Eventarena Olympiapark: Hier wird das Radstadion abgerissen

Das Radstadion (Event-Arena) im Olympiapark wird abgerissen. Die AZ hat sich umgesehen. Foto: Daniel von Loeper

Zuletzt stiegen in der Event-Arena Partys oder die Erotik-Messe gastierte. Jetzt wird das alte Radstadion im Olympiapark endgültig abgerissen. Die AZ hat auf der Baustelle vorbeigeschaut.

 

München - Die Architektur ist organisch. Das Dach erinnert an eine Muschel. Auch wenn die Fassade schmutzig und marode wirkt - das Olympia-Radstadion hat was, wenn man davorsteht. Sein sinnlich gewelltes Dach, aus hellen Zeltplanen, korrespondiert lose mit dem spektakulären Zeltdach des Olympiastadions nebenan. Die beiden historischen Sportstätten im grünen Olypark sind über den Toni-Merkens-Weg verbunden.

Soviel zu der Beziehung der Sportstätten: In Kürze wird die aber brutal gekappt. Bis zum Herbst wird Münchens olympisches Radstadion plattgemacht. Gestern rückte die Abrissfirma an - mit schweren Baggern. Sobald der Bauzaun steht, wird das Gebäude entkernt.

Gefährliche Glaswolle und Asbestmatten werden entsorgt

Die Arbeiter entfernen zuerst die Umwelt-Schadstoffe: Die gefährliche Glaswolle hinter der Wandverkleidung und krebserregende Asbestmatten zwischen den dunkel gebeizten Holzsparren packen sie in Säcke. Die werden dann in der Münchner Deponie Nord-West eingegraben. Das ist die übliche, fachgerechte Methode.

Zum Abriss-Auftakt kommt auch Tobias Kohler, Pressesprecher der Olympiapark München GmbH. Die Zukunft? "Hier soll eine neue Sport-Arena entstehen", sagt Tobias Kohler, Pressesprecher der Olympiapark München GmbH. Red Bull soll das Gelände in Erbpacht von der Stadt übernehmen. Als Bauherr plant Red Bull eine etwas größere, top-moderne Multifunktions-Arena für die Eishockey-Spiele der EHC-Red Bull Kufenfreaks. Die Erstlegisten der Basketball-Abteilung des FC Bayern ziehen zur Miete ein. Tobias Kohler freut sich für die Münchner: "Wenn alles nach Plan läuft, sehen wir in Zukunft an olympischer Stätte wieder großen Sport." Moderne Stadien haben inzwischen optimale Sichtlinien, Business-Suiten und Logen - und ziehen damit ein großes und zahlungskräftiges Publikum an. Zu lange war das frühere Radstadion unnutzbar und defizitär.

Die Glanzzeit des Stadions währte nämlich extrem kurz: Während der Olympischen Sommerspiele 1972 radelten die deutschen Bahnradfahrer unter freiem Himmel über die Bahn aus afrikanischen Edelholz. Nachdem sich die deutschen Radsportler ihre Medaillen gegen die DDR erstrampelt hatten, zog Tristesse ein. Der Rad-Tempel für 4000 Zuschauer wurde nicht mehr gebraucht: Bahnradfahren als Sport kam in den 80er Jahren aus der Mode. Man traf sich daraufhin im Radstadion zum Tennis - auf vier überdachten Plätzen.

Ende der 90er Jahre baute man eine Halle ins Stadion. Es entstand die Erlebniswelt „Olympic Spirit“. Doch das Projekt ging schnell Pleite. Für die Stadt entstand ein Millionenverlust. Als „Event-Arena“ wird der Rad-Tempel erst seit zehn Jahren erfolgreich genutzt: für die umstrittene „Körperwelten“-Ausstellung, die Hochzeitsmesse „Trau Dich!“ und die Erotikmesse. Alle zwei Jahre kamen 3000 Kinder zum „Mini München“-Projekt. Wie die neue Multifunktions-Halle einmal aussieht, steht erst nach dem Architekturwettbewerb fest. Passantin Stefanie Winkler ist Bauingenieurin. Sie sagt: „Es ist schade um das Radstadion. Ich hoffe, dass die neuen Architekten sensibel auf das Ensemble hier eingehen - auf den sportlichen Schwung in der olympischen Architektur. Ich persönlich wünsche mir wieder ein Zelt-Dach.“

Im Olympiapark geht eine Ära zu Ende. Zum ersten Mal wird Hand angelegt - an das olympische Erbe der Stadt.

 

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