Ex-Trainer Louis van Gaal stößt Debatte an Wem gehört der Erfolg? Wessen Bayern sind das?

Die Bayern jubeln (mal wieder) um ein Tor. Foto: dpa

Die AZ macht den großen Check: Wie viel Feierbiest-Louis van Gaal, wie viel Juppjuppjupp Heynckes und viel Super-Super-Pep Guardiola steckt im Bayern-Team?

 

München -  Im Grunde war es ja nicht Louis van Gaal, sondern Hermann Gerland. Den entscheidenden Tipp hatte der Holländer bei Amtsantritt im Juli 2009 dem ewigen Bayern-Assistenten zu verdanken. „Ich habe ihn gefragt, wer aus der Jugend hochkommt, und er sagte zu mir: ,Müller, Badstuber und Alaba.’“ Van Gaal hörte auf Gerland. Hätte auch nicht jeder gemacht.

Heute sagt der aktuelle holländische Nationaltrainer über all die Bayern-Triumphe: „Ich glaube, dass auch ich meinen Beitrag für diesen Erfolg geliefert habe.“ Bescheiden war er ja noch nie. Doch – unbestritten – den Grundstein hat er damals gelegt. Anfangs mussten sämtliche Stars in die Flachpass-Schule („Der Ball darf nicht hoppelen!“), das Positionsspiel wurde penibelst einstudiert. Louis van Gaal steht für die Genese des Ballbesitzfußballs. Ist Jupp Heynckes der (gute) Onkel der aktuellen Seriensiegermannschaft von Pep Guardiola, dann ist Louis van Gaal ihr Großvater.

Und immer noch mit ihnen verbunden. „Ich bin ein Relations-Coach. Und es sind noch immer meine Spieler. Ich hoffe, dass sie immer gewinnen“, sagte er jetzt im Audi Star Talk. Der 62-Jährige erklärt: „Jupp Heynckes hat das sehr gut geschafft, und das macht Guardiola jetzt auch. Aber Heynckes hat ja dieselbe Taktik gespielt, wie ich sie gespielt habe.“ Stimmt.

Doch welcher Einfluss war am stärksten?

Die AZ macht den Check: Wie viel Feierbiest-Louis, wie viel JuppJuppJupp und wie viel Super-Super-Pep steckt im aktuellen Profi-Kader?

Louis van Gaal: Nach Gerlands Rat ordnete er den Jungstars die richtigen Positionen zu: Alaba musste van Gaal erst überreden, Linksverteidiger zu spielen, Außenverteidiger Badstuber zog er nach innen und Bastian Schweinsteiger machte er dauerhaft zum zentralen Mittelfeldspieler (bei Heynckes war es zuvor ein kurzes Experiment). Und Müller? Ja, der spielte unter van Gaal immer und wurde in seinem ersten Profi-Jahr Doublesieger und WM-Torschützenkönig. Van Gaal hatte seine Lieblinge – Franck Ribéry gehörte nicht dazu. Diese Unterscheidung und sein rüdes Umgehen mit den Bossen führte zur Entlassung im April 2011.

Jupp Heynckes: Erst Heynckes schaffte es, in seiner dritten Amtszeit von 2011-13 all die unterschiedlichen Typen samt ihres jeweiligen Egos perfekt harmonieren zu lassen. Heynckes moderierte und befriedete die Mannschaft, schaffte selbst nach dem „Drama dahoam“ 2012 gegen Chelsea den Turnaround. Spielerisch baute er auf das System Van Gaal, unter Jupp wurden auch Kroos, Dante und der auf seinen Wunsch neu verpflichtete Martínez zu Schlüsselfiguren. Ribéry und Robben blühten wieder auf. Lahm, Schweinsteiger, Müller folgten ihm bedingungslos.

Pep Guardiola: Auch damit hat van Gaal Recht: „Guardiola aber hat eine neue Spielweise inthronisiert, und wir sehen, dass dies auch klappt.“ Nach neun Monaten hat die Mannschaft das riskantere, weil offensivere Pep-System verinnerlicht. Von 4-2-3-1 wurde auf 4-1-4-1 mit nur einem Sechser umgestellt. Klassische Pep-Spieler wie Götze und Thiago (technisch Weltklasse, ballsicher, schnell, wendig, klein) hoben das Spiel-Niveau noch zwei Stufen höher.

Und so eilen die Gaal-Jupp-Pep-Bayern von Sieg zu Sieg, von Rekord zu Rekord.

 

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