Exklusiv-Interview mit Martin Gräfer Hauptsponsor des TSV 1860 deutlich: "Hasan Ismaiks Kritik trifft nicht zu"

Zwei, die miteinander nicht wirklich können: Martin Gräfer (li.) und Hasan Ismaik. Foto: Rauchensteiner/sampics/Augenklick, AZ-Montage

Zwei Tage vor der wichtigen Hauptversammlung beim TSV 1860 München meldet sich der Löwenhauptsponsor "die Bayerische" zu Wort – und reagiert auf die Angriffe von Hasan Ismaik.

 

München - Martin Gräfer spricht exklusiv in der AZ über die Probleme im Verein und Ismaiks Angriffe. Der gelernte Versicherungskaufmann ist seit 2010 Mitglied der Vorstände vom 1860-Hauptsponsor "die Bayerische".

AZ: Herr Gräfer, zwei Tage nach dem Sponsorendeal zwischen "die Bayerische" und dem TSV 1860 erklärte Geschäftsführer Gorenzel, der Handlungsspielraum sei schon erschöpft. Sind Sie überrascht?
MARTIN GRÄFER: Die Frage, wie Handlungsspielräume genutzt werden, gebe ich als Beobachter gerne an die Geschäftsführer der KGaA weiter. Dennis Erdmann ist ein sehr prominenter Neuzugang, aber man darf die aufgerückten Jugendspieler nicht vergessen. Es gilt, die Vorbereitungsphase abzuwarten. Vielleicht bestehen doch noch Optionen, wenn der Bedarf wirklich da ist.

Gibt Ihnen die Tatsache, dass frisches Geld sofort wieder weg ist, als Sponsor nicht zu denken?
Wir sind im vierten Jahr Hauptsponsor und es waren die erwartet turbulenten Jahre. Ich gebe zu: Wir haben nicht erwartet, dass es mit dem doppelten Abstieg so schnell so stürmisch wird. Der Doppelabstieg war der entscheidende Punkt für uns, um zu überlegen: Wie geht’s weiter? Beim Neubeginn waren wir über die zu erwartende Rolle als Sponsor beteiligt. Wir sind eben als Versicherung gerade für einen solchen Fall da. Nun ging es erneut darum, Handlungsspielraum zu schaffen. Daniel Bierofka hat wiederholt Kreativität bewiesen. Aber nur mit Luft und Liebe alleine geht es nicht.

Fans sollen über Namen des NLZ mitbestimmen

Sechzig erhält nun jährlich 900.000 Euro, der Kauf der Namensrechte des Nachwuchsleistungszentrums beläuft sich auf 500.000 Euro für zwei Jahre. Und der Gegenwert?
Wir haben weitere Werberechte erworben und unseren Katalog erweitert, etwa durch mehr Bandenwerbung. Die Haupttribüne wird anders heißen, meinetwegen "die-Bayerische-Haupttribüne". Manche meinten, der Preis für das NLZ sei zu niedrig. Dabei haben wir etwas für Sechzig zu Geld gemacht, das vorher nichts abgeworfen hat. Die Werberechte sind begrenzt, also müssen auch wir uns was einfallen lassen. Die Fans sollen mitentscheiden: Welchen Namen soll das NLZ tragen? Wir denken etwa an eine 1860-Ikone. Mehr wollen wir noch nicht verraten.

Sie wurden kürzlich von Investor Hasan Ismaik kritisiert: Das Sponsoring vor der Mitgliederversammlung sei "perfekt abgestimmte Wahlhilfe" für Präsident Robert Reisinger. Nun hat Ismaik nachgelegt und Ihnen einen "Pakt" mit Reisinger und Michael Scharold unterstellt.
Der Vorwurf der Wahlhilfe ist schon auch verblüffend. Unser Hilfspaket war weder Wahlempfehlung, noch Gegenteiliges. Es war einfach notwendig. Sich positiv einzubringen, ist für mich eine Aufgabe für jedermann. Ob es eine "one man show" war, kann jeder selbst beurteilen. Ich bin als "Außenminister" der Bayerischen für Kommunikation zuständig. Über die Beteiligten kann ich sagen: Unsere Hauptansprechpartner ist die Geschäftsführung, mit der wir sehr vertrauensvoll zusammenarbeiten. Auch zum Präsidium habe ich einen guten Draht. Aber den hatte ich – manche werden es nicht gerne hören – schon zu Ex-Präsident Peter Cassalette, der uns als Sponsor geworben hat. Ansonsten halten wir uns aus der Frage der Wahl des e.V. heraus. Im Übrigen ist die Satzung in einem demokratisch legitimierten Prozess zustande gekommen und das gilt es zu respektieren. Die Frage, was demokratisch ist, ist eben nicht beliebig interpretierbar. Und hier einzig die Sache des e.V. und seiner Mitglieder.

Gräfe über Ismaik: "Man kann die Vergangenheit nicht ändern"

Ismaiks Kritik, die auch Auswirkungen auf das Image Ihres Unternehmens haben könnte, lässt sie also kalt?
Ich habe bisher noch nie eine solch kritische Stimme gegen einen Sponsor im Profifußball wahrgenommen. Das ist wohl auch irgendwie Sechzig. Aber die Kritik trifft uns nicht, denn sie trifft nicht zu. Meine Aussage, unser Respekt gelte allen Akteuren, wird geflissentlich überlesen – wenn man sie überlesen möchte. Nochmal: Respekt vor allen Beteiligten ist extrem wichtig. Da muss sich jeder am Riemen reißen. Wir wünschen uns durchaus eine konstruktive Unruhe, aber: Destruktive Unruhe schreckt Sponsoren ab. Und daran ist nicht der Präsident schuld. Regelmäßig öffentlich und dann auch persönlich zu kritisieren, fördert eine konstruktive Zusammenarbeit nicht. Schuld daran ist die gesamte Gemengelage. Fakt ist: Man kann die Vergangenheit nicht ändern. Die Zukunft ist zu gestalten. Wenn wir dabei eine Rolle spielen sollen, sind wir gesprächsbereit. Aber nur, wenn das von allen Beteiligten gewollt wird.

Dritter Investor? "Ein kluger Antrag"

Damit sind wir bei der geplanten Kapitalerhöhung und einem dritten Gesellschafter angelangt.
Ich halte den Antrag des Präsidiums für einen klugen Antrag. Eine Kapitalerhöhung würde bedeuten, dass die Anteile der heutigen Gesellschafter auf der einen Seite verwässern – also weniger werden – aber auf der anderen Seite auch eine Chance der Werterhöhung erhalten: Durch weitere Investoren kann die Kapitalbasis verstärkt werden, um das Ziel des Aufstiegs voranzutreiben. Vielleicht ist hier Unterhaching sogar ein interessantes Vorbild. Der e.V. wird dabei wohl nicht mitziehen, also würde sein Anteil geringer. Ob das anstelle von 40 Prozent nur noch 25 Prozent sind, ist wohl nicht entscheidend, da die 50+1-Regel weiter gilt. Dieser ominöse dritte Gesellschafter könnte investieren. Der "Dritte" kann aber auch für ein Konsortium stehen. Ich erwarte, dass dies von Herrn Reisinger am Sonntag bei dem entscheidenden Gremium, der Mitgliederversammlung, erläutert werden wird.

 

25 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading