Exklusives AZ-Interview EHC-Star Kevin Reich: "Wir sind kein Team, wir sind eine Familie"

Nummer zwei beim EHC München: Kevin Reich Foto: GEPA pictures/ EHC Red Bull Muenchen/ Andreas Gebert

Vor dem Rückspiel in der Champions Hockey League gegen Junost Minsk spricht EHC-Keeper Kevin Reich über seine neue Stärke und seine Ambitionen. „Ich will auch im Nationalteam die Nummer eins sein“, sagt er ambitioniert.

 

München - Kevin Reich ist in der zweiten Saison Ersatzkeeper des EHC München, der heute Abend gegen Junost Minsk (20 Uhr/Sport1) um den Einzug ins Viertelfinale der Champions Hockey League kämpft. Im AZ-Interview spricht er unter anderem über seine Ambitionen im Nationalteam, sein Horror-Debüt für den EHC und das Achtelfinale gegen Yunost Minsk.

AZ: Herr Reich, blicken wir einmal 14 Monate zurück. Damals standen Sie als neuer Backup-Goalie des EHC gegen Iserlohn im Tor, sie fingen sich acht Stück ein. Viele fragten sich damals, ob Sie schon bereit seien, die Rolle hinter Danny aus den Birken einzunehmen.
KEVIN REICH: Ja, damals ging es mir ziemlich schlecht. Ich hatte auch in der Zeit danach hart daran zu knabbern, habe mich sehr schwer getan, weil es gleich so viele Tore auf einmal waren – im ersten Spiel. Aber wie gesagt, es ist Gott sei Dank schon lange her. (lacht)

Stimmt. Seither ist viel passiert. Nun stellen Sie mit aus den Birken das mit Abstand beste Torhüter-Duo der Deutschen Eishockey Liga. Was hat sich verändert?
Ich habe versucht, extrem viel aufzusaugen, von Danny, vom Team, von den Trainern. Ich wollte mich in allen Bereichen verbessern und habe auch sehr viel dazugelernt. Ich denke, ich bin seither gewachsen, auf dem Eis und als Person. Zum Beispiel habe ich meine Ernährung auf vegan umgestellt. Seither fühle ich mich viel besser.

Reich: "Freue mich, wenn Danny ein gutes Spiel macht"

Das Skurrile ist, Sie haben mittlerweile bessere Statistiken als aus den Birken. Von den Werten her sind Sie der beste Torwart der Liga.
Das ist auf jeden Fall eine große Ehre. Aber ich habe jetzt auch erst sieben Spiele gemacht und die Saison ist noch so lang. Statistiken sind ja auch nicht alles. Was zählt, ist, dass am Ende auf unserer Seite immer ein Tor mehr steht als beim Gegner.

Dafür haben Sie unter anderem am Sonntag gesorgt, als Sie den knappen 2:1-Sieg in Düsseldorf festgehalten haben. Ihr bisher bestes Spiel?
Ich würde sagen, es war ein reiner Team-Sieg. Die ganze Mannschaft hat extrem gut verteidigt. Es war ein hartes Spiel, ein Auf und Ab. Ich habe einfach versucht, ein ruhiger Rückhalt zu sein.

Das hat gut geklappt. Gibt es nach so einer Leistung auch die eine oder andere Stichelei Richtung aus den Birken?
Nein, wirklich nicht. Wir beide verstehen uns so gut, da ärgert man sich überhaupt nicht. Ich freue mich immer, wenn Danny ein gutes Spiel macht, weil es ja auch fürs Team gut ist – und umgekehrt, denke ich, ist es genauso.

Aber Sie wollen nicht immer der Backup bleiben, oder?
Das ist doch völlig klar. Ich will den Trainern die Entscheidung, wen sie in den Playoffs ins Tor stellen, so schwer wie möglich machen. In jeder Saison. Und irgendwann will ich Danny auch überholen. Denn er ist der beste Torwart Deutschlands – und wenn ich an ihm vorbeikomme, dann habe ich einiges richtig gemacht. Ich will mich immer weiter verbessern.

Beim Deutschland Cup wurden Sie nun auch erstmals in die Nationalmannschaft eingeladen.
Ein großartiges Gefühl, auch wenn ich noch nicht spielen durfte. Aber ich danke Toni Söderholm dafür, dass er mich eingeladen hat. Denn jeder Sportler träumt doch davon, irgendwann einmal für sein Land aufzulaufen. Mein Ziel ist es jetzt, mich weiter zu empfehlen – irgendwann will ich auch in der Nationalmannschaft die Nummer eins sein.

Reich: "Das hat uns den entscheidenden Push gegeben"

Nicht nur für Sie selbst, auch für den EHC läuft es derzeit super. In der Liga haben Sie jetzt nach 19 Spielen elf Punkte Vorsprung auf den Zweiten Straubing. Was ist das Münchner Geheimnis in dieser Saison?
Da gibt es mehrere Gründe. Aber vor allem liegt es am verlorenen Finale in der Vorsaison gegen Mannheim. Das hat uns den entscheidenden Push gegeben. Wir wollen nicht noch mal als Verlierer vom Eis gehen. Jetzt sind wir noch enger zusammengerückt. Jeder unternimmt was mit jedem. Ganz ehrlich: Das fühlt sich nicht mehr an wie ein Klub, für den man spielt. Wir sind nicht einfach ein Team, sondern wir sind wie eine Familie, eine große Familie. Jeder würde für den anderen Opfer bringen.

Auch in der Champions Hockey League hat der EHC im Finale den Kürzeren gezogen. Ist ein Sieg dort nun auch das erklärte Ziel?
Auf jeden Fall. Wir wollen dort gewinnen, das weiß jeder im Klub. Die Erfahrung im Vorjahr, dort ins Finale zu kommen, hat uns schon viel geholfen, das hat noch kein deutsches Team vorher geschafft. Aber wir wissen jetzt, wie es geht, wir haben alle dazugelernt.

Erst wartet das Achtelfinal-Rückspiel gegen Yunost Minsk. Werden Sie auch dort das Vertrauen vom Trainer bekommen?
Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn ich spiele. Wenn sich die Trainer für mich entscheiden, will ich zeigen, dass ich auch in der Champions League Spiele gewinnen kann.

Das Hinspiel haben Sie knapp 3:2 gewonnen. Das wird sicher kein Spaziergang für Ihre Mannschaft.
Wir werden mit der gleichen Einstellung ins Spiel gehen, mit der wir jede Partie angehen. Wir wollen gewinnen. Und wenn wir gewinnen, sind wir auf jeden Fall weiter.

 

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