Ex-Ski-Rennläuferin im AZ-Interview Höfl-Riesch: "Lindsey ist der einzige Superstar"

Rennsport statt Skipiste: Lindsey Vonn, hier bei einem Formel-1-Rennen, fehlt dem Skizirkus wegen eines Armbruchs. Foto: Imago

Maria Höfl-Riesch spricht im AZ-Interview über den Umbruch im alpinen Skizirkus, ihre Freundin Lindsey Vonn und die Chancen der Deutschen im Weltcup.

 

München - Beim Audi Generation Award wurde die 32-jährige Ex-Skirennläuferin mit dem Jubiläumspreis ausgezeichnet. Bei Olympia gewann sie dreimal Gold, zudem holte sie zwei WM-Titel.

AZ: Frau Höfl-Riesch, gerade noch auf Südsee-Kreuzfahrt mit der MS Europa 2, jetzt zurück im deutschen Winter...
MARIA HÖFL-RIESCH: Das war schon ein kleiner Kultur- und Temperaturschock. So eine weite Reise habe ich noch nie gemacht: von Panama nach Tahiti, auch mal acht Tage ohne Land in Sicht - das war schon entschleunigend.

Viel weiter weg kann der Ski-Weltcup kaum sein.
Wenn die Internet-Verbindung stabil war, habe ich geschaut, wie die Jungs und Mädels fahren. Komisches Gefühl, wenn man auf Meer, weißen Strand und Palmen schaut - und die anderen fahren bei minus 20 Grad in Lake Louise.

Sehnsucht nach den Rennen?
Nee, immer noch nicht. Ich warte jetzt auch nicht mehr drauf. Das kommt nicht mehr.

Wie erleben Sie den Weltcup? Lindsey Vonn, Julia Mancuso, Anna Veith (ehemals Fenninger, d. Red.) in Reha, Tina Maze vor dem Rücktritt - markante Figuren sind Mangelware.
Es ist ein bisschen ein neues Feld. Als ich das Podest von Lake Louise gesehen habe: Ilka Stuhec, Sofia Goggia und Kajsa Kling - da habe ich mir schon die Augen gerieben. Da findet gerade ein Wechsel statt.

Als TV-Expertin müssen Sie erst mal erklären, wer die Neuen sind. Lindsey Vonn muss man nicht erklären. Wie ist der Kontakt zu ihr?
Wir schreiben uns ab und zu, momentan nicht sehr intensiv.

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Sie fehlt dem Weltcup, oder?
Absolut, sie ist ja der einzige wirkliche Superstar, bei weitem. An sie kommt niemand auch nur annähernd heran.

Mikaela Shiffrin scheint nicht der Typ zu sein, den es in die Öffentlichkeit drängt.
Witzig, dass alle jetzt so reden. Als das bei mir mit Auftritten neben der Piste losging, wurde ich kritisiert. Inzwischen scheinen die meisten kapiert zu haben, dass das halt dazugehört.

Wie ist die Situation bei den Männern?
Marcel Hirscher ist ein Mega-Star, nicht so extrovertiert wie Felix (Neureuther, d. Red.), aber sein Können ist gigantisch. Im Speed fehlt eine schillernde Figur. Alexis Pinturault ist ein genialer Skifahrer, aber auch zurückhaltend.

Wie schätzen Sie das deutsche Speed-Team ein?
Andreas Sander ist gut dabei, auch wenn der ganz große Durchbruch noch fehlt. Aber es geht vorwärts. Auf Sicht ist da ein Podium möglich. Der Trainer macht halt viel aus. Christian Schwaiger ist ja erst vor drei Jahren von mir zu den Männern gewechselt - seitdem geht’s bergauf. Diese Entwicklung ist schon bemerkenswert.

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Bei den DSV-Frauen entwickelt sich nicht so viel...
Zumindest hat Lena Dürr für ein, zwei Lichtblicke im Slalom gesorgt. Wurde auch mal Zeit. Vor ein paar Jahren galt sie sogar als Anwärterin auf den Gesamtweltcup. Vielleicht rappelt sie sich heuer auf.

Wie gut sind die Nachwuchsfahrerinnen des DSV?
Patrizia Dorsch zum Beispiel kommt irgendwie nicht so recht voran. Aber was sollen sie machen beim DSV? Scheinbar bietet sich niemand anderes an. Sie ständig in den Europacup zu stecken, bringt aber auch nichts, denn gerade in der Abfahrt muss man Erfahrungen auf den Weltcupstrecken sammeln. Die sind ja jedes Jahr gleich. Es macht also schon Sinn, sie überall fahren zu lassen, aber irgendwann muss halt auch mal was kommen.

Was trauen Sie Viktoria Rebensburg in dieser Saison zu?
Sie kann in drei Disziplinen durchaus vorne mitfahren. Was den Gesamtweltcup angeht: Da muss es für sie schon sehr gut laufen. Der Höhepunkt ist aber ohnehin die WM in St. Moritz.

Was ist da für den DSV drin?
Felix hat Chancen im Slalom und vielleicht auch im Riesenslalom, für Vicky sehe ich sogar drei Medaillenchancen. Aber vielleicht gibt es auch eine Überraschung. Das würde mich sehr freuen.

 

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