Ex-Luxushotel am Tegernsee Hotel Lederer in Bad Wiessee: Der Ausverkauf im Geisterhotel

Zum Ausverkauf im ehemaligen Luxus-Hotel Lederer erschienen zahlreiche Interessenten. Foto: Klaus Wiendl/AZ

Betten, Geschirr, Leuchter: Im "Lederer" am Tegernsee ist Ausverkauf. Doch vielen graust es: "Ois restlos dafeit!"

Bad Wiessee - So viele Besucher hat das Hotel Lederer schon lange nicht mehr gesehen: Am Sonntag drängen sich Hunderte durch den weitläufigen Komplex. Auf dem Areal in Bad Wiessee am Tegernsee ist Räumungsverkauf angesagt.

Schon gut eine halbe Stunde vor Beginn des Abverkaufs im "Geisterhotel" um 14 Uhr ist auf dem angrenzenden Parkplatz an der Seepromenade kein freier Stellplatz mehr zu finden. Auch die Hotelanfahrt ist längst schon beidseitig zugeparkt. Viele Fahrzeuge haben auswärtige Kennzeichen - und etliche einen Anhänger.

Groß ist offenbar die Erwartung, noch günstige Schnäppchen machen zu können. Zunächst muss sich die immer größer werdende Menschenmenge gedulden, denn der "nächste Verwandte" Lederers, der anonym bleiben möchte, kommt mit einer gehörigen Verspätung und fährt ziemlich ungeniert mit seinem alten Porsche durch die wartenden Kaufinteressenten.

Der letzte Vorhang für den vormaligen Eigentümer Josef Lederer (80) ist gefallen. Ende des Monats ist für ihn mit seinem Wohnrecht Ultimo. Seit 2015 gehört die Immobilie der Tegernseer Unternehmer-Familie Strüngmann. Sie plant ein Luxushotel - und dafür zunächst in diesem Herbst den Abriss des alten Hauses.

Keine großen Erwartungen

Bis dahin versucht die Familie des 80-Jährigen, die Restbestände des Inventars noch zu versilbern. "Ich suche noch ein bisschen altes Hotelsilber", sagt etwa eine Touristin aus Hannover. Gekommen sei man aber ohne große Erwartungen. Eine Interessentin aus Bad Tölz mit einem kleinen Gästehaus könnte ein paar Gartenmöbel gebrauchen, erzählt sie. Und ein Ehepaar aus dem Leitzsachtal meint: "Wir haben zuhause eine Ferienwohnung, vielleicht ist etwas dabei, Gläser oder Geschirr." Aber es schaue nicht gerade einladend aus. "Das ist ja in einem furchtbaren Zustand."

Aber auch ein anderer Grund treibt so einige Besucher her: Sie wolle das Hotel nochmals von innen sehen, da sie früher mit ihrem Mann schon einmal hier war, sagt eine Schlierseerin. Wie sie wollen viele das einst legendäre Lederer nochmal sehen.

Löcher an der Decke, aufgeweichter Fußboden

Als dann mit etlicher Verspätung die Neugierde doch befriedigt wird, werden die Interessenten sich selbst überlassen. Keine Organisation, keine Hinweisschilder, nichts. Hilflos irren ältere Menschen über versiffte, dunkle und aufgerissene Flure. Im einstigen Speisesaal klafft ein riesiges Loch an der Decke, der Fußboden ist aufgeweicht. "Grauenhaft", ist zu hören, wie der Eigentümer habe einfach "alles vergammeln lassen".

"Nur Graffel, ois restlos dafeit", schimpft ein Kreuther Interessent. "Man kann doch nicht alles vergammeln lassen und dann noch verkaufen", ist von einem elegant gekleideten älteren Ehepaar aus Tegernsee zu hören. "Die Einrichtung hätte schon vor zehn Jahren verkauft werden müssen." Inzwischen würden die feuchten Möbel "miefen". Da müsse man ja Sorge haben, dass man eine Pilzvergiftung bekomme.

Doch nicht alle sind angewidert. Vor allem in der Küche gehen die Restbestände an Geschirr und Thermokannen gut weg. Eine Rottacherin ersteht ein künstliches Blumengebinde für fünf Euro, das im Geschäft "richtig teuer" wäre.

Ein Wiesseer will nochmals schauen, ob die schmiedeeisernen Wandleuchten noch da sind, für die er sich bereits vor drei Wochen interessiert hat.

Zehn Euro für Kristalldeckenleuchte

Stolz trägt ein anderer Käufer seine Deckenleuchte aus Kristall vor sich her. "Zehn Euro" habe er dafür bezahlt, meint der Tourist aus Kassel. Plümos und Decken haben zwei junge Frauen aus Starnberg ergattert. "Für den Hund", wie sie extra betonen.

Sieben Leuchten für den Flur aus Schmiedeeisen sind es bei einem Mainzer Urlauber-Ehepaar. Statt der geforderten 140 Euro hätten sie nur die Hälfte bezahlt. Selten war die Hotelruine so gefragt wie heute.

 

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