Ex-Präsident bricht sein Schweigen Cassalette erhebt schwere Vorwürfe gegen Verwaltungsrat

Peter Cassalette (l.) und Hasan Ismaik. Foto: Rauchensteiner/sampics/Augenklick

Der Totalabsturz des TSV 1860 München ist seit Freitag endgültig besiegelt. Nun äußert sich erstmals der Ex-Präsident Peter Cassalette zum Löwen-Chaos. Wer Schuld an der Misere trägt, ist für ihn klar.

 

München - Wer trägt Schuld am Absturz der Löwen? Investor oder der Verein? Darüber wird derzeit bei den Sechzigern ausgiebig gestritten. Jetzt meldet sich der Ex-Präsident zu Wort und präsentiert seine Sicht der Dinge.

"Eine Zusammenarbeit mit dem Verwaltungsrat war zum Wohle von 1860 aus meiner Sicht nicht mehr möglich", erklärt er im Interview mit dem Fanportal dieblaue24 die Gründe für seine Rücktritt.

Schwere Vorwürfe richtet Cassalette derweil an den Vorsitzenden des Verwaltungsrats, Dr. Markus Drees: "Als es letzte Woche darum ging, einen Weg zu finden, wie die Lizenz für die 2. bzw. 3. Liga erlangt werden könnte, beziehungsweise wie auf die Wünsche von Hasan Ismaik eingegangen werden kann, habe ich das Präsidium und Dr. Markus Drees zu zwei dringlichen Terminen eingeladen. Der Vorsitzende des Verwaltungsrates war zu keinem Termin anwesend." Vielmehr habe er in Österreich ein Fußballspiel besucht.

Verwaltungsrat kein Interesse an vernünftiger Lösung

Eine Rettung der Löwen sei von Drees überhaubt nicht beabsichtigt gewesen: "Auch am Tag nach dem Abstieg war kein Verantwortlicher des Verwaltungsrates in der Geschäftsstelle. Das zeigt mir, wie groß das Interesse von diesem Herrn war, den TSV 1860 noch zu retten und eine vernünftige Lösung zu finden", so Cassalette weiter.

Der ehemalige Präsident beklagt zudem, dass im Verwaltungsrat schon seit Längerem gegen den Investor gearbeitet worden sei: "Vom ersten Tag als Präsident musste ich gegen Bestrebungen von einzelnen Verwaltungsrat-Mitgliedern kämpfen, die für einen Weg ohne den Investor waren - mir aber niemals einen konkreten Plan vorgelegt haben, wie dieser Plan aussehen soll. Nach dem Abgang von Karl-Christian Bay aus dem Verwaltungsrat Ende 2016 war der Verwaltungsrat aus meiner Sicht führungslos und eine Zusammenarbeit zum Wohle von 1860 nicht mehr möglich."

Während Cassalettes Aussagen gegen das Kontrollgremium deutlicher kaum sein könnten, fehlt eine Einschätzung über das jüngste Wirken von Ismaik: Dass dieser Zahlungen zur Sicherung der Drittliga-Lizenz unter Berufung auf unerfüllte Forderungen an den Verein verweigerte, obwohl diese laut Vizepräsidium und Verwaltungsrat teils unerfüllbar gewesen seien, kommentierte Cassalette nicht.

Der 63-Jährige war während seiner Amtszeit bekannt für seinen Pro-Ismaik-Kurs. Nachdem sich sein Vorgänger Gerhard Mayrhofer bis zu seinem Rücktritt für einen Aussteig von Ismaik stark gemacht hatte, suchte Cassalette den Schulterschluss: Was anfangs auch gelang, endete nun trotz millionenschwerer Investitionen des Jordaniers im Desaster.

 

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