Ex-Werder-Star Ailton kassiert im Dschungel, Allofs schämt sich

Vor dem Abflug in den australischen Busch: Ex-Bundesligastar Ailton, ab Freitag im Dschungelcamp zu sehen. Foto: dapd

Der Brasilianer war Fußballer des Jahres und Torschützenkönig, jetzt zieht er mit B-Promis wie Radost Bokel ins RTL-Camp.

 

Frankfurt - Gestern noch den Altstar beim Hallenfußball, morgen den Gladiator im Dschungel geben: Ailton Goncalves da Silva freut sich angeblich auf den Rollenwechsel. „Ich bin ein echter Mann. Und deshalb gehe ich auch in den Dschungel. Das wird eine Riesen-Gaudi!” Mit solchen Bonmots soll der Brasilianer ab Freitag täglich aufwarten, wenn RTL das nächste Dschungelcamp startet.

Am Sonntagabend via Frankfurt hat sich eben auch der einst umschwärmte Stürmerstar in den australischen Urwald bringen lassen. Eine gute Autostunde landeinwärts von der Stadt Coolangatta an der Gold Coast verleiht der passionierte Rodeo-Reiter seinem bewegten Leben zwischen den Extremen eine neue pikante Note – mit peinlichem Anstrich. Maden und Spinnen verspeisen, mit Blutegeln baden oder durch Kakerlaken krabbeln – das wird für zwei Wochen sein neuer Alltag sein. Zum tropischen Getier kommt noch Tag und Nacht Geschwätz mit den übrigen zehn Camp-Bewohnern wie den Schauspielerinnen Brigitte Nielsen und Radost Bokel, Ex-Moderatorin Ramona Leiß, Erotik-Model Micaela Schäfer oder Ochsenknecht-Sohn Rocco Stark.

Spannend, mit welchen Beiträgen Ailton aus seinem begrenzten Wortschatz die Dialoge unter freiem Himmel bereichert. Dem Vernehmen nach lockt den 38-Jährigen die mindestens fünfstellige Antrittsgage; die Spekulationen wollen nicht enden, dass sich der Fußballer und Farmer aus Mogeiro finanziell übernommen hat. Rinder- und Pferdezucht in der Heimat sollen nicht wie gewünscht laufen, ihm für die Immobiliengeschäfte der Verwandtschaft der Geist abgehen.

Der Dschungel als letzte Rettung? „Natürlich möchte ich dort Geld verdienen. Ich habe den Fußball schließlich nicht mehr”, hat Ailton zugegeben, „aber das heißt doch nicht im Umkehrschluss, dass ich pleite bin.” Fakt ist indes, dass falsche Freunde mitsamt einer naiven Gutgläubigkeit den lebenslustigen Familienvater um ein Gros seiner Verdienste brachten. In Bremer Zeiten sind Episoden überliefert, in denen die Scheine locker im Auto umherflatterten. Werner Helleckes, einer seiner vielen und häufig wechselnden Berater, wollte 2007 sogar seine Torjägerkanone bei eBay versteigern lassen.

Ailton ist nicht der erste Fußballer, der vor den Kameras die Witzfigur gibt: Vor ihm waren schon Jimmy Hartwig (2004) und Eike Immel (2008) dabei – den Antrieb hatten gesundheitliche Sorgen und finanzielle Nöte gegeben. Ailton, den nicht nur sein früherer Förderer Thomas Schaaf stets liebevoll „Toni” nannte, wandelt nun auf ähnlich schmalem Grat. Dabei war der Mann mit dem mächtigen Kinn zum Jahresanfang noch als gefeierter Liebling beim Hallenturnier in Oldenburg mit der Traditionsmannschaft von Werder Bremen unterwegs – jener Verein, den Ailton stets im Herzen trägt. Wie wenig der frühere Kugelblitz inzwischen für professionellen Fußball taugt, war auf dem Kunstrasen gut zu besichtigen: Selbst Kurzstrecken absolvierte er gehend; der Bauch ist dicker und die Beine dünner, das Gesicht runder und der Hals noch kürzer geworden.

Sein Werdegang nach seiner Werder-Glanzzeit liest sich wie ein Absturz auf Raten. Weder auf Schalke noch in Hamburg und erst recht nicht in Duisburg, weder in der Türkei, Serbien, Österreich, der Schweiz, in der Ukraine, Brasilien oder China wurde der Gute-Laune-Kicker mit immerhin 88 Toren in 169 Bundesligaspielen wirklich glücklich – die jüngsten Gastspiele beim Sechstligisten KFC Uerdingen und Viertligisten FC Oberneuland in der Lieblings-Wahlheimat Bremen beschleunigten nur seinen Werteverfall.

Wenn Werders Vorstandschef Klaus Allofs auf seinen einst besten Stürmer angesprochen wird, klingt längst Mitleid durch. Nein, er werde den Massen-Klamauk wegen Ailton bestimmt nicht verfolgen. „Man schämt sich doch dabei schon für Menschen, die man nicht so gut kennt.” Am Protagonisten perlen solche Urteile locker ab. „Toni liebt die Show – und in Australien ist Showtime”, ließ Deutschlands Fußballer des Jahres 2004 vor dem Staffel-Start ausrichten. Vielleicht taugt der Torschützenkönig von einst tatsächlich zum Dschungelkönig. Seine Frau Rosalie ist übrigens mitgeflogen. Gemeinsam wollen beide nach der Show den Fünften Kontinent erkunden – wenn Ailton im australischen Dschungel nicht traumatische Erlebnisse davonträgt.

 

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