Immunsystem stärkt und sie vom Elterntier soziales Verhalten lernen.

Schmuggler fälschen Impfpässe

Im Hinblick auf die Tollwut ergibt sich bei dieser herzlosen Praxis ein weiteres Problem: Eine Impfung ist erst im Alter von drei Monaten möglich, vorher verkraftet sie der Organismus des Jungtiers nicht. Rein rechtlich dürfen die Welpen drei Wochen nach der Impfung nach Deutschland eingeführt werden – bei einem positiven Antikörper-Test.
Um Behörden und Käufer zu täuschen, fälschen viele Schmuggler die Papiere der Tiere, manchmal ziemlich stümperhaft. „Wir hatten schon Impfpässe, da lag der Impftermin vor dem Geburtsdatum“, sagt Sandra Giltner.

Vielen angeblichen Tierfreunden scheint all das leider völlig egal zu sein. Was zählt, ist Sparen: Ein Rassehund kostet – je nach aktuellem Modetrend – bei einem deutschen Züchter, der sich an Recht und Gesetz hält, bis zu 1800 Euro. Im Netz oder auf dem Parkplatz gibt’s das Wutzerl für 300 Euro.

Polizei beschlagnahmt immer mehr Hunde und Katzen

Weil die Nachfrage das Angebot bestimmt, steigt die Zahl der Schmuggel-Welpen. Die Folge: Es werden immer mehr Hunde von der Polizei oder am Flughafen beschlagnahmt, die anschließend für bis zu sechs Monate auf der Quarantänestation des Tierheimes landen: 140 Hunde wurden dort 2014 versorgt. Heuer waren es bereits 90, dazu 40 geschmuggelte Katzen. Die zwölf Boxen im Isolations-Trakt sind derzeit belegt. „Wenn heute eine große Menge an Quarantäne-Tieren kommt, müssen wir einen anderen Bereich des Tierheims räumen und absperren“, sagt die Chefin.

Panik bei den  Amtstierärzten

Bei den Amtstierärzten in München mache sich deshalb eine gewisse Panik breit, erzählt der Vorsitzende des Tierschutzvereins, Kurt Perlinger. Denn die Quarantäne-Station des Riemer Tierasyls ist weit und breit die einzige: ein Trakt aus den 50er Jahren, mit bröckelnden Wänden, und Betonböden, der kaum steril zu halten ist.

„Die Amtsveterinäre drängen uns seit geraumer Zeit, eine weitere Quarantäne-Station zu bauen“, sagt Kurt Perlinger, „eine Art Hochsicherheitstrakt mit Schleusen, zu dem nur eine begrenzte Anzahl an Menschen Zutritt hat.“

Standort für  Hochsicherheitstrakt gesucht

Einen möglichen Standort dafür haben die Verantwortlichen schon ausgemacht: Am westlichen Ende des Tierheim-Geländes hätte ein Gebäude mit etwa 30 Quarantäne-Boxen Platz. Ein Architektur-Büro ist mit dem Masterplan beauftragt. Mitte 2016 könnte der Bau beginnen – wenn die Finanzierung geklärt ist.

„Dem Tierschutzverein entstehen dadurch mindestens zwei bis drei Millionen Euro an zusätzlichen Kosten, die wir allein nicht stemmen können“, sagt Perlinger in Richtung von Stadt und Freistaat. Schließlich nehme München auch Quarantäne-Tiere aus Rosenheim und anderen Landkreisen auf.

Die Lage sei ernst, sagt Sandra Giltner zum Abschluss. Bis jetzt habe es in München zwar noch keinen Tollwut-Fall gegeben. „Doch die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann wir einen bekommen.“

 

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