Ex-Löwen und Promis zum Chaos "1860 ein Traditionsverein? Das ist inzwischen der FC Bayern"

, aktualisiert am 30.11.2016 - 09:35 Uhr
"1860 ist wieder auf dem völlig falschen Weg", sagt Meisterlöwe Fredi Heiß (r.), ihm ist, wie auch Kabarettist Ottfried Fischer (l.) und Ex-OB Christian Ude nur noch zum Heulen zumute. Foto: sampics (2), Minkoff/Augenklick/AZ

Die momentane Situation bei den Sechzgern um Investor Hasan Ismaik macht auch denen Angst, die mit vollem Löwenherz dabei sind: Kabarettist Otti Fischer, Ex-OB Ude oder Meisterlöwe Fredi Heiß.

 

München - Es ist zum Heulen mit den Löwen. Nach der 1:2-Pleite bei Spitzenreiter Eintracht Braunschweig hatten die Sechzger am Montag Training. Öffentlich. Kiebitze wollten es kaum begutachten, die Medien hatten gar nicht erst die Möglichkeit dazu: Hausverbot. Am Dienstag ruderte der Klub zurück.

Die Medienwelt ist nicht länger aus dem abstrusen 1860-Kosmos ausgesperrt – alles schon ein vergangenes Kapitel der Giesinger (Grauens-)Geschichte. "Der TSV 1860 München hat sich entschlossen, den Ausschluss der Medien am Trainingsgelände in der Grünwalder Straße aufzuheben. Ab sofort ist der Zugang wieder gestattet", erklärte der Zweitligist am Dienstag knapp.

Ob die Ordner zu teuer waren, die 1860-Bosse ihre Augen vor der Schädigung ihres Vereins nicht mehr verschließen wollten oder Investor Hasan Ismaik seine Laune geändert hat, darüber kann nur gemutmaßt werden. Fest steht: Den Weg aus dem Chaos nach dem Aus von Ex-Coach Kosta Runjaic, Ismaiks Verschwörungstheorien und dem Rücktritt der beiden Verwaltungsräte Karl-Christian Bay und Christian Waggershauser gehen die Blauen in kleinen Schritten. Der verhängte Maulkorb für sämtliche Spieler und Funktionäre bleibt bestehen. Während sich der einstige "Klub zum Anfassen" weiter abschottet, spricht das – mündige – Umfeld:

Die AZ hat sich bei Ex-Löwen und (Edel-)Fans umgehört.

Alt-OB Christian Ude: "1860 nennt sich immer Traditionsverein. Wie man wirklich Traditionen entwickelt und pflegt, kann man viel eher beim FC Bayern studieren. Die sind inzwischen der Traditionsklub."

Meisterlöwe Fredi Heiß: "Ich möchte nur zwei Dinge sagen. 1860 ist wieder auf dem völlig falschen Weg: sportlich und mit dem Presseboykott. Man müsste alle Kräfte investieren, um das Team zum Erfolg zu führen. Stattdessen sorgt man selbst für Chaos. Schrecklicher geht es nicht! Die Schuld bei den Medien zu suchen und nicht bei sich selbst – da muss ich mich fragen. Es ist doch essenziell, in der Berichterstattung aufzutauchen. Positiv wie negativ. Gute Schlagzeilen wären uns allen lieber, aber es ist auch wichtig, Sechzig im Gespräch zu behalten und für die ganzen Fehler zu kritisieren."

Allesfahrer Franz Hell: "Für mich gilt das bayerische Sprichwort: Wer zahlt, schafft an! Ohne Ismaiks Geld wäre Sechzig nicht überlebensfähig. Jahrelang hat er zugesehen, wie es den Bach runtergeht, jetzt nimmt er die Zügel in Abstimmung mit den Gremien in die Hand. Der Unternehmer fragt auch nicht seine Putzfrau, ob er den Abteilungsleiter rauswerfen dar."

Kabarettist Ottfried Fischer: "Wie heißt der Präsident von Sechzig? Cassalette? Das ist jetzt aber kein Speiseöl, das für Lastwagen hergenommen werden kann, oder? Ich verfolge dieses Chaos bei 1860 nicht mehr. Dieser Wust an Meldungen, der auf uns zukommt, ist mir zu viel. Bis man versteht, wer bei Sechzig gerade was ist, ist die Saison vorbei. Donald Trump ist ja harmlos dagegen. Wenn mal was Normales kommt, würde ich wieder hinschauen. Zum Beispiel ein Tor schießen und sich freuen – nicht nach dem Anstoß gleich ein Gegentor fangen. Der Scheich war interessant, als man noch nicht wusste wie Scheichs aussehen – jetzt wissen wir’s. Die Sechzger werden jedenfalls nie so alt, wie sie aussehen. Der Hoeneß hat sich ja jetzt wieder ganz toll verkauft, aber wenn jemand einen Grund zum Weinen hat, sind wir das. Und das ist unsere Größe: Dass wir uns die Blöße nicht geben und bis zuletzt wie ein Mann danebenstehen."

So reagiert die Twitter-Gemeinde auf das Löwen-Chaos

Ex-Trainer Reiner Maurer (in Blickpunkt Sport): "Das Löwenherz blutet oft und schon lang. Man wünscht sich, dass es positiv nach vorne geht, alle an einem Strang ziehen. Die Probleme gehen eigentlich schon 13 Jahre lang, mit dem Ende der Ära Pacult ging’s steil nach unten, man hat die Kurve nicht mehr gekriegt. Ich hab’s selbst erlebt in Griechenland, dass der Geldgeber eines Klubs hofiert wird, die Entscheidungen trifft. Das ist in Deutschland anders. Da wird Ismaik mit Kritik leben müssen. Er hat 1860 gerettet und viel Geld reingesteckt, aber wie er jetzt durchgreift, ist unverständlich."

Christl Estermann, Wirtin des Löwen-Stüberls: "In dem ganzen Chaos traue ich mich gar nix mehr sagen."

Kulttrainer Karsten Wettberg: "Ich bin konsterniert! Dieser Boykott muss beendet werden. Ich denke, dass alle, die am Verein hängen und einen Funken Verstand besitzen, der Meinung sind: Das ist falsch! Ohne Medien kann ein Klub ned leben."

 

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