EU hat die Tiere zum Töten freigegeben Die Reptilienauffangstation München hat ein Waschbär-Problem

Ein Waschbär auf einem Ast – in München nehmen Artgenossen von ihm zu viel Platz ein. Foto: dpa

Die EU hat Waschbären zum Töten freigegeben. Die Auffangstation für Reptilien gewährt ihnen Schutz. Doch dort wird der Platz knapp.

München - Schlangen, Echsen, Amphibien – sie alle sind in der "Auffangstation für Reptilien" zu Hause. Doch das größte Problem hat die Station aktuell mit einem Säugetier. Und zwar mit dem Waschbären. Petra Taint von der Auffangstation erklärt der AZ, warum der Platz für die Waschbären nicht mehr ausreicht – und, auf welche Hoffnung die Station jetzt setzt.

Waschbär-Aufnahme, da kein Tier grundlos getötet werden soll

Laut der EU-Verordnung von 2017 gehören Waschbären zu den invasiven Arten. Der Waschbär kommt ursprünglich aus Nordamerika, in Europa wurden die Tiere ausgesetzt oder entkamen aus ihren Gehegen und breiteten sich in der Folge aus. Für die Europäische Union bedeutet das, dass diese Tiere hier nicht heimisch sind. Außerdem gefährden sie heimische Pflanzen. "Daher dürfen die Kleinbären ganzjährig bejagt und getötet werden", berichtet Petra Taint. Die Gemeinschaft aus Spezialisten, Tierärzten und Pflegern hat sich dem Schutz der Tiere verpflichtet. Taint sagt: "Wir nehmen die Waschbären bei uns auf, da kein Tier grundlos getötet werden soll."

Ziel der Einrichtung ist es aber nicht, die Tiere zu behalten 

Die Auffangstation möchte die Bären an Tierfreunde vermitteln, die den Säugern eine artgerechte Haltung ermöglichen können. Zumindest theoretisch. Denn in der Praxis gestaltet sich die Weitergabe an die Münchner sehr schwierig. Als "Präzedenzfall" bezeichnet Taint die Aufnahme von vier Waschbären durch den Tierpark Hellabrunn. Zwei weitere, darunter AZ-Orakel "Wladi", das für Abendzeitung Online während der Weltmeisterschaft Ergebnisse tippte, wurden an einen Privatmann vermittelt, der die Voraussetzungen für die artgerechte Haltung erbringen konnte, etwa ein Gehege, das groß genug ist. "Eindeutig ein Sonderfall", sagt Taint.

Die letzten Minuten von Wladi in seinem alten Gehege sehen Sie hier im Video:

So wird es immer voller bei den Waschbären. Die Auffangstation soll erweitert werden. Doch die Finanzierung steht noch nicht, der Verein wirbt unter anderem im Internet um Spenden. Und hofft jetzt vor allem auf Unterstützung aus dem Rathaus. Die CSU hat beantragt, den Neubau finanziell zu unterstützen. "Wir haben aktuell massive Probleme. Der Neubau würde es uns ermöglichen ordentliche, ressourcenschonende Arbeit zu leisten", betont Taint. Das Gebäude würde auf dem Nachbargrundstück des Tierheims Freising entstehen und die auf drei Standorte verteilte Auffangstation bündeln und mit mehr Platz ausstatten.

Schon 2015 waren Waschbären in der Reptilienauffangstation zu Gast: 

 

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