Ex-FC-Bayern-Star im Interview Claudio Pizarro über Perus WM-Traum: "Dann sind alle Könige"

Claudio Pizarro bestritt seine letzten Länderspiele für Peru 2016. Foto: imago/phossifoto

Ex-Bayern-Star Claudio Pizarro hat es nicht in Perus WM-Kader geschafft. In der AZ spricht er über seinen geplatzten Traum und die Euphorie in der Heimat: "In den Nachrichten gibt es nur noch ein Thema"

Der 39-Jährige, der von 2001 bis 2007 und von 2012 bis 2015 beim FC Bayern gespielt hat, stammt aus Peru. Er bringt es auf 20 Tore in 85 Länderspielen.

AZ: Herr Pizarro, Peru hat sich zum ersten Mal seit 1982 für eine WM qualifiziert. Können Sie uns mal erklären, wie groß die Begeisterung darüber ist?
CLAUDIO PIZARRO: Es bedeutet alles für das Land, alles. Zum ersten Mal nach 36 Jahren hat es wieder eine Mannschaft Perus geschafft, das ist etwas Besonderes. In den Nachrichten gab es nur ein Thema, die Leute denken fast nur noch an die WM. Ich kann Ihnen ein kleines Beispiel nennen.

Gerne.
Bei Hochzeiten in Peru gibt es immer die "hora loca", die verrückte Stunde. Da ist es gerade total angesagt, dass die Leute Trikots der peruanischen Mannschaft tragen, peruanische Lieder gesungen werden, es gibt sogar Puppen passend zu den Spielern. Das WM-Fieber ist überall zu spüren in Peru, alle sind heiß darauf. Deutschland ist ja fast immer qualifiziert, bei uns ist das etwas Spezielles.

Sie fehlen in Perus WM-Kader nach einer schwierigen Saison beim 1. FC Köln. Was hätte es Ihnen persönlich bedeutet, dabei zu sein?
Ich habe vier Qualifikationen gespielt, diesmal haben es die Jungs ohne mich geschafft. Für mich wäre es ein Traum gewesen, dabei zu sein. Davon träumt jeder Fußballer schon als kleines Kind.

Fußball ist "der größte Sport" in Peru

Gibt es in Peru überhaupt noch andere populäre Sportarten neben Fußball?
Eigentlich nicht (lacht). Frauen-Volleyball gibt es noch, da waren wir mal gut. Ich glaube, wir sind 1988 bei Olympia Zweiter geworden. Auch im Schießen gab es mal Medaillen. Aber Fußball ist der größte Sport, die klare Nummer eins.

Wie oft sind Sie in Ihrer Heimat zu Besuch?
Jedes Mal, wenn ich Urlaub habe, reise ich nach Peru. Also zweimal im Jahr, um Familie und Freunde zu besuchen. Und natürlich, wenn ich zur Nationalmannschaft gereist bin. Ich weiß nicht, wie es wird, wenn ich die Karriere mal beendet habe. Vielleicht komme ich dann öfter.

In der WM-Gruppe C trifft Peru auf Frankreich, Dänemark und Australien. Ist der Einzug ins Achtelfinale realistisch?
Das ist auf jeden Fall das klare Ziel. Jeder will ins Achtelfinale kommen. Mit Frankreich gibt es eine sehr starke Mannschaft, die in der Qualifikation gezeigt hat, dass sie viel Qualität hat und Favorit ist. Aber die anderen drei Teams kämpfen um die nächste Runde.

Pizarro: Deutschland und Brasilien gehören zu den Favoriten

Dänemarks Yussuf Poulsen äußerte sich in der AZ optimistisch, dass sein Team eine der Überraschungsmannschaften des Turniers wird ...
Das wünscht sich ja jeder (lacht). In Südamerika traut man es Peru auch zu, die Überraschungsmannschaft der WM zu werden. In der Qualifikation hat man gesehen, wie groß das Selbstvertrauen der Mannschaft ist. In der Vergangenheit hat die mentale Stärke oft so ein bisschen gefehlt, die erfolgreiche Qualifikation war jetzt wie eine Befreiung. Man wird eine sehr junge, eine sehr gute peruanische Mannschaft bei der WM sehen. Die Qualität der Einzelspieler ist sehr hoch.

Welche Mannschaften können die WM gewinnen?

Deutschland gehört immer zu den Favoriten, Brasilien auch. Vielleicht kann Frankreich etwas ausrichten, Belgien hat mir zuletzt gut gefallen. Das könnte eine weitere Überraschungsmannschaft werden. Aber ich denke, dass Deutschland und Brasilien die besten Chancen haben.

Können Sie sich vorstellen, was passiert, wenn Peru Weltmeister wird?
Die Spieler werden ja schon jetzt gefeiert für die Qualifikation. Aber wenn wir wirklich den WM-Titel holen? Dann sind alle Könige in Peru.

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