Experte im AZ-Interview Neue Banken-Richtlinie "PSD2": Das müssen Sie beachten

Die AZ hat mit Jürgen Gros gesprochen. Der 48-Jährige ist Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB). Foto: Patrick Pleul/dpa/ho/AZ

Bankkunden bekommen dieser Tage Post von ihrem Institut – es geht um eine neue Richtlinie. Ein Experte erklärt, warum die neuen Vorgaben erhebliche Auswirkungen auf die Privatsphäre haben können.

 

München - Am 13. Januar tritt wieder einmal ein neues europäisches Bankenrecht in Kraft. Diesmal hört es auf die sperrige Bezeichnung "PSD2" (Payment Service Directive 2) und bezeichnet eine Neufassung der europäischen Zahlungsdiensterichtlinie. Banken waren deshalb dazu verpflichtet, ihren Kunden vor dem Jahreswechsel einen Stapel Informationsblätter zu schicken. Vielen Deutschen ist die neue Richtlinie trotzdem noch kein Begriff. Das sollte sie aber.

AZ: Herr Gros, wozu ist die PSD2-Richtlinie gut? Brauchen wir so was?
Jürgen Gros: Vereinfacht gesagt erlaubt es die Richtlinie Dritten, auf die Kontodaten von Bankkunden zuzugreifen.

Das hat es vereinzelt schon in der Vergangenheit gegeben.
Allerdings ohne rechtliche Basis. Die schafft jetzt die PSD2. Auf diese Weise können Finanzdienstleister beispielsweise den Anwendern einer Smartphone-App einen zusammenfassenden Überblick über deren Ausgaben oder deren Konten bei verschiedenen Banken bieten. Die Nutzer können dann sofort sehen, für was sie ihr Geld ausgegeben haben und wie sich ihr Geldbestand unter dem Strich entwickelt.

Das hört sich praktisch an.
Andererseits eröffnet es eben diesen Dienstleistern tiefe Einblicke in die persönlichen Finanzdaten. Darüber muss sich in Zukunft jeder Bankkunde im Klaren sein. Bevor sie die Tür zum eigenen Konto vorschnell öffnen, sollten sie sorgfältig zwischen Bequemlichkeit und Privatsphäre abwägen.

Können die Drittanbieter einfach so auf das Konto zugreifen?
Nein. Der Kontoinhaber muss dem Zugriff von Fremdanbietern zustimmen. Dazu reichen in der Regel aber wenige Klicks.

"Neue Dienstleister wollen mit Nutzerdaten Reibach machen“

Sehen Sie darin eine Gefahr für Bankkunden?
Ich sehe die Gefahr, dass Bankkunden die Hoheit über die eigenen Kontodaten leichtfertig und unüberlegt aus der Hand geben. Insbesondere in der Anfangsphase, wenn die neuen Regeln in Kraft treten. Deshalb rate ich dazu, wohlüberlegt zu handeln. Es ist absehbar, dass Scharen an neuen und altbekannten Dienstleistern bei den Bankkunden anklopfen werden, weil sie großen Reibach mit den Nutzerdaten wittern.

Welche Anbieter sind das?
Das können die bekannten großen Digitalkonzerne sein, aber auch die unzähligen Fintechs (technologisch weiterentwickelte Finanzinnovationen, Anm. d. Red.). Wer ihnen Zugang zu sensiblen persönlichen Informationen gewährt, muss damit rechnen, dass Marketingspezialisten im Hintergrund aus dem gewonnenen Datenmaterial Käuferprofile schnitzen. Denn die Unternehmen können eine Menge über den Kontoinhaber ableiten: Etwa, wie viel er verdient, wo er einkauft, wie er versichert ist oder welche Zeitung er liest.

Was raten Sie den Kunden für den Umgang mit Kontodaten?
Es lohnt sich, auf vertraute Angebote zu setzen. Dazu gehören traditionell die Dienstleistungen der Hausbanken. Viele Institute bieten bereits multibankfähige Anwendungen für das Smartphone oder eigene Onlinebezahldienste an – also das, was Dritte jetzt im Rahmen der PSD2 versprechen. Der Vorteil: Wer diese etablierten Dienste nutzt, belässt seine Daten, wo sie bislang waren, nämlich bei der Hausbank.

Dass Sie das sagen müssen, ist klar, aber was können die Hausbanken besser?
Bei den Banken gelten gewachsene, ständig überprüfte Sicherheits- und Datenschutzstandards. In kaum einer anderen Branche gibt es derart mannigfaltige regulatorische Anforderungen an die IT-Sicherheit. Das schätzen Bankkunden. Das bewährte Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Kreditinstitut endet nicht an der Filialtüre – die Institute schützen Daten auch online.

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