Exklusives AZ-Interview Tim Lobinger: "Ich habe eine unbändige Lebensfreude in mir!"

Exklusiv-Interview mit Tim Lobinger. 2017 ist der frühere Stabhochspringer an Leukämie erkrankt. Foto: dpa/imago/ho/AZ

Der frühere Stabhochspringer Tim Lobinger spricht exklusiv in der AZ über das Leben mit der Leukämie, seine Ängste, was ihm die Kraft gibt – und er formuliert seine persönliche Weihnachtsbotschaft.

München - AZ-Interview mit Tim Lobinger. Der ehemals beste deutsche Stabhochspringer, Hallenweltmeister 2003 erkrankte 2017 an Leukämie. 2018 brach bei dem jetzt 46-Jährigen der Krebs wieder aus, der aber mittlerweile unter Kontrolle ist.

AZ: Herr Lobinger, nach Ihrer Leukämie-Erkrankung 2017, nach Ihrem Rückfall Anfang dieses Jahres: Was bedeutet Ihnen Weihnachten?
TIM LOBINGER: Da habe ich viel drüber nachgedacht. Letztes Jahr war es ganz besonders, weil ich lange nicht wusste: Klappt es noch mit Weihnachten? Erlebe ich das noch? Letztlich war es dann ganz entspannt. Wir haben gesagt: Lass uns tun, worauf wir Bock haben. Also haben wir ganz gechillt einen Baum geholt, uns ein Cordon bleu gemacht, dazu gab’s Pommes frites vom Burger King. Wir haben einfach viel geredet und Zeit miteinander verbracht. Hat gutgetan.

Mit "wir" meinen Sie auch Ihre zweite Ehefrau Alina, von der Sie sich zwischenzeitlich getrennt hatten, und Ihren jetzt zweijährigen Sohn Okkert?
Ja, dazu auch meine schon erwachsenen Kinder aus erster Ehe, die Fee und der Tyger. Ich verspürte so eine Grunddankbarkeit, das gemeinsam noch erleben zu dürfen, aber auch eine Grundlockerheit. Nicht bestimmt von dem Gefühl: Hoffentlich schaffe ich das nächste Jahr noch. Einfach nur zusammen sein und sich denken: Wie cool ist das denn. Und auch Silvester war dann schön, verbunden mit ganz vielen Wünschen.

Die sich ja zumindest gesundheitlich erst einmal nicht erfüllten, im Januar kam der schwere Rückschlag, die erneute Krebserkrankung, die Rede war von geringen Überlebenschancen. Wie geht es Ihnen denn inzwischen?
Die Ärzte sind sehr zufrieden. Ich brauche keine lebenserhaltenden Maßnahmen. Ich habe nur noch eine sogenannte Erhaltungstherapie, das ist eine Tablette, die ist recht feurig und nicht lustig, aber ich vertrage sie ganz gut. Heißt, ich muss keine anderen Medikamente nehmen, um die Leukozyten wieder aufzupimpen. Ab und an noch eine Spritze in den Bauch, damit die Leukos wieder kommen.

"Eine ganz harte Chemo. Kahlschlag"

Die Tablette müssen Sie täglich nehmen?
Ja. Da ist ein Wirkstoff aus der Contergan-Forschung drin. Fünf Milligramm. Damit werden die Zellen, die von der Norm abweichen, plattgemacht. Wie mit einem Maschinengewehr. Inzwischen bin ich auch zu 100 Prozent Spender, die ganzen bösen Lobinger-Zellen sind also weg. Das Prinzip ist so wie bei Postbote und Schäferhund. Der Hund muss immer wachsam sein und eher zu viel bellen als dem Briefträger die Hand abzuschlecken. Und die Tabletten und die Spritzen sorgen dafür, dass der Schäferhund immer bissig und wachsam ist und er zubeißt, sobald Zellen irgendwie mutieren und aus der Reihe tanzen. Bei meiner Form der Leukämie ist das derzeit die wirksamste Methode, die Krankheit zu kontrollieren. Aber ich bin überzeugt, in einem Jahr sind die Mediziner schon wieder viel weiter. Blutkrebs ist für die Forschung das Nonplusultra. Da können sie sich wundtesten und von dort aus auf andere Krebserkrankungen übergehen.

Fühlen Sie sich da nicht manchmal wie ein Versuchskaninchen?
Lustigerweise nicht, weil es von den Ärzten ganz offen kommuniziert wird, dass vieles einfach ein Experiment ist. Die Chemo etwa, die ich 2017 gemacht habe, die würde es heute in der Form nicht mehr geben, abgesehen davon, dass sie wirklich heftig war.

Inwiefern?
Ich bekam fünf Chemobeutel, 96 Stunden am Stück. Normalerweise hast du zwei Stunden lang einen Beutel, vielleicht auch etwas länger. Aber fünf parallel, das ist schon sportlich. Der Wald wird also richtig gebrandrodet. Eine ganz harte Chemo. Kahlschlag.

Im Sommer dieses Jahres mussten Sie dann auch noch mit einer akuten Leberentzündung in die Klinik, das hatte mit der Chemo damals aber nichts zu tun, oder?
Nein. Nach dem Wiederauftreten von Krebszellen im Januar bekam ich eine Stammzellentherapie von vier anonymen Spendern, dazu eine im Labor hergestellte Chemiekeule mit Spritzen in den Bauch. Der erste Versuch hatte nicht den gewünschten Erfolg, deswegen kam gleich der zweite hinterher, wieder nichts, danach gleich der nächste. Das ging Schlag auf Schlag. Bam, bam, bam. Normalerweise sollte man sechs Wochen Pause machen dazwischen, aber so ist halt Medizin. Körperlich ging es mir dadurch auch super. Bis ich Magenweh bekam und erst dachte, was Falsches gegessen zu haben. Und dann ging es ganz schnell. Durchfall, Fieber, dann bin ich in die Klinik. Da haben sie mich dann komplett auseinandergenommen.

Wie lange waren Sie dann im Krankenhaus?
Zwölf Tage haben sie mich dort behalten. Haben auch eine Leberpunktion gemacht, also einen Haken in die Leber geschossen und ein Stück rausgezogen. Ein Erlebnis, das nicht so cool war. Da muss man auch schwer aufpassen, dass man die Lunge nicht erwischt. Jedenfalls waren die Leberwerte katastrophal, dazu kam massiver Gewichtsverlust, ich war runter auf 70 Kilo. Die große Sorge war ja, hätte ich die Leber mit ihrer Filterfunktion verloren, hätte ich auch keine Krebsmedikamente mehr nehmen können. Die Ärzte hatten da massiv Panik. Aber dann ging es aufwärts.

Das heißt, Sie sind seit diesem Sommer auf dem Weg der Besserung?
Ja. Das war der Wendepunkt. Seit ich die Sache mit der Leber hinter mir habe, geht es nach oben. Ich fange wieder an, aktiv meine Zukunft zu gestalten. Als Personal Trainer betreue ich viele Spitzensportler, Fußballprofis, Skirennläufer, Hockeyspieler. Aber will ich wirklich die nächsten 20 Jahre nur selbstständig sein oder auch wieder irgendwo fest arbeiten? All das geht mir so durch den Kopf.

Sie sprechen jetzt schon von den nächsten 20 Jahren. Das klingt schon wesentlich aussichtsreicher als im April, als Sie bei Markus Lanz sagten, Sie seien schon froh, ein bis zwei weitere Jahre gewonnen zu haben. In manchen Medien stand sogar zu lesen, Sie hätten überhaupt nur noch maximal zwei Jahre zu leben.
Die Ärzte haben nie wirklich gesagt, wie konkret die Lebenserwartung ist. Sie hatten damals gesagt, ich hätte eine Überlebenschance von vielleicht 30 Prozent, wenn ich die Therapien verkrafte. Nach dem Rückfall gab es solche Ansagen nicht mehr. Sie meinten nur, wir müssten experimentieren und abwarten, was passiert. Ich habe mich auch selbst nie limitiert und gedacht, es geht nur noch bis dahin. Da hatte ich eine Grundgelassenheit. Viele werden da panisch. So eine Phase hatte ich nie.

"Das war der Moment, wo ich mit am meisten geweint habe"

Hatten Sie nie den Wunsch, noch möglichst viel reinzupacken in Ihre verbleibende Zeit, Orte zu besuchen, die Ihnen etwas bedeutet haben, oder eine allerletzte Reise an Ihr Traumziel zu unternehmen?
Nein. Ich hatte ja nie das Gefühl, dass es jetzt eng wird. Dass ich unbedingt noch dies und das erleben muss, dass es Dinge abzuhaken gibt, bevor ich abtrete. 2017 war es so, dass es hieß, bis zu meinem Geburtstag Anfang September wird therapiert und danach hätte ich eine gute Chance, Weihnachten zu feiern und sogar ein paar Jahre zu leben. Und dass ich, wenn nichts Dramatisches passiert, erst einmal durchatmen könnte.

Eines Ihrer Ziele damals war, zumindest noch die Einschulung Ihres kleinen Okkert miterleben zu dürfen.
Das ist auch weiter so, das ist der erste große Wunsch. Ich mach schon Witze, dass es ja eh schon feststeht, dass ich ihm zu seinem 18. Geburtstag ein gebrauchtes Auto schenke. Klar ist, das nächste Ziel für mich ist weiterhin, bei seiner Einschulung noch dabei zu sein. Ich sehe das Schritt für Schritt, ich nehme das alles in Etappen.

Sehr erleichtert haben dürfte Sie die Bescheinigung der Ärzte, dass die Krankheit nicht genetisch vererbbar ist.
Das war der Moment, wo ich mit am meisten geweint habe, und zwar vor Erleichterung.

Als Spitzensportler haben Sie ja immer von Ihrem Körper gelebt, der Körper war Ihr Kapital. Als Sie merkten, dass der Körper plötzlich der größte Feind ist: War das ein Vertrauensverlust? Haben Sie Ihren Körper gehasst?
Nein, gehasst habe ich ihn nicht. Ich habe ihm nur gesagt: Okay, jetzt hast du mich in dieses Schlamassel geführt, jetzt hilf mir aber verdammt noch mal da wieder raus. Nach dem Motto: Ich bin nicht sauer, aber jetzt hast du mal ordentlich Gas zu geben. Teilweise habe ich diese Therapien und die Chemiekeulen auch wie einen Wettkampf gesehen. Ich hab mir immer gedacht, dass ich diese Herausforderung schon irgendwie packe und nicht ins Bodenlose falle, sondern dass es immer eine Landung gibt, egal, wie hart sie sein mag. Und es gab Landungen und Aufschläge, die schon richtig heftig waren.

Anders als früher im Stabhochsprung, als Sie auf einer weichen Matte aufkamen. Und in diesem Wettkampf, den Sie jetzt führen, geht es nicht darum, ob die Latte auf 5,87 oder 5,92 Meter liegt, sondern um entscheidendere Dinge. Haben Sie sich mal gefragt, woher Sie die Kraft dafür nehmen?
Sehr geholfen hat mir das Bewusstsein, dass die Krankheit nicht selbst verschuldet ist. Dass es zum Beispiel nicht an meinem Kleber lag, den ich über die Maßen benutzt hatte, um einen festen Griff am Stab zu haben. Oder falls ich gedopt hätte und dann eine Substanz zu Folgeschäden und zu dieser Erkrankung geführt hätte, das wäre fürchterlich gewesen. War aber so nicht. Außerdem habe ich eine unbändige Lebensfreude. Das war schon zu Zeiten als Sportler so. Mir war es auch immer egal, wenn andere genörgelt haben: Ha, hat der Lobinger bei Olympia schon wieder keine Medaille geholt. Na und! Nur wegen einer Olympiamedaille geht es mir in meinem Leben doch auch nicht besser. Diese gefühlte Unantastbarkeit, diese Selbstbestimmung, darüber zu entscheiden, ob ich noch zwei Jahre Stabhochsprung mache oder fünf oder morgen aufhöre, das habe ich brutal geliebt. Wichtig war und ist mir, aus jedem Tag etwas zu machen, und wenn er noch so beschissen sein mag.

"Ich habe eine Grundentspannung ohne großes Anspruchsdenken"

Bei vielen Menschen scheint es eher einen entgegengesetzten Trend zu geben: Rede den Tag schlecht und klage viel, auch wenn er eigentlich noch so schön sein mag. Hauptsache, es wird gejammert.
Da bin ich nicht der Typ dazu, ich mag nicht dauernd Frust schieben. Wenn mir drei Kunden fürs Training absagen, ich dazu erkältet bin und abends nicht zu einer Party gehen kann, auf die ich gerne wollte, klingt das nach einem Kack-Tag. Aber dann bestelle ich mir eine Salami-Pizza mit Knoblauch, die Weltklasse ist, und schon ist alles wieder gut. Das nur als Beispiel, dass es manchmal Kleinigkeiten sein können, die einem viel zurückgeben. Ich brauche auch kein größeres Auto oder schnelleres Handy, ich habe da eine ganz genügsame Grundentspannung ohne großes Anspruchsdenken.

Sie haben lange vor Ihrer Erkrankung einmal gesagt, kein gläubiger Mensch zu sein. Haben Sie denn durch die letzten zwei Jahre zum Glauben gefunden?
Nein. Ich bin so wenig gläubig wie zuvor. Mit der Bibel konnte ich schon früher wenig anfangen, ich habe das schon als Jugendlicher hinterfragt. Was da geschrieben stand, dass etwa, schwupps, ein Mensch aus einer Rippe stammt, mir war das alles zu seltsam. Ich bin mir sicher, dass uns etwas umgibt, eine Dimension, die wir nicht erklären können. Warum etwa ein Mensch nach seinem Tod 21 Gramm leichter ist, das ist so ein ungeklärtes Phänomen. Aber daran zu glauben, dass ich nach meinem Tod ins nächste Leben spaziere und dann Rapper werde oder eine Ameise oder ein Kaninchen, damit braucht man mir nicht kommen.

"Mir war klar, wenn ich die Kapelle betrete, dann bereite ich mich auf den Tod vor"

Andere Menschen suchen gerade in solchen Extremsituationen mit schweren Krankheiten und Schicksalsschlägen den Weg zu Gott.
Das finde ich auch schön, wenn es Menschen hilft, die an die Bibel glauben, die das zelebrieren, wenn sie in die Kirche gehen und mit einem Lächeln rauskommen. Es ist halt nur nicht mein Weg. Als ich im Rechts der Isar lag, haben mir die Krankenschwestern gesagt, wo die Klinik-Kapelle sei. Das kam für mich aber nie in Frage. Mir war klar, wenn ich die Kapelle betrete und dann das Beten zu Gott anfange, dann bereite ich mich auf den Tod vor. Und genau das wollte ich nicht, auch wenn ich den Tod an sich bereits akzeptiert hatte.

Gab es Momente, in denen Sie dem Tod sehr nah waren?
Ja, die gab es. Auf der Isolationsstation etwa, an Tag vier und fünf. Da hatte ich meine Krise, da hatte ich das Gefühl, wirklich ausradiert zu werden. Die Chemie ist so heftig und du bist so dermaßen platt überall, im Körper, in der Birne. Das Denken strengt an, das Schauen. Du darfst ja nicht mal das Fenster aufmachen, um die Luft draußen zu riechen. Das Einzige, was du hörst, ist die Klimaanlage. Und du kannst nicht weglaufen. Das waren Tage, wo ich natürlich Gedanken daran hatte, es wäre leichter, wenn es einfach vorbei wäre. Am besten ganz schnell. Auch für deine Liebsten. Wenn du siehst, wie deine Familie leidet, wünschst du dir schon auch mal ein schnelles Ende, ein Aus mit Trompeten, um nicht weiter der Tumor für die anderen zu sein, die sich noch länger mit dir herumquälen müssen.

Als Leistungssportler haben Sie früher durchaus eine gewisse Grundeitelkeit ausgestrahlt. Wie schwierig war es, auch das veränderte äußere Erscheinungsbild zu akzeptieren und die schrägen Blicke Ihrer Umgebung zu verkraften?
Mir war das wurscht. Ich hatte keine Haare mehr, keine Augenbrauen, keine Wimpern. Und durch das viele Cortison war mein Gesicht so rund, dass ich rumlief wie eine Wassermelone. Und wenn du so mit 1,93 Metern durch den Supermarkt gehst, dann fällst du schon auf. Immerhin war es nicht so, dass die Menschen in Panik vor mir Reißaus nahmen. Geärgert habe ich mich nur in einem Moment.

Und zwar?
Da ging ich gerade aus der Klinik kurz auf die Straße, mit Mundschutz und meiner Glatze. Da kommt so ein Pärchen daher, er wohl so Anfang 60, sie noch keine 30, richtig Münchner Klischee halt. Schaut er mich an und sagt allen Ernstes: "Hey, machst wohl auf Michael Jackson, oder was." Was für ein Idiot. Wo doch ein Blinder sieht, dass ich da nicht auf Karneval gemacht habe. Am liebsten hätte ich ihm eine aufgestrichen, dass es vorbei gewesen wäre mit seiner Turtelei. Aber das hätte auch keinen Sinn gehabt, ich hab gar nichts gemacht, jedenfalls war das ziemlich unangenehm.

Gibt es einen Unterschied zwischen Lobinger I und Lobinger II? Vor dem Krebs und danach?
Nun, Alkohol geht immer noch nicht, das mit der Leber war leider ein harter Rückschlag. Ansonsten war ich früher Blutgruppe B und jetzt bin ich Blutgruppe 0. Insgesamt bin ich vielleicht doch ruhiger geworden. Ich war früher schon ein arger Hektor, alles musste schnell gehen. Klar konnte ich auch genießen, den Blick auf einem schönen Aussichtspunkt aufsaugen, egal, ob das fünf Minuten waren oder auch 20. Aber ich war nie einer, der die Picknickdecke ausgebreitet hat und mit einer Flasche Rotwein den ganzen Tag da verbringt.

Und das können Sie jetzt?
Nein. Immer noch nicht. Die innere Unruhe ist irgendwie immer noch da, aber es ist nicht mehr so, dass ich mich getrieben fühle, innerhalb von 60 Minuten möglichst viel erreichen zu müssen.

"Heiligabend gehen wir erst mit der Familie ans Grab"

Ist Weihnachten da auch für Sie die Zeit, um noch mehr runterzukommen und sich zu besinnen?
Natürlich. Ich war erst kürzlich auf der Weihnachtsgala der Jose-Carreras-Stiftung, für die ich mich seit Jahren engagiere. Abgesehen davon, dass es schon ein schlechter Witz ist, dass ich dann die gleiche Krankheit bekam. Das geht schon recht tief, wenn dann mit Klavieruntermalung eingeblendet wird, wer alles in diesem Jahr gestorben ist. Nicht wirklich ein Stimmungsmacher. Ich musste auch erkennen, dass der Jahrgang auf unserer Isolierstation kein guter war. Von den acht oder neun, die mit mir dort waren, bin ich der Einzige, der noch da ist.

Wie feiern Sie nun heuer Weihnachten?
Heiligabend gehen wir erst mit der Familie ans Grab, der Vater meiner Schwiegermutter ist erst vor wenigen Wochen mit 92 gestorben. Dann gibt es Kaffee, danach gehen wir zu uns.

Gibt’s wieder Cordon bleu mit Burger-King-Pommes?
Nein, diesmal Fondue. Da freue ich mich auch schon drauf.

Ich habe das Bedürfnis, Silvester alleine zu verbringen

Haben Sie eine ganz persönliche Weihnachtsbotschaft?
Die geht sicher über Weihnachten hinaus. Für mich war früher der Tod hinter dem Ende vom Ende. Ganz, ganz weit weg. Ich dachte nie, dass der Tod auch kommen kann, bevor man 70 ist. Das war schlicht unvorstellbar. Durch meine Krankheit habe ich natürlich gelernt, dass es keine Garantie dafür gibt, 70 zu werden. Sich mit dem Tod auseinanderzusetzen, auch wenn man noch jung und gesund ist, das hilft dann auch, das Leben wieder bewusster zu leben und wieder mehr zu genießen.

Und welche Wünsche haben Sie heuer an Silvester?
Mit Wünschen halte ich mich heuer eher zurück. Ich habe auch eher das Bedürfnis, den Tag alleine zu verbringen. Einfach, um für mich das Jahr abzuschließen. Auch mit einem Gefühl von Dankbarkeit, weil ich wieder da bin, wieder gesund bin und belastbar. Darum ist es an der Zeit, mal in den Leerlauf zu schalten. Wirklich mal durchzuatmen und es einfach zu genießen. Weil alles gut ist.

 

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