Exklusiv-Interview mit dem EHC-Kapitän Patrick Hager: "Ich habe riesengroße Fußstapfen zu füllen"

Patrick Hager ist seit dieser Saison EHC-Kapitän. Foto: Tobias Hase/dpa

Nationalstürmer Patrick Hager ist der neue Kapitän des EHC Red Bull München und damit Nachfolger von Michael Wolf. Exklusiv in der AZ spricht er über das Amt, die Champions League und Vaterfreuden.

 

München - Patrick Hager schnürt sich seit 2017 die Schlittschuhe für den EHC Red Bull München. Seit dieser Saison ist 30-jährige Nationalstürmer Kapitän des amtierenden Vize-Meisters.

AZ: Herr Hager, vorab mal Gratulation zum Kapitänsamt beim EHC Red Bull München!
PATRICK HAGER: Vielen Dank. Aber ich muss gleich sagen, man sollte das nicht überbewerten. Ich werde der selbe Spieler bleiben, der ich war und bin, denn das ist ja auch der Spieler, von dem meine Mitspieler glauben, dass er das Kapitänsamt ausüben kann. Es ist aber auf jeden Fall eine große Ehre und Anerkennung, dass ich jetzt das C auf der Brust tragen darf, ich bin schon sehr stolz, dass der Verein mir das zutraut, aber eben auch gerade die Kameraden in der Kabine, die mich gewählt haben. Das C ist schon ein Ehrenabzeichen.

Hager: "Das sind riesige Fußstapfen, die ich zu füllen habe"

Einer Eishockey-Ikone wie Michael Wolf nachzufolgen, ist schon eine Aufgabe...
Absolut. Das sind riesige Fußstapfen, die ich zu füllen habe. Der Michi ist in vielen Bereichen ein Vorbild und wir sind die zwei Jahre, in denen wir beim EHC zusammengespielt haben, super miteinander ausgekommen. Wir haben einen sehr guten Draht zueinander und ich bin sicher, wenn sich mal eine Situation ergeben sollte, in der ich seinen Rat brauchen könnte, kann ich ihn immer anrufen. Aber wir sind eine Mannschaft mit so vielen erfahrenen Spielern, da gibt es viele, die Verantwortung übernehmen. Ich habe bis jetzt den Mund aufgemacht und hoffentlich das eine oder andere richtige Wort gefunden – und das werde ich weiter tun.

Wie würden Sie den Menschen Patrick Hager beschreiben? Auf dem Eis können Sie ja ein Gifthaferl sein.
Den Fehler machen viele, dass sie von der Spielweise, die ich auf dem Eis an den Tag lege, auf meinen Charakter, meine Persönlichkeit schließen. Auf dem Eis spiele ich fast immer am Limit, manchmal auch drüber. Das ist für den Gegner, aber auch die gegnerischen Fans nicht immer angenehm, das ist mir vollkommen klar. Aber außerhalb des Eises kann man sehr gut mit mir auskommen. Ich glaube, wenn man sich in den Mannschaften umhört, für die ich gespielt habe, wird man nicht wahnsinnig viel Schlechtes über mich hören.

Hager: "Keith ist ein Supertyp"

Die Öffentlichkeit war ein bisschen überrascht, dass Keith Aulie als Assistenz-Kapitän gewählt wurde – aber wer die EHC-Kabine ein bisserl kennt, war nicht erstaunt.
Stimmt genau. Die Öffentlichkeit und auch die Fans schauen ja oft auf die Statistiken und denken, dass der, der die meisten Punkte macht, auch den Buchstaben auf der Brust tragen soll. Aber oft sind es genau die, die harte und ehrliche Arbeit machen, die für das Amt prädestiniert sind. Keith ist ein Supertyp, wenn er spricht, hängen alle an seinen Lippen und hören zu. Er opfert sich auf dem Eis auf, stellt sich vor jeden Mitspieler, und er hat was zu sagen.

Jetzt geht es in der Champions League auswärts gegen Banská-Bystrica. Die Champions League gewinnt immer mehr an Bedeutung.
Absolut. Seit drei Jahren, seit nur noch die Topteams der Ligen dabei sind, ist das ein richtig geiler Bewerb. Früher ist das vielleicht ein bisschen belächelt worden, aber die Zeiten sind vorbei. Vergangene Saison hat es uns sehr gutgetan, wenn man im Ligaalltag alle paar Wochen wieder ein K.o.-Spiel in der Champions League hat. Das ist auch gut für den Kopf. Wir waren im Finale, das war großartig. Wir können auf dem aufbauen und es vielleicht noch besser machen. Wir haben mit den Neuzugängen richtig tolle Spieler dazu bekommen, das wird noch sehr spaßig. Wir wussten, was sie alle spielerisch drauf haben, aber schon jetzt ist klar, dass sie auch charakterlich wirklich super sind. Es fühlt sich eigentlich bereits so an, als seien sie mindestens ein Jahr ein Teil der Mannschaft – das ist ein sehr gutes Zeichen.

Hager: "Die Vizemeisterschaft tat schon sehr weh"

Sie sind sehr ehrgeizig. Wie lang hat es gedauert, bis Sie verarbeitet haben, dass es vergangene Saison nur zur Vizemeisterschaft gereicht hat?
Das tat schon sehr weh. Man wird ja oft nach einem Titelgewinn gefragt, ob die Gefahr besteht, dass Zufriedenheit einsetzt, dass man satt ist. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn man den Titelgewinn einmal erlebt hat, diesen Adrenalinrausch, dann will man das unbedingt wieder spüren, wahrscheinlich noch ein bisserl mehr als einer, der diesen noch nie erfahren hat. Wir sind jetzt die Jäger, wir schießen scharf, wir sagen Mannheim den Kampf an.

Woran hat es in Ihren Augen letztlich gelegen, dass Mannheim den Titel geholt hat?
Sie haben eine perfekte Saison gespielt, wir hatten in den wichtigen Phasen auch zu viele Verletzungen. Und am Ende hat dann vielleicht auch ein bisschen die Kraft gefehlt. Man darf nicht vergessen, wir hatten durch die Champions League so viele Spiele mehr, wir haben immer alles gegeben, während die anderen Teams die Füße sieben Wochen lang hochlegen konnten.

Hager: "Daheim habe ich jetzt Full House"

Bei Ihnen war auch persönlich im Sommer viel los. Sie sind wieder Vater geworden!
Stimmt. Ich habe jetzt einen Sohn, den Leon. Zusammen mit den beiden Töchtern haben wir jetzt wirklich Full House. Ich kann versichern, dass mir im Moment auch außerhalb des Eises nicht langweilig wird. Aber zum Glück habe ich eine Superfrau, die mir den Rücken frei hält. Ohne sie wäre all das nicht möglich.

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