Exotinnen Frauen in Männerberufen

Welche Farbe ist die richtige? Maler-Azubi Shari Müller (rechts) berät sich mit ihrem Chef Tim Borrenkott. Foto: dpa

Maler, Lackierer oder Kfz-Mechaniker: In solchen Berufen sind Frauen die Ausnahme.

Mit dem Farbeimer auf das Gerüst steigen, Wände tapezieren und Fensterrahmen beschichten: Auf Baustellen fühlt Shari Müller sich wohl. Die 19-Jährige ist im zweiten Ausbildungsjahr als Malerin und Lackiererin und lernt in einem Fachbetrieb. Dass sie in ihrer Arbeitswelt oft die einzige Frau unter Männern ist, stört sie nicht. Eine bevorzugte Behandlung bekommt sie deshalb aber nicht. „Ich mache ohne Ausnahmen die gleiche Arbeit wie die anderen“, sagt Müller.

Unter bundesweit 19 001 Auszubildenden zum Maler und Lackierer waren 2012 nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) lediglich 2647 Frauen. Noch geringer ist die Quote bei den Kfz-Mechatronikern: Von den 57 973 Lehrlingen in diesem Beruf 2012 waren lediglich 1598 weiblich. Viele Handwerksberufe sind immer noch eine klassische Männerdomäne. Das liegt aber nicht daran, dass Frauen nicht willkommen wären. „Längst hat auf Arbeitgeberseite ein Umdenken eingesetzt. Frauen haben bei Bewerbungen gute Karten“, sagt Hans Voss. Er leitet bei der Maler- und Lackiererinnung das Berufsbildungs- und Technologiezentrum (btz).

Ein Grund sind nicht zuletzt die guten Erfahrungen, die Handwerksmeister mit Frauen als Azubis und Gesellinnen machen. „Sie überzeugen oft durch herausragende Leistungen“, erklärt Voss. Hinzu kommt noch ein weiterer Aspekt: „In Zeiten des drohenden Fachkräftemangels kann es sich das Handwerk nicht leisten, weibliche Bewerber außen vor zu lassen“, betont Wilhelm Hülsdonk, Bundesinnungsmeister des Kfz-Handwerks. Dass Frauen im Arbeitsalltag einer Werkstatt dennoch auf Gegenwind stoßen können, weiß er. „Es gibt immer wieder die Situation, dass ein Kunde ein Problem nicht einem weiblichen Kfz-Mechatroniker erzählen will, sondern stattdessen fragt: „Ist der Meister nicht da?“

Im Betrieb ist Shari Müller von sieben Beschäftigten die einzige Frau. Doch das Miteinander funktioniert gut. Ganz gefeit vor dummen Sprüchen ist sie in ihrem Arbeitsalltag allerdings nicht. Auf Großbaustellen, wo auch Beschäftigte von anderen Fachbetrieben tätig sind, herrscht ein ziemlich rauer Ton. In solchen Fällen kann auch schon mal ein derbes Wort in ihre Richtung fallen. Hier ist Schlagfertigkeit gefragt. Generell verbessere eine Frau im Team oft den Umgangston, hat Voss beobachtet. „Männer treten häufig verbindlicher und höflicher auf, wenn Frauen dabei sind“, sagt Voss. Er ermuntert junge Frauen ausdrücklich, einen Handwerksberuf zu ergreifen. Fehl am Platz könne es jedoch sein, den eigenen Minderheitenstatus permanent Kollegen unter die Nase zu halten.

Neben dem Maler- sowie dem Kfz-Handwerk gibt es auch andere Berufe, in denen Männer derzeit in deutlicher Überzahl sind. „Generell sind im Bausektor wenig Frauen vertreten“, erklärt Michael Assenmacher vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Wer sich als Frau für einen Bauberuf interessiert und Karriere machen will, sollte Durchhaltewillen zeigen und sich nicht abschrecken lassen, wenn das erste Bewerbungsschreiben nicht gleich zum Ausbildungsplatz führt. Shari Müller hat für junge Frauen, die in einem als Männerdomäne geltenden Beruf eine Ausbildung absolvieren möchten, noch einen Ratschlag: „In jedem Fall vor Ausbildungsbeginn ein Praktikum absolvieren, um zu gucken, ob einem die Tätigkeit auch wirklich liegt.“

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