Exklusives AZ-Interview EHC-Star Mark Voakes: "Jetzt sind wir bereit für Straubing!"

Der Topscorer des EHC Red Bull München: Stürmer Mark Voakes. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Vor dem Spitzenspiel spricht EHC-Topscorer Mark Voakes über seinen geänderten Spielstil und seine Vorliebe fürs Lesen: "Wer liest, der lernt."

 

München - Mark Voakes spielt seit 2018 beim EHC Red Bull München, der am Freitag (19.30 Uhr) den Tabellenzweiten Straubing Tigers empfängt.

AZ: Herr Voakes, Showdown am Oberwiesenfeld! Tabellenführer EHC Red Bull München empfängt den Zweiten Straubing Tigers. Die haben es im Oktober geschafft, die Siegesserie des EHC zu brechen. Am Ende hieß es 5:1 für Straubing – tut die Pleite noch weh?
MARK VOAKES: Natürlich irgendwo. Ich freue mich immer darauf, wenn wir uns als Team mit den Besten messen können und Straubing hat eine richtig starke Mannschaft. Im ersten Spiel waren wir in meinen Augen nicht bereit. Sie spielten mit der Aggressivität, mit der Intensität, die man in den Playoffs sieht und wir hatten ihnen an dem Tag nicht das Entsprechende entgegenzusetzen. Wir hatten vier Spiele in kurzer Zeit, waren einfach nicht da. Dafür gibt es keine Entschuldigung. Und ich bin mir sicher, dass wir dieses Mal voll da sein – und dagegenhalten – werden.

Der EHC hat auch noch die Pleite vom Sonntag zu verdauen, als man in Ingolstadt eine 0:3-Führung vergeigt hat und am Ende 4:6 verlor. Was ist da passiert?
Es war die Erinnerung für uns alle, dass man eben volle 60 Minuten alles geben muss. So, wie wir in Ingolstadt aufgetreten sind, das waren nicht wir. Und wir werden dafür sorgen, dass das Gesicht, das wir da gezeigt haben, nicht unser normales Gesicht wird. In jeder Saison gibt es ein, zwei Spiele dieser Art. Mehr sollten es aber definitiv nicht werden. So was darf nicht wieder passieren.

Voakes: "Der Geschmack der Niederlage ist viel bitterer"

Wie sehr ist eigentlich das verlorene DEL-Finale der Vorsaison noch Ansporn für Sie?
Sehr. Wenn man sich ans Gewinnen gewöhnt hat, weiß man, wie gut es schmeckt, und der Geschmack der Niederlage ist viel bitterer. Eishockey ist riesiger Spaß, aber wir spielen nicht nur, um Spaß zu haben, sondern weil wir gewinnen wollen. Das ist unser Antrieb. Ich selber habe hier noch nie eine Meisterschaft gewonnen, ich war nahe dran, einige Male Vizemeister, aber nie Champion. Und die Finalniederlage hat uns allen gezeigt, dass es eben nicht so leicht ist, Meister zu werden, wie es die Red Bulls drei Spielzeiten in Folge aussehen ließen.

Bei Ihnen selber läuft es gut, Sie tragen den Roten Helm des Topscorers.
Sehr zum Amüsement meiner Freunde in Kanada, da gibt es so etwas nicht, sie lachen viel darüber. Aber wenn man schon ausgelacht wird, gibt es schlechtere Gründe, als der beste Scorer im Team zu sein. Ich habe mein Spiel vielleicht ein bisschen umgestellt, schieße selber mehr. Wobei ich sagen muss: Eigentlich war es immer in meinem Kopf, selber zu schießen und nicht nur Tore vorzubereiten, aber ich weiß, dass es von außen anders aussieht. (lacht)

Sie haben zwei Mal den DEL-Bewerb der besten Hände gewonnen, wie gut sind diese Hände denn im Alltagsleben?
Ich halte mich für halbwegs koordiniert, kann schon Nägel in die Wand hauen, aber wie alles im Leben: Übung macht den Meister. Ich habe viel im Hockey geübt, um meine Hände so zu koordinieren.

Voakes: "Ich bin ein ganz normaler Kerl, ein Familienvater"

Sie haben mal über sich selbst gesagt: Ich bin langweilig.
Ja, das stimmt auch. Ich bin kein Typ, der das Rampenlicht sucht. Das ist im Spitzensport vielleicht ungewöhnlich, aber so bin ich eben. Ich bin ein ganz normaler Kerl, ein Familienvater, der eben Eishockey spielt. Ich bin gerne ein Teil des Ganzen, ein Puzzlestück, ich muss nicht der sein, um den sich alles dreht.

Sie sind auch dafür bekannt, sehr viel zu lesen.
Ich lese sehr viel Biografien, denn ich denke, wer liest, der lernt. Ich bin sehr neugierig, will verstehen. Ich habe etwa die Biografien von Andre Agassi oder der Eishockey-Superstars Theo Fleury und Steve Yzerman gelesen. Mein absolutes Lieblingsbuch ist aber das über Bob Probert.

Die Legende der Detroit Red Wings. Er war einer der härtesten Spieler, die je in der NHL gespielt haben – und verstarb 2010 im Alter von nur 45 Jahren.
Ich war ein großer Red-Wings-Fan und Probert war so einzigartig. So hart, so stark. Aber wir alle vergessen so schnell, dass ein Mann, der auf dem Eis eine derartige Präsenz hat, im normalen Leben oft die gleichen Ängste, Probleme, Schwierigkeiten hat. Und Probert hatte mit vielen Dingen zu kämpfen. Aber er war ein Kerl, der alles für sein Team gegeben hat, das bewundere ich sehr.

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