Euro 2012 Interview Toni Kroos: "Jederzeit bereit!"

Toni Kroos wurde bei der EM bisher dreimal eingewechselt. Foto: dpa

 

Toni Kroos hat bisher lediglich 31 Minuten gespielt bei dieser EM. Hier spricht der Bayern-Star über seine Rolle bei Löw, das Spiel gegen die Griechen und die Besuche seiner Freundin Jessica im Hotel

AZ: Herr Kroos, Ihre Freundin Jessica saß bisher bei jedem Spiel dieser EM auf der Tribüne. Jessica hat Sie hier im Mannschaftshotel „Dwor Oliwski“ mittlerweile öfter sehen können als im Stadion, Ihre Einsatzzeit bei den drei Einwechslungen in den Vorrundenspielen betrug lediglich 31 Minuten. Nachspielzeiten mitgerechnet. Wie gehen Sie damit um?

TONI KROOS: Das ist so, wir haben uns länger im Hotel gesehen als sie mich auf dem Platz. (lacht) Am Tag nach den Spielen durften die Frauen und Freundinnen zu uns ins Hotel, also drei Mal schon.

Wie lange bleibt sie?

So lange wie wir. Hoffentlich bis inklusive des Finales. Ihr Bruder ist auch hier mit dabei.

Was ist mit Ihrem Bruder, mit Felix?

Er muss leider bei Werder Bremen noch Aufbautraining machen, er musste ja Ende April an der Milz operiert werden. Das ist etwas unglücklich für ihn, dass alle Werder-Spieler noch Urlaub haben und er schuften muss. Zum Finale in Kiew würde er eventuell kommen.

Haben Sie eine Dartscheibe mit nach Polen genommen, um sich bei Ihrem Hobby entspannen zu können?

Nein, aber es gibt hier im Hotel eine, das ist leider nur eine elektronische. Da werde ich mich noch kümmern müssen. Wenn schon, dann mit einer vernünftigen Scheibe.

Gegen Portugal war es die 87. Minute, gegen Holland die 81. und gegen Dänemark die 84. Minute, in der Sie eingewechselt wurden. Nicht viel für einen, der von den zehn Länderspielen seit August 2011 acht Mal in der Startelf gestanden ist.

Nein, natürlich nicht. Vor dem ersten Spiel dieser EM hat sich der Bundestrainer eben für die defensivere Variante entschieden, somit anders spielen zu lassen als in der Qualifikation – und damit eben auch gegen mich.

Sie haben als erster Ersatzspieler gesagt, dass Sie damit nicht glücklich sind. Es war keine Kritik, wenn man sagt, dass es nicht befriedigend ist, wenn man nicht spielt. Ich glaube nicht, dass der Bundestrainer Spieler haben will, die draußen sitzen und dann sagen: „Es ist alles gut, alles okay.“ Daher war das für ihn auch kein Problem.

Wie groß war Ihre Enttäuschung nach dieser Grundsatzentscheidung des Trainers vor Turnierbeginn?

Man sieht doch, wie groß die Wertschätzung des Bundestrainers für mich ist, weil er mich immer am Ende der Spiele bringt. Er weiß, dass er mich jederzeit bringen kann, ich bereit bin. Egal, ob wir führen oder hinten liegen. Ich habe nun mal die Ballsicherheit, um bei einer Führung die Zeit runterspielen zu können oder um bei einem Rückstand mehr Druck erzeugen zu können, weil wir ja eher zwei defensiv-orientierte Mittelfeldspieler haben.

Die Gruppenphase ist vorbei. Wie sehen Sie den Fußball, der bei der EM gespielt wird?

Es ist nicht das Spektakel wie bei der WM 2010 in Südafrika. Es gab kaum Partien, in denen es richtig hin und her ging, in denen viele Tore fielen. Alle Mannschaften sind eher defensiv-vorsichtig ausgerichtet.

Zum Duell mit Spanien kann es erst im Finale kommen. Haben Sie Schwächen entdeckt?

Es ist das Mannschaft, die fußballerisch am besten spielt.

Dennoch waren die Spanier auch gegen die Kroaten nur ein Tor vom EM-Aus entfernt.

Nein, sie haben schon sehr souverän gespielt, auch sieben Punkte geholt. In der Gruppenphase haben sich bis jetzt größtenteils die Favoriten durchgesetzt. In den K.o.-Spielen sieht man dann so richtig, was los ist.

Das wird am Freitag im Viertelfinale gegen die Griechen eine richtig harte Nuss.

Es wird unheimlich wichtig, dass wir so schnell wie möglich ein Tor machen. Das würde die Sache enorm vereinfachen, da Griechenland wohl nicht viel für die Offensive tun wird.

 

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