Ex-Löwe spricht über Löwen-Krise und Trainerjob Pacult mit Eigenwerbung: "Ich passe in das Profil 1860"

War schon einmal Cheftrainer bei den Löwen: Peter Pacult. Foto: dpa/AZ

Als Spieler, Co-Trainer und Trainer wirkte er einst beim TV 1860, jetzt spricht Peter Pacult über die sportliche Krise seines Ex-Klubs, das Chaos um Investor Hasan Ismaik, den Medienboykott - und bringt sich als neuer Coach ins Gespräch.

 

München - Er war nicht nur Zeitzeuge der letzten erfolgreichen Phase des TSV 1860 in der jüngeren Vereinsgeschichte, er hat sie selbst mitverfasst: Der Österreicher Peter Pacult schoss die Löwen 1994 mit seinen Toren in die Bundesliga, wirkte später als Co-Trainer von Werner Lorant und als Chefcoach bei den Sechzgern. Im Interview mit "Sport1" sprach der 57-Jährige am Dienstagabend über die anhaltende, trainerverschleißende Krise auf Giesings Höhen, die Eskapaden um Investor Hasan Ismaik - und bringt sich als neuer Coach ins Gespräch. Pacult über...

die sportliche Krise: Trotz der ganzen Unruhe der vergangenen Woche ist es ein wunderbarer Traditionsverein mit tollen Fans. Und in Deutschland hat der Klub immer noch einen guten Namen. Sportlich sieht es düster aus. Unruhe kommt immer auf, wenn die positiven Ergebnisse ausbleiben. Man ist mit einem großen Budget und sehr hohen Erwartungen in die neue Saison gegangen und hat dementsprechend viel investiert. Ich kann mir nicht erklären, was wirklich los ist.

Investor Hasan Ismaik: Natürlich tut es ihm weh zu sehen, dass sein Geld nicht die Erträge bringt, die er sich wünscht und dass der sportliche Erfolg ausbleibt. Natürlich wollen die Verantwortlichen, dass der Plan so aufgeht, wie bei RB Leipzig mit dem Investor Dietrich Mateschitz, aber das gelingt nicht. Bei den Löwen ist leider der sportliche Erfolg nicht da, so dass man nur etwas neidisch nach Leipzig schauen kann. So hart die Kritik an seiner Person gerade auch ist, muss man mal bedenken, was 1860 ohne diesen Mann wäre. Ismaik hat dem Klub vor Jahren geholfen, dass dieser überhaupt noch existieren kann. Man sollte jetzt nicht den Investor kritisieren, sondern man sollte auch das Positive betrachten. Er hat Sechzig gerettet. Das ist keine Schleimerei bei Herrn Ismaik, sondern die pure Realität. Als Präsident Wildmoser den Verein übernahm, gab es noch keine Millionen, aber mit guter Trainerarbeit sportlichen Erfolg.

Oberlöwe Peter Cassalette: Er ist mit Sicherheit keine Marionette. Man muss auch mal fragen, wer sich in so einer Situation zur Verfügung stellt. Cassalette hat sich bestimmt vorher genau überlegt, was es heißt, den Job des Präsidenten auszuüben. Er ist alt genug, um zu wissen, was er sich da antut. Präsident bei 1860 ist kein leichter Job. Die alten Präsidenten hatten auch die Möglichkeit gehabt, aus dem Verein etwas zu machen. Aber gelungen ist es ihnen nicht. Cassalette macht auf mich einen soliden Eindruck.

den Medienboykott: Es steht Herrn Ismaik und dem Verein zu, das zu entscheiden. Vielleicht will er einfach, dass Ruhe einkehrt, damit er intern abklopfen kann, was aktuell los ist. So eine Mediensperre kann auch hilfreich sein, damit der Verein dann wieder anders arbeiten kann. Dass Daniel Bierofka nach einem Spiel etwas sagen muss, ist normal. Ismaik ist sauer auf die Berichterstattung und will einfach nur den Ball flach halten.  

das Hausverbot für Journalisten: Das war eine etwas eigenwillige Entscheidung. So etwas hätte es damals zu unserer Zeit nicht gegeben. Da gab es auch mal Situationen, wo es nicht so lustig war. Jetzt wird leider vieles groß aufgebauscht. Und es ist keine Frage, dass das nach außen hin nicht positiv bewertet wird.

die Außenwirkung: Natürlich schaut das für Außenstehende nicht gut aus. Aber man weiß auch, wie schnell alles gehen kann. Wenn jetzt der richtige Trainer kommt und man erholt sich sportlich wieder, dann kann das in einigen Wochen schon wieder ganz anders ausschauen. Wenn irgendwas Positives passiert, dann kommen die Leute schon wieder zu Sechzig. So verrückt ist dieser Klub. Aber natürlich muss man sich alles hart erarbeiten. Den Wunschtrainer gibt es nicht.

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18 1860-Trainer seit dem Abstieg 2004: Das erinnert ein wenig an den Hamburger SV. Ich glaube, die Hanseaten sind da der Spitzenreiter. Oder doch die Löwen? Mit dem Abstieg, der sowas von unnötig war, hat das ganze Dilemma begonnen. Der Verein ist da in ein Desaster gerutscht und hat sich davon bis heute nicht erholt. Es gab seit dem Abstieg 2004 neun Präsidenten. Das sind deutlich zu viele.

die Trainerfrage: Wie Herr Ismaik schon gesagt hat, muss ein Trainer her, der den Verein, die Umstände und das Umfeld kennt. Da wird ja ohnehin schon das Kandidatenfeld eingegrenzt. Wenn es nach dem Profil geht, würde ich diese Anforderung mitbringen. Ich würde mir alles anhören. Ich passe in das Profil 1860.

 

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