Ex-Löwe im AZ-Interview Moritz Volz: "Nagelsmann kann eine Karriere wie Klopp hinlegen"

Umkämpftes Duell im Pokalfinale 2019: Leipzig-Stürmer Yussuf Poulsen wird von Bayerns Joshua Kimmich (r.) gestoppt. Leipzig-Co-Trainer Moritz Volz (l.) sieht den Rekordmeister auch dieses Jahr als hohen Favorit. Foto: dpa

Moritz Volz, Co-Trainer von RB Leipzig und früherer Spieler des TSV 1860, spricht in der AZ über das Duell am Samstag und Julian Nagelsmann: "Was mich beeindruckt, ist seine klare Idee vom Fußballspiel".

 

München/Leipzig - Der 36-Jährige Moritz Volz ist seit dieser Saison als Co-Trainer von RB Leipzig tätig. In seiner aktiven Zeit spielte er u.a. in England und beim TSV 1860. Mit der AZ spricht er übers Kochen, den Meistertitel und Kontakte den Löwen.

AZ: Herr Volz, haben Sie für Ihr neues Team von RB Leipzig eigentlich schon mal gekocht?
MORITZ VOLZ: (lacht) Wir haben hier mehrere sehr gute Köche, deshalb bin ich noch nicht aktiv geworden.

Aber Sie hätten es doch bestimmt noch drauf: 2012 haben Sie immerhin bei der ZDF-"Küchenschlacht" mitgemacht und gewonnen.
Ich würde mir sowas schon zutrauen, wobei ich einen gehörigen Respekt davor habe, für große Gruppen zu kochen.

Volz: "Wie in jeder Spielzeit ist Bayern der Maßstab"

Wie kam das damals zustande mit der "Küchenschlacht"?
Das war im Sommerloch kurz vor der EM. Ich war verletzt und stand zu der Zeit bei St. Pauli in Hamburg unter Vertrag, wo die Sendung produziert wurde. Das ZDF hat angefragt, und ich hatte Lust auf diese Erfahrung. Es hat auch viel Spaß gemacht. Alfons Schuhbeck hat damals vorgegeben, dass ich polnische Piroggen kochen soll. Dazu gab’s noch was Südländisches: Okra. Kochen ist entspannend für mich. Ich mache meiner Familie auch gern mal eine Freude.

Und jetzt wollen Sie dem FC Bayern die Suppe versalzen.
Die Bayern sind ähnlich wie wir sehr gut in die Saison gekommen und haben ihre Qualität schon allzu oft gezeigt. Wie in jeder Spielzeit ist Bayern der Maßstab. Wir machen uns darauf gefasst, dass wir eine richtig starke Partie spielen müssen. Und wenn wir das tun, sehen wir uns auch in der Lage, Bayern zu besiegen. Generell wird es wichtig sein, nach der Länderspielpause wieder gut reinzukommen. Die potenzielle Gefahr einer Rhythmusstörung ist da. Es wird schwer am Samstag– aber auch aufregend.

Träumen Sie vom Meistertitel?
RB hat die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte hinter sich. Wenn wir das bestätigen können, wieder die Champions League erreichen und sogar das Pokalfinale, wären wir sehr glücklich. Zudem wollen wir natürlich versuchen, dieses Jahr die Gruppenphase in der Champions League zu überstehen.

Volz: "Wir wollen die CL-Gruppenphase überstehen"

Schauen Sie auf das Spiel am Samstag auch noch ein bisschen als Löwe?
Nicht wirklich. Meine Löwen-Zeit ist ja schon ein paar Jahre her. Ich freue mich auf das Spiel, weil es ein Spitzenspiel in der Bundesliga ist. Für mich in meiner neuen Rolle als Co-Trainer ist gerade jede Partie intensiv - die am Samstag bestimmt besonders.

Mit Julian Nagelsmann ist ein weiterer Ex-Löwe als Cheftrainer für Leipzig tätig. Tauschen Sie sich über Sechzig aus?
Klar, aber wir schauen eher aus der Ferne auf den Klub. Der Bezug ist nicht mehr so eng. Mit dem Biero (Trainer Daniel Bierofka, Anm.d.Red.) gibt es natürlich einen ehemaligen Mitspieler, dem ich die Daumen drücke und viel Erfolg bei seiner Arbeit wünsche. Ein paar alte Bekannte habe ich noch in München. Ich wünsche Sechzig nur das Beste.

Volz: "Nagelsmann steht vor einer großen Karriere"

Wie kam das eigentlich mit Ihnen, Nagelsmann und Leipzig zustande im Sommer?
Julian hat noch einen Co-Trainer gesucht, der Profi- und internationale Erfahrung haben sollte. Beides erfülle ich, deshalb bin ich in die Auswahl gekommen, und dann hat sich Julian für mich entschieden. Ich bin sehr froh, dass es so gekommen ist.

Was macht Nagelsmann so besonders?
Er ist extrem ambitioniert, zielstrebig, zugänglich. Und was mich beeindruckt, ist seine ganz klare Idee vom Fußballspiel und sein besonderer Blick auf das Spiel, Spielsituationen zu erkennen und sie zu analysieren. Das ist schon außergewöhnlich. Julians Fähigkeit kann nicht von jedem erlernt werden, da stecken viel Talent und Intuition drin, aber natürlich auch Erfahrung aus jahrelanger Arbeit.

Würden Sie ihm eine große Karriere zutrauen wie etwa Liverpools Jürgen Klopp?
Ja, natürlich. Er ist auf dem Weg dahin. Gerade führt er seinen Weg hier in Leipzig weiter fort.

Wie sind Ihre eigenen Ambitionen, einmal Cheftrainer zu werden?
Aktuell sehr gering. Grundsätzlich kann ich es mir vorstellen und bin weit weg davon, es komplett auszuschließen. Aber für mich beginnt meine Trainerkarriere hier in Leipzig ja erst so richtig, nachdem ich vorher meine Trainerscheine gemacht habe bis zum A-Schein. Es sind die ersten Schritte für mich, aber einen festgelegten Karriereplan habe ich nicht.

Volz: "Für mich ist England ein Stück Heimat"

In England würde man Sie bestimmt sofort nehmen. Dort haben Sie aus Ihrer Zeit beim FC Fulham ja Kultstatus und gelten als einer der wenigen "Deutschen mit Humor".
Am Anfang hatte ich in England Anpassungsschwierigkeiten. Ich bin ja als 16-Jähriger rüber (in die Jugend des FC Arsenal, d.Red.). Aber nach einer gewissen Zeit habe ich mich an den schwarzen Humor der Engländer gewöhnt und viele Dinge auch gern angenommen, weil es zu meinem Naturell passt. Eine gewisse Bodenständigkeit, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und auch mal über sich selbst zu lachen. Das kam gut an, wurde aber auch ein bisschen aufgebauscht von den englischen Medien. Trotzdem: Für mich und meine Familie ist England ein Stück Heimat, ich habe dort noch viele Freunde und bin immer sehr gern drüben.

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